Sonja Tschirren, El Niño sorgt derzeit weltweit für Aufmerksamkeit. Weshalb?
El Niño ist ein natürliches Phänomen, das alle zwei bis sieben Jahre auftritt. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im tropischen Pazifik stärker als gewöhnlich. Dadurch verändern sich Luftströmungen und Niederschläge auf der ganzen Welt. In diesem Jahr wird eine besonders starke Erwärmung erwartet. Die World Meteorological Organization (WMO) sieht für Juni bis August 2026 eine rund 80-prozentige Wahrscheinlichkeit für einen moderaten bis starken El Niño. Der Höhepunkt des Phänomens liegt zwischen November 2026 und Februar 2027, wobei die lokalen Auswirkungen höchste unterschiedlich sein werden.
Steht dies im Zusammenhang mit dem Klimawandel?
Nein. El Niño ist keine Folge des Klimawandels – aber er kann dessen Auswirkungen verstärken. Regionen, die ohnehin unter Trockenheit leiden, werden oft noch trockener. Das könnte beispielsweise in Indien und Subsahara Afrika der Fall sein. Andere erleben ungewöhnlich starke Regenfälle oder Überschwemmungen. Welche Folgen eintreten, ist regional sehr unterschiedlich.
Warum beobachtet SWISSAID El Niño so genau?
Viele Menschen, mit denen wir arbeiten, sind direkt vom Wetter abhängig. Kleinbäuerinnen in Guinea-Bissau, Indien oder Tansania bewirtschaften kleine Felder. Oft gibt es keine Bewässerungsanlagen, kaum finanzielle Reserven und schon gar keine Versicherungen gegen Ernteausfälle. Bleibt der Regen aus oder fällt er sintflutartig, ist das für die Familien Existenz-gefährdend und Fortschritte, die in den vergangenen Jahren gemacht wurden, werden untergraben. Deshalb stehen wir in engem Kontakt mit unseren Länderbüros und lokalen Partnerorganisationen.
