Starke Mütter, starke Mädchen

Im Tschad können die wenigsten Frauen lesen oder schreiben. Nur wenn Mütter wie Angeline Yakeneloum für ihre Mädchen einstehen, wird sich das ändern. Denn starke Mädchen brauchen starke Vorbilder.

In einem Land, das geplagt ist von Hungersnöten, bleibt Bildung oft auf der Strecke. Die durchschnittliche Schulzeit beträgt im Tschad eineinhalb Jahre. Für Frauen ist die Situation besonders problematisch: 86 Prozent der Frauen sind Analphabetinnen, sie sind rechtlich benachteiligt, wirtschaftlich abhängig von ihren Ehemännern und von verschiedenen Formen von Gewalt bedroht – Genitalverstümmlung, Zwangsheirat und häusliche Gewalt gehören zur Tagesordnung.

Trotzdem tragen die Frauen häufig die gesamte Verantwortung für die Familie. Ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit und eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung sind deshalb entscheidend – sie sind nicht nur für die Versorgung der Familie zentral, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde.

Auch Mädchen gehören in die Schule

Das Beispiel von Angéline Yakeneloum zeigt, welche grossen Auswirkungen kleine Unterstützungsleistungen an Frauen haben können. Die Mutter von acht Kindern, davon vier Mädchen, ist Mitglied einer Frauengruppe, die eine Kuh und ein Rind geschenkt erhielten. Die Tiere erleichtern die Arbeit auf dem Feld, die Familie kann mehr ernten und Überschüssiges auf dem Markt verkaufen Endlich verfügt Angeline über eigenes Geld.

Mit dem eigenen Einkommen in der Tasche ist Angeline unabhängiger und selbstsicherer – davon profitieren vor allem auch ihre Mädchen: Der Vater wollte nicht alle Kinder in die Schule schicken. Doch Angeline wehrte sich und konnte dank ihrem Einkommen einen Grossteil der Kosten übernehmen, so dass alle acht Mädchen und Buben die Schule besuchen können. Denn der 45-Jährigen ist wichtig: «Ich will, dass es meine Mädchen mal einfacher haben und nicht Analphabetinnen bleiben, wie ich.»

Wer gegen Mädchen handelt, wird ausgeschlossen

Angelinas Beispiel macht in der Region Schule. Das SWISSAID Koordinationsbüro in N’Djamena setzt sich in enger Zusammenarbeit mit sechs lokalen Frauenorganisationen im Süden des Tschads dafür ein, dass Frauen an Alphabetisierungskursen teilnehmen und über Kinderheiraten, Beschneidung und die Wichtigkeit des Schulbesuchs für Mädchen aufgeklärt werden.

Rund 1'500 Frauen haben bereits einen Kurs besucht und schicken ihre Mädchen zur Schule. Die Aufklärungsmassnahmen sorgen für Nachhaltigkeit. So gibt es etwa für Frauen, die Kinderheiraten und Mädchenbeschneidungen befürworten oder Töchter nicht zur Schule schicken wollen, kein Pardon mehr: Sie werden von der Mitgliedschaft in den Frauenorganisationen ausgeschlossen.