Die Rolle der Frauen beim Umweltschutz

Hüterinnen der Páramos

Die kolumbianische Allianz «Guardianas de los Páramos», zu der auch SWISSAID gehört, will die Ökosysteme in sechs Gemeinden in Boyacá im Nordosten Kolumbiens schützen. Der Fokus liegt auf der Wiederherstellung dutzender Pflanzensorten und auf der Rückkehr traditioneller landwirtschaftlicher Methoden. Der Schutz der Gewässer und die Stärkung der Rolle der Frauen auf dem Land sind weitere Ziele der Allianz.  

Die Fakten

Land, Region:
Kolumbien, Region Boyaca
Dauer:
Oktober 2020 - Dezember 2022
Begünstigte:
11’373, davon 580 Jugendliche

Die Ziele

Das Projekt soll die Lebensqualität von Frauen und Männern in sechs Gemeinden in Boyaca, insbesondere in den Páramos Tota-Bijagual-Mamapacha und Pisba nachhaltig verbessern. Wesentliche Schwerpunkte sind der Schutz der Ökosysteme und der biologischen Vielfalt, die Förderug nachhaltiger agrarökologischer Anbaumethoden und die Stärkung der Frauen in der Politik.  

 

«Ich bin Bäuerin mit Leib und Seele – und sehr stolz darauf! Ich bin glücklich, auf dem Land zu leben, in einer Umgebung, in der ich mich frei fühlen, saubere Luft atmen und die Verbindung zur Natur spüren kann. Ich kann mein eigenes Essen anbauen, das gesund und abwechslungsreich ist und mir eine bessere Lebensqualität ermöglicht,» schwärmt Rosaura García. 

Sie ist Agronomie-Studentin und technische Assistentin des Projekts «Guardianas de los Páramos». Engagiert setzt sie sich für das Projekt zum Schutz der Ökosysteme in sechs Gemeinden von Boyacá ein. Das fördert gleichzeitig die Anpassung an den Klimawandel, sichert die Ernährungssicherheit der Familien und stärkt die wirtschaftliche Autonomie, sowie die Rolle der Frauen und unterstützt 34 soziale Organisationen. 

Das Projekt entstand aus der Zusammenarbeit der Bauernvereinigungen von Boyacá mit drei internationalen Organisationen, die im Land tätig sind: Das UNO-Entwicklungsprogramm «Global Environmental Facility» (GEF), die NGO «Corporación Mundial de la Mujer Colombia» und SWISSAID. 

Paramo de Sumapaz Colombia

Páramos sind eine durch Grasfluren gekennzeichnete Vegetationsform oberhalb der Baumgrenze der tropischen Hochgebirge Südamerikas. Páramos können grosse Mengen Kohlenstoff und Wasser speichern und stellen ein wichtiges natürliches Wasserreservoir dar. Subpáramos sind etwas tiefer gelegen und bilden den Übergang zwischen den andinen Hochwäldern und den alpinen Páramos. 

Gemeinsames Ziel: Ernährungssicherheit

In den sechs Gemeinden ist die landwirtschaftliche Produktion zuletzt drastisch zurückgegangen. Zum einen werden immer mehr Lebensmittel importiert, zum anderen werden die Landflächen und Arbeitskräfte vermehrt für den Kohleabbau eingesetzt – was sich auch negativ auf die Wasserquellen auswirkt. Rubén García, SWISSAID-Koordinator in Boyacá, beschreibt, wie paradox es ist, wenn schwer beladene Lastwagen aus den Städten in die Gemeinden fahren und Lebensmittel bringen. In eben diese Gemeinden, deren Böden von jahrelanger (Kartoffel)-Monokultur geschädigt sind und unter dem Verschwinden traditioneller Märkte leiden. 

Das Ziel ist daher die Förderung der Landwirtschaft mittels agrarökologischer Methoden und die Rettung vom Aussterben bedrohter Sorten, damit sich Familien gesund und ausgewogen ernähren können. «Wir fördern agrarökologische und schonende Anbaumethoden im Páramo und bauen Gewächshäuser und Gemüsegärten. So steigern wir eine vielfältige Lebensmittelproduktion. Zudem führen wir wieder einheimische Sorten und Kartoffelarten ein. Für den Eigengebrauch der Familien und den Verkauf auf Bauernmärkten», erzählt Ana Beatriz Barona, Koordinatorin des GEF in Kolumbien. 

Im Rahmen des Projekts wurde in Boyacá eine Schule für Saatguthüterinnen und -hüter gegründet. Sie ist vernetzt mit anderen Schulen, die SWISSAID in Kolumbien unterhält. In 284 Gärten wachsen nun statt Kartoffel-Monokulturen verschiedene Sorten wie Mais, Weizen, Kartoffeln, Quinoa, Bohnen, Erbsen, Linsen, Kohl und andere Pflanzen. Auf diese Weise werden die traditionellen Lebensmittel wieder aufgewertet, die lange Zeit als «Arme-Leute-Essen» angesehen wurden. 

Ihre Spende verändert Leben

Dem Bauern in Ecuador. Der Mutter im Niger. Dem Jungen in Myanmar. Der Frau in Kolumbien. Der Familie in Tansania. Dem Mann im Tschad. Dem Mädchen in Indien. Dem Vater in Guinea-Bissau. Der Bäuerin in Nicaragua. Ihnen kommt Ihre Spende zugute.

