Neues Kompetenzzentrum

Aufschwung mit Agroökologie

Ein nationale Adresse in Sachen Agroökologie: Das hat SWISSAID in Guinea-Bissau vor. In dem Kompetenzzentrum, welches von SWISSAID und ihren Partnern betrieben wird, lernen künftige Experten alles über natürlichen Dünger, Wassermanagement und vielfältiges Saatgut. 

Die Fakten

Land, Region:
Guinea-Bissau, Cacheu, Bafatá, Oio und Bissau
Dauer:
Januar 2018 - September 2019
Begünstigte:
502 Produzenten sowie die 20 Mitglieder des Kompetenzclusters
Gesamtprojektbudget:
220'260 CHF

Die Ziele

Das Projekt zielt darauf ab, die agroökologische Produktion zu steigern und zu diversifizieren. So wird die Ernährungssicherheit der ländlichen Bevölkerung verbessert und das Haushaltseinkommen erhöht. Eine wichtige Rolle nimmt dabei das Kompetenzzentrum ein. Das hat sich mittlerweile zu einer wichtigen Adresse in Sachen Agroökologie entwickelt.

An einem Samstagmorgen im Morgengrauen. Der Hauptstraße entlang, die nach Bissau, der Hauptstadt von Guinea-Bissau, führt, rufen Frauen «toca-toca» – Kleinbus-Taxis! Auf ihren Köpfen tragen sie Körbe, randvoll gefüllt mit Obst und Gemüse. Ihr Ziel: Das französische Kulturzentrum. Dort wollen sie ihre einige Stunden zuvor frisch geernteten Bioprodukte verkaufen. Am Ende des Tages gehen die Bäuerinnen mit einem Lächeln im Gesicht und müden Beinen nach Hause. «No fasi bom negoçio», ruft die siegreiche Ermelinda Pedro Mendonça. Übersetzt: Die Geschäfte sind gut gelaufen.

Es ist eine kleine Revolution für die Frauen der Vereinigung Granja de Pessubé und ein weiterer Sieg bei der Etablierung der ökologischen Landwirtschaft in dieser Region. Seit 2015 arbeitet der 300-köpfige Gemüsebauernverband mit SWISSAID zusammen und hat sich zum Vorreiter in der Agrarökologie entwickelt. Gemeinsam werden Bäuerinnen geschult. Ihr Wissen trägt dazu bei, den Einsatz von Chemikalien zu unterbinden und die Probleme der konventionellen Landwirtschaft aufzuzeigen.

Agrar-Ökologie im Blickpunkt

Ernährungssicherheit ist das A und O

Die Landwirtschaft ist die dominierende Wirtschaftstätigkeit des Landes. 82 Prozent der arbeitenden Bevölkerung beschäftigt in diesem Bereich. Achtundneunzig Prozent davon sind Familienbetriebe, die mehr als 90 Prozent der Produktion des Landes ausmachen. Die immense Abhängigkeit von diesem Sektor gefährdet die Bauernfamilien. Die klimatischen Bedingungen verändern sich drastisch. Die Überbeanspruchung des Bodens reduziert die landwirtschaftliche Produktion und damit auch das Einkommen der Menschen.

Damit mehr Bauernfamilien wie die Frauen von Granja de Pessubé ihre Ernährungssicherheit verbessern können, hat SWISSAID Guinea-Bissau ein Pilotprojekt auf lokaler und nationaler Ebene lanciert. Das Ziel: Agro-Ökologie weiter zu verbreiten. Zu diesem Zweck bringt ein «Kompetenz-Cluster» die Schlüsselakteure vor Ort zusammen.  Koordiniert wird dies vom Leiter der Agrarökologie von SWISSAID Guinea-Bissau, Tcherno Talato, in Zusammenarbeit mit der französischen NGO Agrisud.

Die Landwirtschaft ist der Wirtschaftsmotor des Landes: 82 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind in diesem Sektokr beschäftigt. Durch die Stärkung der Agro-ökologie kämpft der Verein Granja de Pessubé gegen die Ernährungs- und finanzielle Abhängigkeit der Bäuerinnen und Bauern.

Einen Namen gemacht

Doch wie sieht Agroökologie in der Praxis aus? Das sehen Landwirte in Demonstrationsfeldern beim Kompetenzzentrums. «Die Landwirte sehen die angewandten Techniken mit eigenen Augen. Sie kehren dann mit diesem Wissen in ihre Dörfer zurück, testen und teilen es mit anderen. Die Verbreitung erfolgt am besten von Bauer zu Bauer», erklärt Aissé Barry, Gender-Expertin von SWISSAID, die auch Mitglied des Kompetenzzentrums ist. Dabei geht es beispielsweise um organische Pestizide, Erosionsschutz, organischer Dünger oder richtiges Wassermanagement. «Das Ziel des Kompetenzzentrums ist langfristig, immer mehr Menschen in der Agrarökologie auszubilden. Diese können dann ihr Wissen auf lokaler Ebene weitergeben», sagt Aissé. Der 2015 gegründete Cluster ist heute eine national anerkannte Einrichtung. «Wenn in Guinea-Bissau über Agrarökologie gesprochen wird, spricht man von SWISSAID», erklärt Aissé.

Heute haben praktisch alle Frauen in dem Verband chemische Pestizide und Düngemittel von ihren Feldern verbannt.

Der Boden ist das grosse Gut

Zurück auf die Felder von Granja de Pessubé. Auch hier hat sich das Projekt positiv ausgewirkt. Das gemeinsam genutzte Pilotfeld ermöglichte es, agroökologische Methoden auf andere Felder auszuweiten. Bis heute haben praktisch alle Frauen in der Vereinigung chemische Pestizide und Düngemittel auf ihren Feldern verbannt. Joia Rosario ist seit ihrem 20. Lebensjahr Mitglied der Vereinigung. «Bio-Gemüse gibt mehr Arbeit, aber auch mehr Ertrag. Der Boden ist stärker und gesünder. Die Pflanzen wachsen gut. Früher musste ich die Chemikalien von den Händlern kaufen. Heute sind sie es, die kommen, um das schmackhafte und gesunde Gemüse bei mir zu kaufen», lacht sie.

Das Projekt ermöglicht es den Frauen, wieder traditionelles Saatgut zu benutzen. In der Vergangenheit haben Frauen nur Auberginen, Sauerampfer und Okra angebaut. Geringe Vielfalt une eine nicht ausreichend ausgewogene Ernährung. Dank der Wiedergeburt von längst vergessenem Saatgut, können die Gärtner nun auch Tomaten, Salat, wilder Spinat oder Peperoni anbauen.