Am 22. März 2026 ist Weltwassertag. Wir richten unseren Blick auf den Tschad, wo der Zugang zu Trinkwasser nicht nur unabdinglich für die Gesundheit der ländlichen Bevölkerung ist, sondern auch die Agrarökologie antreibt und den wichtigsten Hebel für die Geschlechtergleichheit darstellt. SWISSAID unterstützt ländliche Gemeinschaften beim Brunnenbau – für einen nachhaltigen Wandel ihres Alltags.
Die Fakten
Die Ziele
Ziel des Projekt ist es, die Lebensqualität der Menschen in 120 Dörfern nachhaltig zu verbessern. Dabei soll ein sicherer Zugang zu Trinkwasser gewährleistet und die sanitäre Grundversorgung verbessert werden. Folgende Massnahmen sind geplant:
- Der Bau von 120 neuen Brunnen in den drei Provinzen und die Sanierung von 100 bestehenden Brunnen
- Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagnen zur Verbesserung der Hygiene in städtischen Gebieten
- Einführung des Programms «Écoles bleues» («Blaue Schulen») in zehn Schulen in der Region: Dazu gehören der Bau von Latrinen, Schulungen zu Hygieneregeln, sowie der nachhaltige Anbau von Gemüse in den Schulgärten
- Ein nachhaltiges System zur Behandlung von Abwasser
- Die Gründung eines Komitees für Wasser- und Hygieneanliegen
Das Projekt wird finanziell von der DEZA unterstützt.
Im Süden des Tschad ist Wasser ein knappes Gut. Auch heute noch hat weniger als die Hälfte der Bevölkerung einen sicheren Zugang zu Trinkwasser. Trotz staatlicher Bemühungen, die Wasserversorgung zu verbessern, herrscht in den ländlichen Gebieten, in denen überwiegend Bauernfamilien leben, weiterhin ein gravierender Wassermangel.
Trinkwasser: Eine tägliche Herausforderung für Bauernfamilien
Im Dorf Mahim ist Marie Motomadi bestens mit der täglichen Suche nach dem «blauen Gold» vertraut. Wie viele andere Frauen und junge Mädchen im Tschad verbringt sie täglich bis zu sechs Stunden mit dem Wasser holen. Diese Arbeit hindert sie daran, zur Schule zu gehen oder sich ein Einkommen zu erarbeiten.
Um lange Wege zu vermeiden, sammelte Marie Motomadi das kostbare Nass während der Regenzeit von den Dächern der Häuser. Eine Methode, die erhebliche Risiken birgt, wie sie berichtet:
«Wir hatten viele gesundheitliche Probleme.»
Die 27-jährige Marie Motomadi weiß nur zu gut, was Wassermangel bedeutet. Um sich während der Regenzeit lange Wege zu ersparen, sammelte sie das kostbare Nass von den Dächern der Häuser.
Im Kampf gegen dreckiges Wasser und Krankheiten
Die Massnahme ist zwar in Notfällen lebensrettend, setzt die Familien jedoch Durchfallerkrankungen wie Cholera oder Typhus aus, die durch das unreine Wasser übertragen werden. Im Tschad fordern diese Krankheiten einen hohen Tribut: Jährlich sterben 19’000 Menschen daran, darunter 16’000 Kinder. Zum Trinkwassermangel kommen die unzureichende sanitäre Infrastruktur sowie fehlende Kenntnisse über Gesundheitsvorschriften hinzu. Dies begünstigt die Ausbreitung dieser Krankheiten.
In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern setzt sich SWISSAID ein, die Lage nachhaltig zu verbessern. Dazu gehören insbesondere der Bau und die Sanierung von Brunnen sowie die Einrichtung von Komitees, welche den Wasserzugang regulieren.
In Kakerte bestätigt Rachel Ngomadi, Vorsitzende des örtlichen Wasserkomitees, die konkreten Auswirkungen des Projekts:
«Früher mussten wir drei bis vier Kilometer gehen, um Trinkwasser zu holen. Dank der Brunnenbohrungen haben wir diese Belastung nicht mehr. Und seit wir kein Wasser mehr aus veralteten Brunnen trinken, werden wir seltener krank.»
Sauberes Wasser für alle Menschen
Mit Agrarökologie und «Blauen Schulen» Resilienz fördern
Das Projekt umfasst auch den Ansatz der «Blauen Schulen»: In 20 Schulen haben die Schüler:innen Zugang zu qualitativ hochwertigem Trinkwasser und hygienischen Latrinen. Sie lernen grundlegende Hygieneregeln kennen und setzen sie in die Praxis um. Darüber hinaus legen die Kinder agrarökologische Schulgärten an und werden für das
Thema Abfalltrennung sensibilisiert.
Dieses Wissen kommt letztlich der gesamten Gemeinschaft zugute. Einer Gemeinschaft, die nun mit Zuversicht in die Zukunft blickt:
«Jetzt, da wir Wasser im Dorf haben, kann ich mich einer Erwerbstätigkeit widmen», erklärt Marie Motomadi bestimmt.
Das Konzept der «Blauen Schulen» wurde 2007 in Ländern des Globalen Südens entwickelt. Das Schweizer Konsortium für Wasser und Sanitärversorgung, dem acht Schweizer NGOs (darunter SWISSAID) angehören, hat das Konzept weiterentwickelt. In einer «Blauen Schule» haben die Schülerinnen und Schüler Zugang zu Trinkwasser, nutzen gepflegte Latrinen, wenden bewährte Hygienepraktiken an, betreiben ökologischen Gemüseanbau und beteiligen sich am Sammeln und Sortieren von Abfällen. Die «Blauen Schulen» ermutigen die Schülerinnen und Schüler, sich ihrer Gesundheit und ihrer Umwelt bewusst zu werden und sich für Veränderungen in ihren Gemeinschaften einzusetzen.