Seit einigen Jahren gewinnt die regenerative Landwirtschaft an Popularität. Unternehmen, NGOs und Regierungen beziehen sie in ihre Strategien für nachhaltige Entwicklung ein. «Die regenerative Landwirtschaft ist aber kein neuer Ansatz», erläutert Sonja Tschirren, Themenverantwortliche Klimawandel bei SWISSAID und Mitautorin einer neuen Publikation zum Thema. Wenn Regierungen und Unternehmen in diesen Ansatz investieren wollen, müssen sie jedoch wissen, worum es dabei geht, betont die Expertin.

Wie ihr Name bereits verrät, zielt die regenerative Landwirtschaft auf die Regeneration der Böden und die Wiederherstellung der Biodiversität ab. In ihren Grundprinzipien ähnelt sie stark der Agrarökologie: Fruchtfolge und Anbauvielfalt, Optimierung der Bodengesundheit und der Verzicht auf chemische Hilfsstoffe. Ausserdem soll sie Bauernfamilien Zugang zu nahrhaften Lebensmitteln und bessere Lebensgrundlagen ermöglichen. Mittlerweile wird der Ansatz insbesondere zur Bekämpfung des Klimawandels genutzt. Gerade grosse Unternehmen erhoffen sich damit, ihre Netto-Null-Ziele einfacher zu erreichen. Mit anderen Worten lautet der Anspruch: Die regenerative Landwirtschaft soll sowohl zur Bekämpfung des Klimawandels als auch zur Lösung der Ernährungskrise beitragen.

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Wirksam, aber ohne klare Definition

Die neue Publikation «Von Worten zu Taten? Wie regenerative Landwirtschaft zu klimaresistenten Ernährungssystemen beiträgt», befasst sich mit der Umsetzung regenerativer Projekte in der Kakao- und Kaffeeindustrie in der Elfenbeinküste, in Kenia und Uganda. Die beiden Branchen spielen für mehrere Schweizer Unternehmen eine zentrale Rolle.

Auf der Grundlage von Interviews mit Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zeigt sich ein eindeutiges Resultat: Regenerative Praktiken wie die Agroforstwirtschaft sind in der Lage, Kohlenstoff zu speichern, die Bodengesundheit zu fördern, die Biodiversität zu stärken und chemische Inputs zu reduzieren. Die regenerative Landwirtschaft hat also viel Potenzial – wenn sie richtig umgesetzt wird.

Es mangelt jedoch an klaren Definitionen und transparenten Überwachungsmassnahmen. Dies erhöht das Risiko für Greenwashing und erschwert die Nachverfolgung der Projektfortschritte. Ausserdem sehen sich Bäuerinnen und Bauern oft mit unfairen Bedingungen konfrontiert: Sie werden nicht immer auf Augenhöhe miteinbezogen, müssen aber dennoch viele der Risiken für die nachhaltige Umsetzung regenerativer Projekte tragen.

«Ein weiteres Problem liegt im überhöhten Fokus auf Kohlenstoffe, die man hofft im Boden oder in den Bäumen zu speichern. Viele Firmen erhoffen sich, damit Kohlenstoffkredite zu generieren oder gar zu verkaufen, um ihre Treibhausgasemissionen zu kompensieren», meint Heitor Mancini Teixeira, Mitautor des Berichts und Professor am Departement für Bodenkunde der Universidade Federal de Viçosa in Brasilien. In der Praxis berücksichtigt dieser Tunnelblick auf den Kohlenstoffmarkt oft die Bedürfnisse der Bäuerinnen und Bauern nicht genug und glaubt mit wenigen Massnahmen die komplexe Regeneration der Ökosysteme bereits erreicht zu haben. «Zuletzt ist die Evaluation der Systeme problembehaftet. Die von den Unternehmen verkündete Ziele und die wenigen zugänglichen, öffentlichen Ergebnisse stimmen manchmal nicht überein», erklärt Prof. Heitor Mancini Teixeira.

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