SWISSAID begrüsst die Fortschritte in der Diskussion rund um die Ernährungssicherheit, die dank des Welternährungsgipfels angestossen wurden. Wir bedauern aber, dass die zentralen Akteurinnen, die Kleinbäuerinnen und die ländliche Bevölkerung, weitgehend von den Diskussionen ausgeschlossen und überhört wurden. Leider werden Ansätze wie die der Agroökologie politisch von der Staatengemeinschaft nur zögerlich aufgenommen und umgesetzt. Obwohl agroökologische Methoden auf der Lebensweise von rund 500 Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern aufbauen, die einen Grossteil der weltweiten Nahrung bereitstellen. In ihrem Bericht gibt SWISSAID den Bäuerinnen eine Stimme und zeigt auf, welch grosses Potenzial in der Agroökologie liegt.

Der Bericht wurde an Herrn Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, übergeben. Er enthält eine Auswahl an Geschichten von verschiedenen Bäuerinnen und ihren Hindernissen, die sich ihnen tagtäglich in den Weg stellen. SWISSAID zeigt im Bericht auf, welches Potenzial die Bäuerinnen in der Agrarökologie sehen: Eine Möglichkeit, ihre Autonomie zu stärken, damit sie auch in Zukunft Lebensmittel für die weltweite Bevölkerung produzieren können. Der Bericht enthält auch Empfehlungen für politische Entscheidungsträger und liefert Vorschläge für die Verbesserung der Ernährungssysteme. Zu diesen gehört die Förderung der Agroökologie. Denn: Agroökologische Ernährungssysteme stärken die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Frauen von teuren Produktionsmitteln und unsicheren internationalen Preisentwicklungen.

Den Bäuerinnen eine Stimme geben

Die Bäuerinnen heissen Aïssa, Anne, Amina, Rut, Chathurika und Kathrin und leben im Niger, in der Schweiz, in Tansania, Guatemala und Sri Lanka. Sie arbeiten alle auf ihren eigenen Feldern. Einige von ihnen haben das Land von ihren Vorfahren geerbt, andere haben dafür ihren Beruf gewechselt. Sie alle haben gelernt, die Äcker und Felder zu bestellen und zu erhalten. Auf diese Weise ernähren sie ihre Familien und Gemeinschaften auf gesunde Weise und tragen massgebend zum Haushaltseinkommen bei. Bäuerinnen spielen in der Produktion von Lebensmitteln eine zentrale Rolle. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara etwa, erzeugen sie bis zu 80 Prozent der in ländlichen Gebieten konsumierten Lebensmittel, sie produzieren lokale Sorten wie  Gemüse, Früchte, Reis, Weizen und Mais.

Rut, Bäuerin aus Guatemala

María Rosaura, Bäuerin aus Kolumbien

Zahlreiche Hindernisse 

Wie auf dem Food Systems Summit am 23. und 24. September in New York erörtert wurde, tragen die Frauen, v.a. die Bäuerinnen, massgeblich dazu bei, die weltweiten Ernährungssysteme zu sichern. Sie bleiben jedoch die Leidtragenden in der Landwirtschaft und sind mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert: Mangelnde Anerkennung, fehlende soziale Absicherung, ungenügende Ausbildung, fehlender oder erschwerter Zugang zu Bodenbesitz , Gewalt und Isolation: Die Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert werden, sind zahlreich. Sie engagieren sich für ihre Gemeinschaft und sind gleichzeitig am stärksten von Unterernährung betroffen. Nahezu 60 Prozent der Menschen, die chronisch unter Hunger leiden, sind Frauen, auch Frauen im ländlichen Raum.

Amina, Bäuerin aus Tansania

Anne, Bäuerin aus der Schweiz