Resilienz und Ernährungssicherheit

«Heute essen wir drei Mahlzeiten am Tag»

Dank Kursen und Ausbildungen rund um Biopestizide, Geflügelzucht und ums Pflügen ist Halimé Hamza in ihrem kleinen Dorf in Ndongilo zur gefragten Spezialistin geworden. Das neu erlangte Wissen trägt nachhaltig zur Ernährungssicherheit ihrer Familie bei.

Die Fakten

Land, Region:
Mandoul, Logone oriental und Guéra
Dauer:
Januar 2020 - Dezember 2024
Begünstigte:
75'000 Bauernfamilien
Gesamtprojektbudget:
1'220'720 CHF

Die Ziele

Die vom Projekt unterstützten Bauernfamilien sind widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels und sichern ihre Ernährung nachhaltig. Die wesentliche Ziele sind:

  • Die lokale, regionale und nationale Agrarpolitik berücksichtigt die Auswirkungen des Klimawandels und unterstützt die Resilienz der Keinbäuerinnen und Kleinbauern.
  • Bauernfamilien diversifizieren ihre Finanz- und Nahrungsmittelressourcen und passen ihre Produktion an die lokalen ökologischen und klimatischen Bedingungen an.
  • Frauen und Jugendliche entwickeln wirtschaftliche Chancen und werden in die lokale Entwicklung integriert.

Dieses Projekt wird durch den Programmbeitrag der DEZA mitfinanziert.

Auf dem Hof von Halimé Hamza im kleinen Dorf Ndongilo im Süden des Tschad rennen und gackern die Hühner um die Wette. Ein Hahn kräht. Sie suchen nach Körnern. Die 25-jährige Bäuerin Halimé vertreibt die Hühner wieder und wieder. «Sie werden gezüchtet und später verkauft», so Halimé. Mit Geflügel kennt sich Halimé seit Neuestem gut aus: Dank SWISSAID konnte sie eine Ausbildung zur Geflügelzüchterin machen.

Halimé spricht leise. Sie wirkt auf den ers-ten Blick schüchtern. Ihr blau bedrucktes Gewand trägt sie gekonnt um Köper und Kopf gewickelt. Aber Halimés Schüchternheit täuscht. Die junge Frau führt und verwaltet gemeinsam mit ihrer älteren Schwester den Familienbetrieb und kümmert sich um Hof, Haus und Land. Sie ist es, die die Felder für den Anbau vorbereitet und pflügt. Das erfordert Durchsetzungsvermögen, Ausdauer und Standhaftigkeit. Auf dem Bauernhof leben insgesamt zehn Personen. Darunter Halimés Ehemann, mit dem sie seit sechs Jahren verheiratet ist, und ihr Schwager, ihr Bruder und seine Frau, Babys und Kinder.

Unberechenbares Klima – verheerende Folgen

Hier in der Provinz Guéra, im Zentrum Afrikas, ist es brütend heiss. Und trocken. Vor der Regenzeit im Juni klettert das Thermometer bis auf 45 Grad hoch. Die Wetterbedingungen sind herausfordernd, der Klimawandel hat die klimatischen Bedingungen verschärft. Von zwölf Monaten sind neun von Trockenheit geprägt. Dafür fällt während der Regenzeit zwischen Juni und September oft der gesamte Jahresniederschlag auf das trockene, ausgedorrte Land. Dürren und Überschwemmun-gen haben katastrophale Folgen für Menschen, Tiere und Ernten.

Halimé und ihre Familie leben hier in der Sahel-zone wie fast alle anderen Bäuerinnen und Bauern hauptsächlich von der Landwirtschaft. Sie bauen Hirse, Sorghum, Mais und Erdnüsse an. «Wegen des Klimas ist die Menge der Ernte jedoch unberechenbar. Wir wissen nie, was uns erwartet», so Halimé. Auch die Preise auf dem Markt seien sehr unbeständig geworden. «In diesem Jahr fiel beispielsweise die Hirse- und Erdnussernte aufgrund von Insektenbefall und Trockenheit zu Beginn des Erntejahres nicht gut aus», erzählt Halimé.

