Hätten Frauen weltweit einen gerechten Zugang zu Ressourcen und Wissen, müssten 150 Millionen Menschen weniger Hunger leiden. Was verschiedene Studien zeigen, ist für SWISSAID schon lange klar: der Schlüssel zu einer Welt ohne Hunger liegt in den Händen der Frauen.
Unser Fokus in den Projekten vor Ort liegt auf der Agrarökologie – ein ökologischer und ausdrücklich sozial-politischer Ansatz für eine nachhaltige Reform in der Landwirtschaft. Feministische Prinzipien sind dabei integraler Bestandteil – so sehr, dass SWISSAID die international anerkannten 13 Prinzipien der Agrarökologie um ein 14. Prinzip ergänzt hat: die Gleichstellung der Geschlechter.
Hier mehr zur Gleichstellungsarbeit erfahren
Geschlechtergerechtigkeit wird also nicht als Querschnittsthema «mitgedacht», sondern als entscheidender Hebel agrarökologischer Transformation verstanden.
Anerkennung von Bäuerinnen als zentrale Akteurinnen – nicht als «Helfende»
Weltweit leisten Frauen den grössten Teil der landwirtschaftlichen Arbeit, verfügen aber über weniger Rechte und Ressourcen und leiden überproportional an Hunger und Armut. Die Projekte von SWISSAID setzen deshalb bewusst bei Bäuerinnen an – nicht als Zielgruppe, sondern als Trägerinnen von Wissen, Innovation und Veränderung. Damit stellt SWISSAID gängige, patriarchale Narrative der Landwirtschaft infrage, in denen Männer als «Produzenten» und Frauen als «Mithelfende» oder ausschliesslich für Care‑Arbeit zuständig gelten.
Photo © Sri Kolari
Stärkung von Autonomie und Selbstbestimmung von Frauen
Ein zentrales Anliegen von SWISSAID ist die Autonomie von Bäuerinnen. Agrarökologie ermöglicht Frauen:
- unabhängig von teuren externen Inputs zu wirtschaften,
- eigenes Saatgut auszuwählen und zu vermehren,
- lokale Ressourcen zu nutzen und zu kontrollieren,
- Einkommen zu generieren und darüber selbst zu verfügen.
Diese Autonomie ist kein Nebenprodukt, sondern erklärtes Ziel.
Aufbrechen patriarchaler Machtverhältnisse in Familie und Gemeinschaft
Geschlechterungleichheit in der Landwirtschaft ist ein strukturelles Problem. Agrarökologie fordert patriarchale Machtverhältnisse heraus, indem:
- Frauen Zugang zu Wissen und Schulungen erhalten,
- sie Führungsrollen in Gruppen und Kooperativen übernehmen,
- Räume für Austausch, gegenseitige Unterstützung und kollektives Lernen geschaffen werden.
Durch gemeinschaftliche Lernprozesse entsteht nicht nur agrarökologisches Wissen, sondern auch kollektives Selbstbewusstsein – ein zentrales Element feministischer Praxis.
Sichtbarmachung und Aufwertung von Saatgut‑und Ernährungswissen
In der agrarökologischen Arbeit werden Tätigkeiten als produktive, systemrelevante Leistungen anerkannt, die in konventionellen Agrarsystemen oft unsichtbar bleiben und typischerweise Frauen zugeschrieben werden: Saatguterhaltung, Vielfalt im Anbau, Ernährung, Weitergabe von Wissen. Die Rolle von Bäuerinnen als Hüterinnen der Biodiversität und des lokalen Saatguts steht im Zentrum mehrerer Programme. Damit knüpft SWISSAID an feministisch‑ökologische Konzepte an, die ökologische Vielfalt und soziale Gerechtigkeit zusammendenken.
Viviana Sa
Rechtebasierter Ansatz und feministische Ernährungssouveränität
Die agrarökologische Arbeit von SWISSAID ist klar rechtebasiert. Geschlechtergerechtigkeit wird nicht als «Förderthema», sondern als Menschenrechtsfrage verstanden.
Agrarökologie ist der Weg zu einem Ernährungssystem das:
- nicht auf Ausbeutung basiert,
- lokale Kontrolle stärkt,
- soziale Ungleichheiten abbaut – und damit zutiefst feministische Ziele verfolgt.