Inmitten der rauhen Landschaft von Boyacá, angrenzend an die Páramos-Ökosysteme «Iguaque-Merchán», ist eine stille Revolution im Gange. In der Gemeinde Arcabuco haben nämlich junge Kolumbianerinnen und Kolumbianer beschlossen, auf dem Land ihrer Vorfahren zu bleiben oder bald dorthin zurückzukehren, um nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben.

Diese jungen Menschen haben sich nicht aus Mangel an Alternativen entschieden, Bäuerinnen und Bauern zu werden; vielmehr tun sie es aus Überzeugung. Sie sind ausgebildet, technisch qualifiziert und tief mit ihrem Land verbunden. Durch den Verein El Convite Campesino haben sie sich der Agrarökologie als Lebensprojekt verschrieben.

Des membres de l'association El Convite Campesino en pleins travaux agroécologiques

Solidarität im Dienste der Agrarökologie

Der Begriff «Convite», verwurzelt in einer kolumbianischen Tradition, bezeichnet Treffen von Nachbarinnen und Nachbarn, die sich gegenseitig bei der Arbeit auf dem Bauernhof helfen. Der Verein hat diese Tradition zu seiner Arbeitsweise und Identität gemacht. Jeden Monat treffen sich die Mitglieder auf einem der Höfe, um gemeinsam zu säen, zu ernten oder etwas zu bauen. Dies ermöglicht es, die ländliche Isolation vieler Bäuerinnen und Bauern durchzubrechen und wertvolles Wissen weiterzugeben.

Seit der Gründung durch 16 Mitglieder im Jahr 2020 hat sich die Mitgliedzahl des Vereins bereits vervierfacht. Die Organisation ist hierarchisch flach aufgebaut und setzt sich überwiegend aus Frauen zusammen. Sie verkörpert das, was wir bei SWISSAID als Grundpfeiler des agrarökologischen Wandels betrachten: eine von jungen Menschen getragene, lokal verankerte Organisation mit fundierter fachlicher Kompetenz.

Die Jugend als Schlüssel für rurale Entwicklung in Kolumbien

Die Mehrheit der Vereinsmitglieder sind junge Erwachsene – Söhne und Töchter von Bäuerinnen und Bauern. Sie haben Abschlüsse in Agrarwissenschaft, Umweltwissenschaften, Design oder Kommunikationswissenschaften. Nach einem Studium in Bogotá oder sogar im Ausland haben sie sich für die Rückkehr aufs Land entschieden, überzeugt davon, dass ihre Heimat eine blühende Zukunft verdient – und dass sie am besten in der Lage sind, diese zu realisieren.

Es sind Berufsprofile, die sich deutlich vom Trend in Lateinamerika abheben. Kolumbien selbst hat in den letzten 70 Jahren einen intensiven und raschen Urbanisierungsprozess durchlaufen. Der Anteil der Bevölkerung, der in städtischen Gebieten lebt, hat sich zwischen 1950 und 2018 fast verdoppelt und ist laut der letzten nationalen Volkszählung von 38,3% auf 75,5% gestiegen. Vor allem junge Menschen ziehen in die Städte. Doch mit ihrer Abwanderung bricht ein ganzes Ernährungssystem zusammen, was mit ernsten negativen Folgen für die Umwelt einhergeht.

Denn die Bauernfamilien produzieren nicht nur Lebensmittel, sie sind auch die Hüterinnen und Hüter der umliegenden Allmenden. Sie verwalten Wasserquellen, schützen die Böden, behalten Brandrisiken im Auge und bewahren lokales bäuerliches Saatgut. Verliert eine Region ihre Bäuerinnen und Bauern, verliert sich auch die tägliche Arbeit, die ihre Ökosysteme erhält. Diese verlassenen Flächen kommen daher in den Fokus von Grossinvestoren, die die einst diversifizierten Nutzflächen durch industrielle Monokulturen ersetzen könnten. Junge Menschen sind daher zentral für den agrarökologischen Wandel. Sie sind besonders geeignet, um die Transformation von Ernährungssystemen voranzutreiben, da sie eine Brücke zwischen lokalem, traditionellem Wissen und moderner Technologie und Wissenschaft schlagen können.

Réunion des membres d'El Convite Campesino

Réunion à Arcabuco avec différents acteurs engagés dans les questions territoriales et environnementales au sein de la commune et de la région.

Ökosysteme in grossem Massstab wiederherstellen

Seit 2024 ist der Verein El Convite Campesino Partner von SWISSAID und für die Umsetzung des Projekts «Conectando Páramos» zuständig. Das Projekt hat drei Hauptziele: die Ökosysteme wiederherzustellen, einen agrarökologischen Wandel herbeizuführen, und die lokale Führung der Gemeinden und die Geschlechtergleichheit zu stärken.

150 Familien machen beim Projekt mit. Gemeinsam haben die Teilnehmenden diverse Aktivitäten durchgeführt: Kurse zu Renaturierung und der Einrichtung von gemeinschaftlichen Baumschulen oder auch die Ausbildung von neuen Saatgutwächterinnen und -wächtern. Zudem haben sie in dutzenden landwirtschaftlichen Betrieben Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel eingeführt: Diese reichen von Bewässerungssystemen und Anlagen, um Wasser zu sammeln, bis hin zu Gewächshäusern, kleinen Viehzuchtbetrieben und Hagelschutznetzen.

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El Convite Campesino: ein Vorzeigebeispiel für wirtschaftliche Unabhängigkeit

El Convite Campesino ist mehr als nur ein Verein: Die Organisation hat sich zu einem Vorbild für wirtschaftliche Selbstständigkeit in der Region entwickelt. Sie zeigt, dass junge Menschen die wirksamste Kraft für rurale Entwicklung und agrarökologischen Wandel sein können – wenn sie den Freiraum und die Unterstützung erhalten, um sich gemeinsam zu organisieren. In Arcabuco folgt Hoffnung auf die triste Abwanderung. Dank lokalem Fachwissen bleibt zudem die Heimat erhalten – ein Ansatz, den die Vereinsmitglieder entschlossen vertreten:

Projekte kommen und gehen, aber das Wissen bleibt. Unser Lebensprojekt ist es, von unserem Land zu leben.

 

It was one of the most inspiring field visits I have had in a long time. The energy, the level of organisation, and the commitment of these young people to their territory is really something exceptional.

– said Francesco Ajena, expert in agroecology at SWISSAID, after visiting the association El Convite Campesino.