Bäuerliches Saatgut ist ein Schlüsselfaktor für die Erhaltung der Biodiversität und damit für die Zukunft unserer Landwirtschaft und Ernährung. Doch es steht unter wachsendem Druck der Saatgutindustrie.

Bäuerinnen und Bauern haben über Jahrtausende eine unglaubliche Sortenvielfalt geschaffen, die Ernährungssicherheit, Gesundheit und dauerhafte Anpassungsfähigkeit in Zeiten des Klimawandels gewährleistet. In den vergangenen 100 Jahren sind aber über 75 Prozent aller Sorten verloren gegangen. Mit Patenten privatisieren Saatgutkonzerne genetische Ressourcen, Länder verabschieden restriktive Saatgut- und Sortenschutzgesetze. Mit bäuerlichen Saatgutbanken, Saatgutnetzwerken, der Züchtung neuer bäuerlicher Sorten und der Sicherung der Saatgutqualität durch Partizipative Garantiesysteme (PGS) kann Gegensteuer gegeben werden.

Recht auf Saatgut umsetzen

Bäuerinnen und Bauern haben das Recht Saatgut zu vermehren, für die nächste Aussaat zurückzubehalten, zu tauschen und zu verkaufen. Ihre Mitwirkung und ihr Einbezug sowie der Schutz ihres traditionellen Wissens sind entscheidend für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Saatgutvielfalt und der genetischen Ressourcen. Internationale Regelwerke wie der Saatgutvertrag ITPGRFA und die Bauernrechtsdeklaration UNDROP sichern den Bäuerinnen und Bauern ihr Recht auf Saatgut zu. SWISSAID setzt sich dafür ein, dass diese Instrumente bekannt gemacht, genutzt und umgesetzt werden.

Das bäuerliche Recht auf Saatgut wird vielerorts beschnitten. Viele Länder des globalen Südens geben dem Druck der Industrieländer und der Saatgutindustrie nach und führen strenge Saatgutgesetze ein, welche das bäuerliche Saatgut vom Markt verdrängen. Über Patente oder radikalen Sortenschutz, wie beispielsweise dem UPOV91 System, wird Saatgut monopolisiert und die Bauernfamilien verlieren den freien Zugang zu diesem essenziellen Gut. Als Mitglied der Koalition «Recht auf Saatgut» setzt sie sich dafür ein, dass die Schweiz in Freihandelsabkommen auf die Forderung eines Sortenschutzes nach UPOV91 verzichtet.

Bäuerliche Saatgutsysteme und UPOV91:

Bäuerliche Saatgutsysteme stärken

Die Bedeutung der bäuerlichen Saatgutsysteme, Ursprung aller Saatgutvielfalt und Garant der Ernährungssouveränität, wird häufig verkannt und die notwendige Unterstützung fehlt. SWISSAID gibt Gegensteuer, führt Saatguthüterinnen zusammen und baut Saatgutnetzwerke auf. In dörflichen Saatgutbanken werden die Sorten identifiziert, charakterisiert und erhalten. Mit Partizipativen Garantiesystemen wird die Qualität des bäuerlichen Saatgutes verbessert und damit die Erträge erhöht. Der Verkauf von Saatgut durch die Saatgutbanken bringt den Bauernfamilien ein zusätzliches Einkommen. Junge Menschen erhalten durch die Züchtung neuer Sorten eine Zukunftsperspektive auf dem Land.

Partizipatives Qualitätssicherungssystem für Saatgut: Eine Erfahrung aus Kolumbien

Agroökologie statt Gentechnologie

Die Gentechnologie, ob alte oder neue Verfahren wie Genome Editing und Gene Drive, basiert in der Landwirtschaft auf teurem Saatgut und synthetischen Inputs wie Dünger und Pestizide. Die erhöhten Kosten werden im Laufe der Zeit immer weniger durch steigende Erträge kompensiert. Kleinbauern und –bäuerinnen geraten in die Abhängigkeit grosser Agrarkonzerne. Das bäuerliche Saatgut läuft Gefahr durch Gentechsaatgut kontaminiert zu werden. Bis heute trägt die Gentechnologie kaum dazu bei, Nahrung für Menschen zu produzieren. Mais und Raps für Agrotreibstoffe, Baumwolle für Textilien und Soja für Tiernahrung stehen im Vordergrund. SWISSAID setzt stattdessen auf agrarökologische Landwirtschaftssysteme zur Bekämpfung von Hunger und leistet Aufklärungsarbeit zu Risiken und Auswirkungen der Gentechnologie.

Gene Drives: Zerstörerisch und unkontrollierbar