Sie sind in der Schweiz gemeinsam mit Mitarbeitenden vor Ort für das Monitoring der Projekte zuständig. Was hat Sie 2025 gefreut?

Lukas Reinhard: Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der Bekämpfung von Hunger. Da konnten wir in vielen Projektgebieten eine Verbesserung erzielen – und das teilweise trotz widriger Umstände. Konkret haben seit 2024 rund 45 000 Menschen ihre Ernährungssituation verbessert. Beispielsweise in Ecuador: Dort konnten wir mit dem Projekt «Guardianes del Páramo» die moderate und schwere Ernährungsunsicherheit von knapp 50 auf 25 Prozent halbieren. Und dann hat mich natürlich die Einführung des von der ­FAO und ihren Partnern entwickelten Indikators MDD-W beschäftigt.

Was misst dieser Indikator?

Er misst die Ernährungsdiversität bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren. In vielen Ländern des Globalen Südens haben Frauen eine weniger vielfältige Ernährung, weil sie zugunsten anderer Familienmitglieder auf Nahrungsmittel verzichten oder bei der Verteilung von Lebensmitteln benachteiligt sind. Gemeinsam mit lokalen Expert:innen haben wir die Nahrungsmittelgruppen und die Befragungen festgelegt. Die erhobenen Daten zeigen auf, dass wir gute Vorarbeit geleistet haben und nun eine solide Informationsbasis für die nächsten Jahre haben.

Haushaltsbefragungen hat ­SWISSAID erstmals 2021 gemeinsam mit der Allianz Sufosec durchgeführt. Davor wurde die Wirksamkeit der Arbeit sehr projektspezifisch erhoben.

Wir sind aktuell daran, eine gesamtheitlichere Datenlage zu schaffen, die international abgestützt ist und uns erlaubt, die Resultate untereinander besser zu vergleichen. Was die Ernährungssicherheit anbelangt, setzen wir auf den FIES-Indikator, eine international validierte Messmethode. Diesen haben wir mit unseren Schwerpunktthemen ergänzt, beispielsweise Agrarökologie, Gender, aber auch Saatgut und Einkommen. Entstanden ist eine modulare Haushaltsbefragung, die je nach Kontext und Projektaktivitäten angepasst werden kann.

Wie werden die Daten konkret erhoben?

Wir haben im vergangenen Jahr 5367 Haushalte aus 17 Projekten befragt. Die Interviews führen lokale Mitarbeitende und Partner gemeinsam mit Studierenden aus den Projektregionen durch. Eine Umfrage kann noch so gut aufgesetzt sein, wenn sie im lokalen Kontext nicht verstanden wird, werden die Daten verfälscht. Das möchten wir verhindern.

Warum ist gutes Controlling wichtig?

In erster Linie sind wir den Projektteilnehmenden rechenschaftspflichtig. Ihre Einschätzung der geleisteten Arbeit ist wichtig. Diesen Austausch wollen wir fördern. Dann sind wir als Organisation auf solide Daten angewiesen, um unsere Projekte zu steuern, zu verbessern und weiterzuentwickeln. Und schliesslich haben die Öffentlichkeit und die Geldgeber:innen ein Anrecht auf Transparenz. Gerade in einem Zeitalter von Halbwahrheiten wollen wir mit Fakten argumentieren. Vielen Leuten ist leider nicht bewusst, wie evidenzbasiert und wirkungsorientiert NGOs arbeiten.