Seit Wochen hat die Schliessung der Strasse von Hormus den Welthandel destabilisiert. Insbesondere die schwankenden Rohstoffpreise sind global spürbar – auch in unseren Projektländern.

Tansania, Tschad, Indien: Öl- und Gasknappheit prägen den Alltag

«In Tansania wurden am 1. April 2026 Preisanpassungen angekündigt. Der Preis für Benzin ist um ganze 33.4% gestiegen», berichtet Betty Malaki, Landesverantwortliche von SWISSAID Tansania. In Indien hingegen machen vor allem der Mangel an Gas zum Kochen den Haushalten, Restaurants und Strassenverkäufern zu schaffen; kleinere Betriebe haben bereits vorübergehend ihre Arbeit reduziert oder sogar eingestellt.

Noch gravierender ist es im Tschad, wo die Preise für Lebensmittel durchs Band gestiegen sind: Auf dem Markt hat sich der Preis für Fleisch bereits verdoppelt, Fisch kostet 1,5-mal so viel wie noch vor einem Monat, wie Olivier Ngardouel vom Koordinationsbüro Tschad zu berichten weiss. Auch Treibstoff ist heute doppelt so teuer wie noch im März.

In den ländlichen Gebieten, wo SWISSAID im Einsatz ist, machen sich die Lieferengpässe und Preiserhöhungen besonders bemerkbar. Aufgrund der höheren Benzinpreise haben einige Transportbetriebe ihre Fahrten pausiert – oder die Preise erhöht. In der Gegend um Kalkutta sind die Tickets um 67% teurer geworden, meldet SWISSAID Indien. Viele lokale Bäuerinnen und Bauern können sich den Weg zu den Märkten nicht mehr so oft leisten und müssen mit signifikanten Einkommensbussen rechnen.

Importierte Düngemittel: Eine Abhängigkeit mit schweren Folgen

Doch hinter der Öl- und Gaskrise zeichnet sich momentan eine weitere, weniger auffällige, dafür umso schwerwiegendere Krise: die Düngerkrise.

Innerhalb weniger Wochen wurden Lieferungen unterbrochen, was den Anbau in vielen Regionen der Welt durcheinanderbringt. Der Lieferunterbruch kommt zum ungünstigsten Zeitpunkt im Agrarjahr: Nämlich zur Aussaat.

Dieser Umstand trifft auch den Globalen Süden hart. In vielen Ländern Afrikas, wie zum Beispiel in den SWISSAID-Partnerländern Tansania und Tschad, sind die Bäuerinnen und Bauern stark von ausländischen Düngemitteln abhängig. Schnellen die Preise plötzlich in die Höhe oder bleiben Lieferungen aus, sind sie gezwungen, die eingesetzten Mengen zu reduzieren, auf andere Kulturen umzusteigen oder sogar auf die Aussaat für bestimmte Parzellen zu verzichten.

Diese Entscheidungen unter Zwang können zu erheblichen Ernteeinbussen führen. Für viele Bauernfamilien bedeutet dies weniger Nahrung für den Eigenbedarf, geschrumpfte Einkommen und zunehmende Ernährungsunsicherheit. Jede internationale Krise wirkt sich somit direkt auf die Felder – und ihre Teller – aus.

Das Welternährungsprogramm (WFP) schätzt daher, dass bis Ende 2026 zusätzlich 45 Millionen Menschen an Ernährungsunsicherheit leiden könnten, sollte der Konflikt über die Jahresmitte hinaus andauern.

Gerechte und autonome Ernährungssysteme mit Agrarökologie schaffen

Diese Krise offenbart ein strukturelles Problem, erklärt Francesco Ajena, SWISSAID Themenverantwortlicher für Agrarökologie: die Abhängigkeit von einem globalisierten Agrarsystem, das in den Händen weniger Grosskonzerne konzentriert ist und auf importierten Düngemitteln beruht. Lediglich vier multinationale Konzerne (ChemChina/Syngenta, Bayer, BASF und Corteva) dominieren 62% des weltweiten Dünger- und Pestizidmarktes.

Dabei gibt es alternative Lösungen: Die Agrarökologie, die SWISSAID seit langem unterstützt. Dieser Ansatz stützt sich auf lokale Ressourcen und natürlichen Methoden, um die Qualität der Böden zu verbessern. Dank der Agrarökologie können Bauernfamilien ihre Kosten senken und ihre Erträge stabilisieren. Vor allem aber bieten sie Bäuerinnen und Bauern einen Weg, um die Abhängigkeit von importierten Düngemitteln und Pestiziden zu überwinden, ihre Autonomie zurückzugewinnen und sich besser vor externen Schocks, wie Unterbrüche in globalen Lieferketten auf Grund von Kriegen, zu schützen.

SWISSAID setzt sich ein für ein Ernährungssystem, das auf echter Unabhängigkeit und Gerechtigkeit beruht. Durch lokale Kreisläufe und nachhaltige und natürliche Anbaumethoden kommen die Menschen im Globalen Süden zu echter Ernährungssouveränität.