.
«In Guinea-Bissau sind die Auswirkungen von El Niño bereits Realität geworden. Der verspätete Regen und die Versalzung – also die übermässige Anreicherung von Mineralsalzen, welche die Pflanzen daran hindert, Wasser aufzunehmen – treffen den traditionellen Reisanbau mit voller Wucht», warnt Cherno Talato Jalo, der im Land für Klimafragen zuständig ist.
Neben Reis leiden auch mehrere andere Kulturen wie Mais oder Maniok unter anhaltendem Wasserstress, der ihr Wachstum und ihre Entwicklung hemmt und manchmal sogar zum vollständigen Verlust der Pflanzen führen kann.
Die Besorgnis ist spürbar, insbesondere bei den Frauen, berichtet das Team von SWISSAID. In den ländlichen Regionen Oio, Bafatá und Cacheu droht in den von Frauengruppen bewirtschafteten Gemüseanbaugebieten eine vorzeitige Erschöpfung der Brunnen und oberflächennahen Grundwasservorkommen. Auch das lokale bäuerliche Saatgut mit langem Wachstumszyklus könnte möglicherweise nicht zur Reife gelangen, sollte die Regenzeit früher als erwartet enden.
In Kolumbien und Indien: Die Dürre bringt Ernten und das Leben der Menschen durcheinander
Auch in Kolumbien und Indien wächst die Besorgnis, wo unregelmässige Niederschläge und Wassermangel bereits den Jahresbeginn geprägt haben und sich voraussichtlich noch verschärfen werden.
In Kolumbien war das Jahr trotz ungewöhnlicher Regenfälle von Januar bis März besonders trocken. Die bäuerlichen Gemeinschaften befürchten einen Rückgang der Obst- und Saatgutproduktion sowie Schäden an den gepflanzten Bäumen. Und das, obwohl El Niño seinen Höhepunkt erst zwischen November und Februar erreichen wird.
In Indien, insbesondere im Bundesstaat Maharashtra, hat die Verschlechterung der Lebensgrundlagen aufgrund von Dürren schwerwiegende soziale Folgen: Die Arbeitsbelastung und der psychische Druck auf Frauen nehmen zu. Zudem führt die durch Ernteausfälle verursachte extreme finanzielle Notlage zu einer Zunahme der saisonalen Migration und erhöht das Risiko von Kinderehen in den am stärksten gefährdeten Haushalten, da diese versuchen, die Haushaltskosten zu verringern.

In Tansania besteht später im Jahr die Gefahr von Überschwemmungen und Ernteausfällen
In Tansania deuten die Wettervorhersagen auf besonders starke Niederschläge von November bis Dezember hin, was das Risiko von Überschwemmungen, Bodenerosion und Ernteausfällen erhöht. Da sich die Projekte von SWISSAID hauptsächlich auf die Küstenregionen Lindi und Mtwara konzentrieren, sind sie besonders gefährdet.
Diese Bedingungen könnten wichtige Kulturpflanzen wie Mais, der sehr empfindlich auf Wasserüberschuss und unregelmässige Regenfälle reagiert, sowie Sorghum, das zwar widerstandsfähiger gegen Trockenheit, aber anfällig für wassergesättigte Böden ist, stark beeinträchtigen. Ein Rückgang der Erträge würde die landwirtschaftlichen Einkommen und die Ernährungssicherheit der Familien auf dem Land direkt gefährden, warnt das Büro von SWISSAID in Tansania.
Vorausschauend handeln, um widerstandsfähiger zu sein
Angesichts dieser Risiken sind die Teams von SWISSAID in den verschiedenen Partnerländern im Einsatz. Sie sensibilisieren die ländlichen Gemeinschaften für die möglichen Folgen von El Niño und setzen Massnahmen um, die an die lokalen Gegebenheiten angepasst sind, wie beispielsweise die Förderung der Saatgut- und Wasserspeicherung, die Installation von Bewässerungssystemen, den Einsatz von Pflanzendecken sowie die Anlage von Versickerungsgräben oder von Dämmen und grünen Barrieren zum Hochwasserschutz.
Diese Praktiken gehören zu den Ansätzen, die SWISSAID seit langem in ihren Projekten zur Agrarökologie fördert. Sie tragen dazu bei, die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaften gegenüber Klimakrisen zu stärken, und werden nun verstärkt umgesetzt.
Die Lage ist umso kritischer, als El Niño zu den Störungen auf den Agrarmärkten hinzukommt, die mit dem Krieg im Iran und der Sperrung der Strasse von Hormus zusammenhängen. Die Arbeitsbedingungen der Bäuerinnen und Bauern sowie die Ernährungssicherheit der ländlichen Bevölkerung werden dadurch noch weiter geschwächt.