Was haben Sie in der neuen Studie untersucht?
Yvan Schulz: Wir haben die Goldflüsse aus jedem der 54 afrikanischen Länder analysiert. Dazu haben wir Daten zur Produktion, zum Export und Import von Gold in den afrikanischen Ländern gesammelt und diese mit den Daten der Länder verglichen, die afrikanisches Gold importieren (fast ausschliesslich nicht-afrikanische Länder). Das ist ein wichtiger Aspekt, denn nicht deklariertes Gold führt zu fehlenden Einnahmen in den afrikanischen Staaten. Viel Geld, das afrikanische Staaten in die Bildung und Gesundheit investieren könnten.
Was hat Sie bei Ihren Recherchen am meisten überrascht?
Marc Ummel: Mehrere Dinge. Zum Beispiel ist die Menge an nicht deklariertem Gold weitaus grösser als bisher angenommen. Und bei einigen Importländern, darunter auch die Schweiz, gibt es gesetzliche Lücken, die den Import von nicht deklariertem Gold oder Gold aus Konfliktgebieten ermöglichen oder wahrscheinlich machen.
Wir waren auch erstaunt, dass einige afrikanische Staaten, die viel Gold produzieren, praktisch keine offiziellen Exporte verzeichnen, während andere Staaten, die wenig produzieren, grosse Mengen exportieren. Das zeigt, dass strengere Gesetze und verstärkte Kontrollen in nicht-afrikanischen Importländern wichtig aber nicht ausreichen sind, um die anstehenden Probleme zu lösen. Auch in Afrika selbst, insbesondere auf nationaler und regionaler Ebene, muss viel getan werden.
Warum hat SWISSAID diese Studie durchgeführt?
M.U.: Indem wir die illegalen Handelsströme des Goldes, die nicht deklarierten Exporte und gewaschenen Mengen an Gold dokumentieren und die beteiligten Länder benennen, erhöhen wir den Druck, dass endlich wirksame Richtlinien erlassen werden! Unser Ziel ist jedoch grösser: Wir wollen dazu beitragen, die Arbeits- und Lebensbedingungen von Millionen von Goldminenarbeiter:innen und ihren Familien endlich zu verbessern, die Einnahmen der afrikanischen Staaten zu erhöhen und gegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden zu kämpfen. Diese Studie ist somit die Fortsetzung unserer Entwicklungszusammenarbeit vor Ort und trägt konkret dazu bei, Veränderungen zu bewirken.
Was bringt diese Studie der Goldbranche?
Y.S.: Unsere Studie befasst sich mit im Grunde bekannten Tatsachen, deren Ausmass bisher jedoch nur vermutet wurde. Als wir die Goldhandelsströme in ganz Afrika untersuchten und bezifferten, stellten wir fest, dass der Goldschmuggel weitaus grösser ist als bisher angenommen. Die Studie erhöht die Transparenz im afrikanischen Goldhandel erheblich. Das wird die politischen Verantwortlichen und andere Entscheidungsträger in den betroffenen Ländern verpflichten, die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Zollkontrollen und die Sorgfaltspflichten der Unternehmen zu verschärfen.
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