Das Resultat: Der Speiseplan der Familien erweiterte sich von rund 10 auf mehr als 30 Lebensmittel. Mit dem Verkauf der überschüssigen Ernte generieren sie auf den 13 Bauernmärkten zusätzliches Einkommen. Dazu erhielten die Familien und Organisationen Schulungen zur Vermarktungsstrategien. Ferner wurden 15 Schweinezuchtanlagen, 36 Bienenstöcke, 55 Gewächshäuser und 51 Bewässerungssysteme eingerichtet. 

Auch werden traditionelle Methoden wiederbelebt, zum Beispiel die Herstellung von Weizen- und Maismehl mithilfe von Steinmühlen. Dieses Mehl wird durch das lokale Netzwerk vermarktet und könnte den Nutzpflanzen, die durch Importe und staatliche Massnahmen an den Rand gedrängt wurden, wieder Auftrieb verleihen. 

Für Walquiria Perez, Länderverantwortliche von SWISSAID, ist diese wirtschaftliche Komponente sehr wichtig. «Für jeden Betrieb wurde eine Prognose erstellt und ermittelt, wie die Familie Einkommen erwirtschaften kann, welche Diversifizierung möglich ist, was angepflanzt werden soll, wie viel selber genutzt und wieviel verkauft werden kann. Es braucht solche nachhaltigen Überlegungen, damit die Familien nicht von einer einzigen Einkommensquelle abhängig sind. Wenn der Hof das Einkommen aus den Minen ersetzen kann, bringen sich die Männer auch stärker ein.»  

Als Ergänzung zur Ernährung der Familien wird die Zucht von kleinen Nutztieren wie zum Beispiel Schafen gefördert. Sie liefern nicht nur Fleisch, sondern auch Wolle, die den Familien ein Einkommen verschafft. Zudem liefern sie Kleidung, da mit ihrer Wolle Ponchos hergestellt werden, die bestens für das kalte Klima geeignet sind, in dem die begünstigten Familien leben.

Foto: Rosaura García

Die Teilnehmenden des Projekts Montañas Vivas wurden beim Bau von Gewächshäusern und Gemüsegärten unterstützt, um eine vielfältigere Produktion zu erzielen. Zudem wurden einheimische Sorten und verschiedene Kartoffelarten wieder eingeführt. Dank diesen Massnahmen kann die Bevölkerung ihre Ernährungssicherheit verbessern.

Hier präsentiert Carlos Humberto Rincón, Sekretär des Verbandes TDS von Mongua, seine Pflanzen, die im Gewächshaus wachsen.

Foto: Rosaura García

Beachtliche Erfolge

Die Páramos-Gebiete waren vor Projektbeginn in einem desolaten Zustand. Grosse Flächen wurden entwaldet, um Weiden für die Viehzucht zu gewinnen. Zudem war der Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden hoch, die Bodenqualität nahm immer weiter ab und die Flüsse wurden durch die chemischen und festen Abfälle verschmutzt. 

Bis heute wurden sieben kommunale Baumschulen eingerichtet, acht Wasserleitungen optimiert, elf Wasserquellen geschützt, 16 einheimische Arten vermehrt und 6’700 Bäume gepflanzt. Das Wichtigste ist jedoch, dass die Gemeinden für die nachhaltige Bewirtschaftung von Böden und Wasserquellen sensibilisiert und geschult wurden, was das Bewusstsein für den Umweltschutz geschärft hat. 

Stärkung der Frauen

An diesem Projekt nehmen mehr als 6’000 Frauen und rund 5’000 Männer teil. Eines der Hauptziele ist es, die Autonomie und Selbstbestimmung der Frauen zu stärken. «Wir sind überzeugt: Die Förderung der Frauen kommt direkt den Familien zugute und treibt auch die Entwicklung in den Gemeinden und Gebieten, in denen wir tätig sind, voran», sagt Ana Lucía Jiménez von Corporación de la Mujer. 

Der soziale Schwerpunkt des Projekts liegt daher auf der Gleichstellung der Geschlechter und der Beteiligung der Frauen in der lokalen Politik. Frauen sollen in ihrer Selbstbestimmung gestärkt werden, um eigene Entscheidungen treffen zu können. Der Kampf gegen Gewalt an Frauen und ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit sind weitere wichtige Pfeiler im Projekt. 

«Die Rolle der Frauen in diesem Prozess ist äussert wichtig, denn sie sind offen für Veränderungen, mutig, motiviert, fleissig und nehmen Herausforderungen schnell an», betont Walquiria Pérez. 

Die Massnahmen tragen bereits erste Früchte, wie Walquiria hinzufügt. «Die kommunalen Organisationen sind sich der heiklen Situation bewusst. Aber wo der Wille zur Veränderung vorhanden ist, werden politisch motivierte Frauen beginnen, die Entwicklung ihrer Region zu beeinflussen».  

«Das Schönste an diesem Projekt ist, dass ich Menschen helfen und andere junge Menschen in meinem Umfeld dazu ermutigen kann, sich für die ländlichen Gebiete zu engagieren. Dieses Projekt hat mein Leben definitiv umgekrempelt», sagt die junge Rosaura abschliessend. 

 

Text: Fernando Chaves Valbuena, freischaffender Journalist

Originalartikel: Guardianas de los Páramos, liderazgo femenino en defensa de la vida, elcampesino.co, 28. Februar 2022