Gegen Extremismus – für den Frieden

Was tun, wenn radikale Gruppen immer stärker auf eine Gesellschaft einwirken? Wie lassen sich falsche Versprechen von Wohlstand und Seelenheil entlarven? Jugendlichen eine Perspektive bieten, politische Teilnahme fördern, Frauen stärken – mit diesen Ansätzen macht sich SWISSAID im Tschad und Niger im Mandat der Vereinten Nationen gegen den Terrorismus stark.

Die Macht von extremistischen Bewegungen in der Subsahara wächst. Hautnah dabei: Die Menschen in Tschad und Niger. Als wären Hunger und Armut noch nicht genug, bietet ihre Heimat den idealen Nährboden für die Ausbreitung des Fundamentalismus. SWISSAID macht sich vor Ort seit einem halben Jahrhundert mit Arbeit an der Basis für den Frieden stark. Seit zwei Jahren auch im Mandat des internationalen Forschungsinstituts der Vereinten Nationen für Kriminalität und Rechtspflege, kurz UNICRI genannt (vgl. Infobox rechts).

Eine Perspektive für die Ärmsten

Menschen, die zu gewalttätigem Extremismus neigen, leiden unter Ausgrenzung – sie sehen keine Möglichkeit, ihre Lebensbedingungen durch eigenes Engagement zu verbessern. Wer seiner Rechte beraubt und ohne Schutz dasteht, ist besonders anfällig für terroristisches Gedankengut. Diese jungen Männer und Frauen sind eine leichte Beute für terroristische oder kriminelle Gruppen und deren falschen Versprechungen von Wohlstand und Seelenheil.

Hier setzt das partnerschaftliche Projekt von SWISSAID und UNICRI an: Es fördert die Perspektiven vor allem für Jugendliche und Frauen, sensibilisiert die Gesellschaft für die Respektierung der Menschenrechte und eine demokratische Kultur. Konkret erhielten 14 zivilgesellschaftliche Organisationen und Basisgruppen im Tschad und Niger Zugang zu finanziellen Mitteln, um friedensfördernde Aktivitäten umzusetzen. Doch was heisst das genau?

Zum Beispiel Tschad: informierte Jugendliche

Der Tschad ist ein sehr junges Land. Zwei von drei Tschaderinnen und Tschadern sind unter 25 Jahren alt, die Jugendarbeitslosigkeit ist entsprechend hoch –  das Land befindet sich in einer beispiellosen sozialen Krise.Wie können unter diesen Umständen gefährdete Jugendliche erreicht werden? In der Hauptstadt N’Djamena gelang es der Nichtregierungsorganisation ATPIR, mit 12‘000 jungen Männern und Frauen in Kontakt zu kommen und diese über die Menschenrechte und das friedliche Zusammenleben zu informieren.

Rund 30, aufgrund ihrer prekären ökonomischen Lage für die Radikalisierung besonders anfällige Jugendliche, davon 25 Mädchen, wurden in Techniken geschult, mit denen sich ein kleines Einkommen erarbeiten lässt. Die Jugendlichen lernten etwa Trocknungstechniken für Lebensmittel und die Herstellung von Seife oder Lehmbacksteinen für den Häuserbau kennen. Ausserdem wurden Lehrer und religiöse Führer darin geschult, frühzeitig zu erkennen, wenn Jugendliche ein auffälliges Verhalten zeigen.

Zum Beispiel Niger: aktive Bürgerinnen und Bürger

Obwohl der Niger in der Region als vorbildliche Demokratie gilt, hat sich die politische Lage und die Pressefreiheit wieder verschlechtert. Wer seine Meinung zu heiklen Themen frei äussert, muss mit Konsequenzen rechnen. Hier setzt die Initiative der Organisation AGIR Plus an. Sie hat zum Ziel, den Dialog zwischen marginalisierten Gruppen und Politikern in der Region Dosso zu fördern. 200 Personen, darunter 150 Jugendliche und lokale Mandatsträger, Führungskräfte und religiöse Führer, wurden in demokratischen Werten geschult und in vierteljährlichen Treffen zusammengebracht.

Sahel: Starke Frauen braucht das Land

Frauen haben im Tschad häufig nichts zu sagen. Das Erb- und Familienrecht benachteiligt sie systematisch, und in der Landwirtschaft, wo die meisten beschäftigt sind, fehlt ihnen der Zugang zu Land, Saatgut oder Werkzeug. Keine Gesellschaft kann es sich leisten, auf die Kraft der Frauen zu verzichten. Die tschadische Organisation Croset arbeitet in Massenya und Dourbali mit 300 Frauen zusammen und sensibilisierte sie zu Frauen- und Kinderrechten und zu Diskriminierungen.

Es geht um Grundlegendes

Das sind nur drei von vielen kleinen und grossen Projekten, die im Rahmen der Zusammenarbeit mit UNICRI aufgegleist wurden und die grundlegende Dinge wie Bürgerbeteiligung, gute Regierungsführung, soziale und ökonomische Perspektiven für Jugendliche und Frauenrechte angehen. Denn Gesellschaften, die die Armut erfolgreich bekämpfen, in denen demokratische Entscheidungen getroffen werden und in denen die Bürger gleiche Rechte und Möglichkeiten haben, ihr Leben zu führen, sind die besten Bastionen gegen Radikalisierung und gewalttätigen Extremismus.

 

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Slideshow: Was Betroffene sagen

Das Mandat von Unicri ist in viele Teilprojekte aufgeteilt, in denen die Partnerorganisationen mit ganz unterschiedlichen Ansätzen versuchen, die Gewaltbereitschaft einzudämmen und Frauen zu mehr Autonomie zu verhelfen. Doch was lässt sich mithilfe eines solchen Projekts konkret verändern? Direkt Betroffene geben Auskunft.