Mit den Neuen Genomischen Techniken (NGT) kann das Erbgut von Pflanzen gezielt verändert werden. Internationale Saatgutkonzerne drängen auf eine rasche Deregulierung dieser neuen Techniken, dies obwohl zahlreiche Fragen hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen immer noch ungeklärt sind.
Die Schweiz wendet bis 2030 ein strenges Gentech- Moratorium an. Das Parlament hat den Bundesrat bereits beauftragt, eine spezifische Gesetzgebung für NGT auszuarbeiten. Ein Gesetzesentwurf wurde im vergangenen Jahr in die Vernehmlassung gegeben. Er sieht zwar eine Risikoprüfung im Einzelfall und eine Kennzeichnungspflicht vor, weist jedoch auch mehrere Lücken auf. Es besteht die Gefahr, dass sich die Schweiz an die Vorschriften der Europäischen Union (EU) angleicht und damit den derzeitigen Schutz für Bäuerinnen und Bauern, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Umwelt schwächt.
Die grössten Gefahren der NGT
Für die Schweizer Landwirtschaft steht viel auf dem Spiel. Pflanzen, die aus neuen genetischen Modifikationen hervorgegangen sind, können sich in der Umwelt ausbreiten und benachbarte Kulturen durch Wind oder bestäubende Insekten kontaminieren. Zudem sind bestimmte genetische Veränderungen heute schwer oder gar nicht nachweisbar.
Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben daher viel zu verlieren. Wenn Produkte, die mit Neuen Genomischen Techniken hergestellt wurden, nicht gekennzeichnet sind, ist die Wahlfreiheit der Konsumierenden verletzt.
Zudem stellt sich die Frage nach den Patenten. Die Neuen Genomischen Techniken beschleunigen die Privatisierung von Saatgut und Lebewesen. Weltweit gibt es bereits fast 2’000 Patente auf Pflanzen, die mithilfe dieser Techniken gezüchtet wurden. Diese Entwicklung stärkt die Macht einiger multinationaler Saatgutkonzerne auf Kosten der Autonomie der Bauern, denen zunehmend nur noch Sorten zur Verfügung stehen, die durch geistige Eigentumsrechte geschützt sind.
Globale Folgen
Langfristig sind die Saatgutvielfalt, die Freiheit Saatgut weiterzuverbreiten, eine lokale Landwirtschaft und die Ernährungssouveränität bedroht. Für diese Anliegen setzt sich SWISSAID in der Schweiz, aber auch in zahlreichen Ländern des Globalen Südens ein.
Der Beschluss der Europäischen Union darf nicht dazu führen, dass die Schweiz ihre eigenen Anforderungen in Bezug auf Umweltschutz und Wahlfreiheit aufgibt. Deshalb ruft SWISSAID dazu auf, den Appell zu unterzeichnen: Bundesrat und Parlament müssen strenge Rahmenbedingungen für NGT beibehalten und die notwendigen Massnahmen ergreifen. Nur so kann verhindert werden, dass Produkte, die mit diesen Techniken hergestellt wurden, unkontrolliert in die Schweiz eingeführt werden.
Was genau sind NGT?
NGT (Neue Genomische Techniken) bezeichnen Techniken, mit denen das Erbgut von Pflanzen gezielt verändert werden kann. Mithilfe von Werkzeugen wie CRISPR-Cas9 – den molekularen Scheren – ist es möglich, bestimmte Gene zu aktivieren, zu deaktivieren oder zu verändern, um einer Pflanze neue Eigenschaften zu verleihen.
Im Gegensatz zu den sogenannten «klassischen» GVO beinhalten diese Techniken nicht zwangsläufig das Einbringen von DNA aus einer anderen Art. Dennoch verändern sie das Genom lebender Organismen und werfen zahlreiche Fragen hinsichtlich ihrer langfristigen Auswirkungen auf, was nach der Anwendung des Vorsorgeprinzips ruft.