Was sind Gene Drives?

Gene Drives haben das Potential, die klassischen Vererbungsregeln ausser Kraft zu setzen. Mit Hilfe von CRISPR/Cas, einer Gentechnologie, wofür deren Erfinderinnen und Erfinder 2020 einen Nobelpreis erhielten, können veränderte Gene an fast alle Nachkommen – statt wie üblich nur einem Teil – weitergegeben werden. Damit wird es möglich, ganze Populationen und Arten innerhalb weniger Generationen zu manipulieren oder sogar auszurotten. Eine gefährliche Technologie: zerstörerisch, unkontrollierbar und unumkehrbar.

Die Gefahren stehen in keinem Verhältnis zu den erhofften Zielen, Infektionskrankheiten zu bekämpfen und landwirtschaftliche Schädlinge und invasive Arten einzudämmen. Denn mit der Einkreuzung der Gene Drive Organismen in Populationen der freien Wildbahn wird eine unkontrollierbare genetische Kettenreaktion ausgelöst, die Arten ausrotten, ganze Ökosysteme verändern und die Biodiversität dezimieren kann.

Gentechnikregulationen weltweit

Die Gefahr haben auch die Vertragsstaaten der Biodiversitätskonvention anerkannt. An der COP14 (2018), COP15 (2022) und COP16 (2024) wurde eine strikte Anwendung des Vorsorgeprinzips beschlossen. Eine detaillierte Risikobeurteilung und die Zustimmung der lokalen Gemeinschaften wurden dadurch Pflicht.

Die Risiken von Gene Drives

Für die Risikobeurteilung fehlen die wissenschaftlichen Grundlagen. In Jahr 2019 zeigten die drei unabhängigen Wissenschaftsorganisationen Critical Scientists Switzerland (CSS), das Europäische Netzwerk von Wissenschaftlern für soziale und ökologische Verantwortung (ENSSER) und die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) auf, dass «erhebliche wissenschaftliche Unsicherheiten bestehen und viele Erwartungen bezüglich Gene Drives unrealistisch sind».

Derzeit gibt es weltweit noch kein einheitliches Verfahren, um die Auswirkungen von genetischen Veränderungen zu bewerten, die sich selbstständig in der Natur verbreiten.

Gene Drives betreffen uns alle – informieren Sie sich

Der Fall Burkina Faso

Im Jahr 2019 hatte das Konsortium «Target Malaria» (finanziert von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung) in zwei Dörfern in Burkina Faso gentechnisch veränderte Mücken freigesetzt. Dieser Schritt wurde als Vorstufe zur genetischen Modifikation dargestellt.

Ein grosses Bündnis aus Organisationen der Zivilgesellschaft kritisiert, dass Afrika als Testgebiet für riskante Technologien missbraucht wird. Ausserdem wurde das Prinzip der freien und informierten Einwilligung der lokalen Bevölkerung für die Freisetzung dieser Gentech-Mücken nicht eingeholt, es fand keine öffentliche Konsultation statt und es liegen keine exakten Informationen über die Risiken vor.

In Folge ordnete die Regierung von Burkina Faso im August 2025 nach einer beispiellosen Mobilisierung der afrikanischen Zivilgesellschaft und des Vereins FENOP die Aussetzung der Aktivitäten von Target Malaria an. Gleichzeitig verzeichnete das Land dank bewährter Methoden einen Rekordrückgang der Malaria-Sterblichkeit (-48 % im Jahr 2025): den Einsatz des Impfstoffs R21/Matrix-M und die Verwendung von Moskitonetzen der neuen Generation.

Malariabekämpfung als Vorwand

Mit dem Argument der Malariabekämpfung wird versucht, die Akzeptanz der breiten Öffentlichkeit für Gene Drives zu gewinnen. Wer diese Technologie als Wundermittel in der Malariabekämpfung preist, vergisst, dass es viel lokales Wissen zum Umgang mit der Krankheit gibt und dass vor allem sozioökonomische Faktoren dazu führen, dass in Afrika immer noch so viele Menschen an Malaria erkranken.

Das grosse Interesse der Agrarindustrie an Gene Drives zeigt denn auch die wahren Hintergründe: sie wittert neue Möglichkeiten im lukrativen Markt der Schädlingsbekämpfung. Doch die wissenschaftlichen Erkenntnisse lassen keine Zweifel übrig: Gene Drives müssen gestoppt werden, bis ihre Wirkungsweise vollständig erforscht und die Risiken vollumfänglich bekannt sind.

Interview mit Ali Tapsoba

Ali Tapsoba, Präsident der Organisation Terre à Vie aus Burkina Faso und Sprecher des Collectif Citoyen pour Agro-Écologie, im Interview mit SWISSAID anlässlich des Gene Drive Symposiums im Mai 2019 in Bern. Tapsoba kritisiert die immensen Investitionen, welche in die unsichere Gene Drive Technologie gesteckt werden, zum Beispiel zur Malariabekämpfung. Er bedauert, dass vorhandene lokale Lösungen nicht gefördert werden. Tapsoba ruft dazu auf keine Gene Drive Organismen freizusetzen.