Um Bäuerinnen und Bauern im Tschad gegenüber den negativen Auswirkungen des Klimawandels zu stärken und ihre Ernährungssicherheit zu verbessern, hat SWISSAID das Projekt «Resilienz und Ernährungssicherheit von landwirtschaftlichen Kleinproduzenten» lanciert.

Die Nachbarn im Dorf waren anfangs sehr skeptisch, weil es (noch) nicht ‹normal› ist, dass eine Frau einen Pflug mit Ochsen bedienen kann. Jetzt kommen sie oft zu mir und kopieren einige Techniken.

Halimé Hamza, Bäuerin im kleinen Dorf Ndongilo im Süden des Tschad

Spezialistin und Vorbild: die Meisterpflügerin

Halimé und ihrer Familie fehlte es an vielem. «Wir hatten weder die technische Ausrüstung noch die landwirtschaftlichen Betriebsmittel, um ausreichend zu produzieren und Geld für unser Überleben zu verdienen», erzählt Halimé über die Zeit vor der Unterstützung. SWISSAID organisierte für Halimé verschiedene Schulungen: Sie erfuhr mehr über technische Abläufe, eignete sich Wissen an rund um die Herstellung und Anwendung von Kompost und Biodünger und lernte, einen Pflug zu bedienen. «Mit dem neuen Pflug ist alles viel einfacher geworden», so Halimé. «Die Nachbarn im Dorf waren anfangs sehr skeptisch, weil es (noch) nicht ‹normal› ist, dass eine Frau einen Pflug mit Ochsen bedienen kann. Jetzt kommen sie oft zu mir und kopieren einige Techniken», schmunzelt Halimé.

«Nun können wir grössere Anbauflächen bewirtschaften. Lokales hochwertiges Saatgut und der Einsatz von organischem Düngemittel unterstützen das gesunde Wachstum der Pflanzen. So können wir grössere Mengen produ-zieren und verdienen mehr Geld», so Halimé. Die Getreideernte hat sich dadurch verdreifacht. «Normalerweise ernten wir 20 Säcke, dieses Jahr waren es mehr als 50», freut sich Halimé. Die Hirse sei leider von Insekten befallen worden, die gegen das eingesetzte Bio-pestizid resistent waren, so Halimé. Für die nächste Saison will sie die Formel anpassen.

Die Erdnussernte teilte sie auf: Ein Teil wurde verkauft, um Schulkosten zu bezahlen. Ein anderer diente als Nahrungsergänzung. Mit dem Erlös des dritten Teils kaufte sie Ochsen, Ziegen und Schafe. Als Investition und um ihre Produktion zu diversifizieren.

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Dem Bauern in Ecuador. Der Mutter im Niger. Dem Jungen in Myanmar. Der Frau in Kolumbien. Der Familie in Tansania. Dem Mann im Tschad. Dem Mädchen in Indien. Dem Vater in Guinea-Bissau. Der Bäuerin in Nicaragua. Ihnen kommt Ihre Spende zugute.

Hoffnungsvoll in die Zukunft

Dank den umgesetzten Massnahmen wurde Halimés Familienbetrieb widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Ihre Lebensgrundlage ist deutlich verbessert, die Ernährung nachhaltig gesichert. «Heute essen wir regelmässig drei gesunde Mahlzeiten am Tag und die Kinder müssen nicht mehr hungrig schlafen gehen», freut sich Halimé. Früher habe sie weder gefrühstückt noch zu Abend gegessen. Nach einem langen Tag auf dem Feld trank sie bloss eine Tasse Tee.

Für die Zukunft hofft Halimé, dass alle gesund bleiben, sie immer genug zu essen haben und sich ihre Lebens-bedingungen stetig weiter verbessern. Und sie hegt einen grossen Wunsch: dass sie sich mit künftigen Gewinnen bald eine Ölpresse und eine Schäl-maschine kaufen kann, um Erdnüsse zu verarbeiten und einen besseren Preis auf dem Markt zu erzielen.

In der Zwischenzeit ist es Abend ge-worden in Ndongilo. Die Sonne geht unter, endlich sind die Temperaturen erträglich. Die Hühner sind leise ge-worden. Zeit zum Ruhen. Denn der nächste Tag beginnt schon bald mit dem ersten Krähen des Hahns.