Im Sommer 2025 wurden die Regionen Dosso und Tillabéry im Südwesten des Niger von Hagel heimgesucht – ein für das Land neues Phänomen, das in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel steht. Zudem wurden die Kulturen durch Überschwemmungen und Schädlinge befallen. Infolgedessen wurde ein Grossteil der Ernte zerstört, sodass die Bauernfamilien keine Vorräte an Lebensmitteln und Saatgut anlegen konnten.

Der Sommer, auch Regenzeit oder Winterzeit genannt, ist eine entscheidende Zeit, in der die Bäuerinnen und Bauern das Land pflügen und für das folgende Jahr aussäen. Genau zu diesem Zeitpunkt gehen die Nahrungsmittelvorräte zur Neige, während die Familien durch die Vorbereitung der Felder und die Aussaat voll ausgelastet sind. In dieser Zeit sind die Möglichkeiten, Einkommen zu erzielen, sehr begrenzt, was ihre Gefährdung noch verstärkt.

Um einer Situation der Ernährungsunsicherheit vor den Ernten 2026 vorzubeugen, hat SWISSAID ein Projekt ins Leben gerufen.

Die Erträge sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Die Herausforderungen sind enorm: sinkende Bodenfruchtbarkeit, heftige Winde, die zum Verlust der Aussaat führen.

Salifou Illa, Bauer und Familienvater.

Unterstützung für 2000 Familien

Das Projekt unterstützt 2000 gefährdete Bäuerinnen und Bauern in 40 Dörfern der Departemente Boboye, Doutchi (Region Dosso) und Kollo (Region Tillabéry). Sie erhalten lokale Lebensmittel und hochwertiges Saatgut.

Das Projekt zielt darauf ab, die Ernährungsunsicherheit zu verringern, insbesondere durch:

  • Unterstützung mit lokalen Produkten: Jede Familie erhält Getreide, Teigwaren und Öl, um den Nahrungsbedarf des Haushalts für einen Monat zu decken.
  • Saatgut für Hirse, Sorghum und Augenbohnen: SWISSAID stellt Gutscheine zur Verfügung, mit denen neues, widerstandsfähiges lokales Saatgut erworben werden kann, das ohne künstliche Bewässerung angebaut werden kann. Die Familien können Sorten wählen, die ihren Bedürfnissen entsprechen, und gleichzeitig die lokale Wirtschaft ankurbeln.
  • Einkünfte durch Sanierungsarbeiten (Cash for Work): Mehreren Dutzend Bauernfamilien erhalten eine direkte Einkommensquelle. Sie werden für ihre Arbeit auf einer 10 Hektar grossen Pilotfläche entlöhnt. Kümmern sie sich darum, mit Unterstützung von Fachleuten Zäune zu fertigen und zu errichten, die Transportarbeiten zu übernehmen und Hecken zu pflanzen, um das Gelände zu befestigen. Diese bezahlte Arbeit ermöglicht es, Geld in die Haushalte zu bringen und gleichzeitig einen Lernort für agroökologische Innovationen zu schaffen.
Lesen Sie dazu das Interview mit unserem Klimabeauftragten

An vorderster Front einer klimatischen Ungerechtigkeit

Niger leidet, wie viele Länder des Südens, unter den Folgen des Klimawandels, für den es jedoch kaum verantwortlich ist. So trägt der afrikanische Kontinent weniger als vier Prozent zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei, muss jedoch verheerende Klimakatastrophen hinnehmen. Während eine in der Schweiz lebende Person im Durchschnitt zwischen 10 und 14 Tonnen CO₂ pro Jahr ausstösst, betragen diese Emissionen im Niger nur etwa 0,1 Tonnen pro Einwohner*in.

In der Sahelzone steigen die Temperaturen 1,5-mal schneller als im weltweiten Durchschnitt. Die Folgen sind eindeutig: Seit mehreren Jahren wird der Niger von unerbittlichen Dürren heimgesucht. Diese wiederholten Klimakatastrophen lassen den Bauernfamilien keine Atempause, erschöpfen die ohnehin schon kargen Böden und zerstören systematisch die Hoffnungen auf Ernten.