In Malaysia gingen Bäuerinnen und Bauern dieses Jahr auf die Strasse. Ihr Protest richtet sich gegen ein Sortenschutzgesetz, welches ihnen die Nutzung des eigenen Saatguts verbietet. Ihre Botschaft ist klar: «Saatgut ist keine Ware – es ist das Leben eines Landwirts.»
Durch das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und Malaysia wird nun ein weiterer Nagel in den Sarg geschlagen. Die im Abkommen enthaltene UPOV91-Klausel, ein internationales Übereinkommen zum Schutz von Pflanzenzüchtungen, schränkt das Recht auf Saatgut für Kleinbäuer:innen massiv ein und bedroht die Biodiversität.
Dieses System stärkt die Rechte von Saatgutkonzernen – und schränkt gleichzeitig die traditionellen Praktiken der Bäuerinnen und Bauern ein. Konkret bedeutet dies: Das Recht, eigenes Saatgut zu vermehren, zu tauschen oder weiterzugeben, wird eingeschränkt oder kriminalisiert.
«Die Bäuer:innen in Malaysia wehren sich dagegen, dass ihr Recht beschnitten wird, Saatgut selbst zu vermehren und untereinander zu tauschen. Das Abkommen würde Malaysia allerdings zu dieser Verschärfung des intellektuellen Eigentums auf Saatgut verpflichten. Die Schweiz hat trotz Kritik der UNO an der entsprechenden Klausel festgehalten», erklärt Simon Degelo, Saatgut-Experte bei SWISSAID.
Angriff auf Ernährungssouveränität
Tatsächlich hat die UNO die Schweiz bereits im Sommer 2024 in einem Brief gerügt: Die Schweiz gefährde mit ihrer Handelspolitik das Recht auf Nahrung. Insbesondere die Forderung, das Intellektuelle Eigentum auf Saatgut zu verschärfen, widerspricht den Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte.
Saatgut ist nämlich das erste Glied im Ernährungssystem. Wer es kontrolliert, kontrolliert auch was wir essen. Für viele bäuerliche Gemeinschaften ist Saatgut jedoch weit mehr als ein Produktionsmittel: Es ist Teil ihrer Kultur, ihres Wissens und ihrer Identität.
Die Einführung strenger Sortenschutzregeln stellt dieses System infrage. Kleinbäuerliche Betriebe geraten in Abhängigkeit von kommerziellem Saatgut, während lokal angepasste Sorten zunehmend verdrängt werden. Damit gehen nicht nur Biodiversität und Resilienz verloren – sondern auch die Fähigkeit von Gemeinschaften, sich selbst zu ernähren.
Schutz des Regenwaldes und Menschenrechte bleiben auf der Strecke
Das Freihandelsabkommen weist noch weitere gravierende Schwächen auf. So hat der Nationalrat dem Abkommen zugestimmt, ohne verbindliche Massnahmen gegen Zwangsarbeit oder Regenwaldabholzung zu verankern.
Gerade beim Import von Palmöl sind die Risiken bekannt: Regenwälder werden zerstört und wertvolle Ökosysteme gehen verloren, mit verheerenden Auswirkungen auf Klima und Biodiversität. Das Land verliert durch den Verlust seiner Wälder die Möglichkeit, sich an den fortschreitenden Klimawandel anzupassen, während die Abholzung den Klimawandel weltweit anheizt. Auf den Plantagen kommt es immer wieder zu Ausbeutung und Zwangsarbeit.
Die Nachhaltigkeitsanforderungen im neuen Abkommen sind noch nicht bekannt. Der Bundesrat hat bisher nicht präzisiert, welche Standards er anerkennen will und es ist möglich, dass er kurzerhand Palmöl für «nachhaltig» erklärt, das in Malaysia produziert wird.
Die Lehre daraus ist klar: Ohne verbindliche Regeln bleiben Umwelt- und Menschenrechte Lippenbekenntnisse.
Stimme der Betroffenen fehlt
Besonders problematisch ist, dass die betroffenen Bäuerinnen und Bauern kaum in die Verhandlungen eingebunden waren. Während in der Schweiz die Möglichkeit besteht, solche Abkommen an der Urne abzulehnen, fehlt diese Mitsprache in Malaysia.
Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Stimme nutzen.
Jetzt handeln: Referendum unterschreiben
Das Abkommen in seiner aktuellen Form gefährdet das Recht auf Nahrung sowie die Biodiversität und die Existenzgrundlage von Millionen von Menschen. Es zeigt exemplarisch, wie wirtschaftliche Interessen über Menschenrechte gestellt werden.
Doch das muss nicht so bleiben.
Mit Ihrer Unterschrift können Sie ein klares Zeichen setzen:
- für das Recht der Bäuerinnen und Bauern auf Saatgut
- für den Schutz von Regenwäldern
- für faire und nachhaltige Handelsbeziehungen
Die Unterschriftensammlung beginnt am 30. Juni 2026. Schon jetzt können Sie uns sagen wie viele Unterschriften Sie zum Referendum beisteuern werden. Setzen sich Sie für Ernährungssouveränität und Menschenrechte ein.
Denn eines ist klar: Saatgut ist keine Ware. Es ist die Grundlage unsers Lebens.