Die Schweizerische Edelmetall Vereinigung ASMP hat eine neue digitale Plattform aus der Taufe gehoben: «Swiss Precious Metal Transparency Platform». Erstmals werden in der Schweiz die Namen von bestimmten Lieferanten oder Minen publiziert, von denen die Schweizer Raffinerien ihr Gold beziehen.
Die Bemühung für mehr Transparenz im Goldsektor, in dem das Risiko von Import von Konfliktgold sehr hoch ist, sind zu begrüssen. Gemäss Recherchen von SWISSAID ist das Risiko sehr hoch, dass auch Gold, das zur Finanzierung von bewaffneten Konflikten (z. B. im Sudan und in Russland) und zu schweren Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen beiträgt, in die Schweiz importiert wird. Dieses Risiko wird durch die weiterhin steigenden Goldpreise und den dadurch ausgelösten Goldrausch zusätzlich verschärft.
«Swissaid begrüsst zwar diesen Schritt hin zu mehr Transparenz, die neue Plattform greift jedoch zu kurz» sagt Marc Ummel, SWISSAID-Rohstoff-Experte. Laut der NGO sind mehrere Mängel zu beklagen:
- Es werden nur Lieferantennamen aus «Hochrisikoländern» und Minen, aufgelistet, zudem wurde die Definition der «Hochrisikoländer» zu eng gefasst. Gold aus Minen macht nur einen kleinen Teil der Goldimporte aus. 2025 betrug der Anteil an Minen-Gold nur 30 Prozent des Wertes allen in die Schweiz importierten Goldes aus. Für mehr als 50 Prozent der Goldimporte in die Schweiz sind die Lieferantennamen somit nach wie vor unbekannt.
- Die Informationen zu Nicht-Mitgliedern der Vereinigung erscheinen nicht auf der Plattform. Da die grösste Raffinerie der Schweiz, Valcambi, 2023 aus dem Verband ausgetreten ist, werden diese Daten nicht aufgeführt.
- Die Namen der Lieferanten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) , einer globalen Drehscheibe für Gold zweifelhafter Herkunft (siehe SWISSAID-Studie), sind ebenfalls nicht aufgeführt. Die VAE waren 2025 mit Exporten von über 360 Tonnen im Wert von 32 Milliarden Schweizer Franken (Jan.-Nov. 2025) einer der grössten Goldexporteur in die Schweiz.
- Die Daten sind zusammengefasst, d.h. sie können den Schweizer Raffinerien nicht zugeordnet werden. Dies ist widersinnig, da beispielsweise die Raffinerien MKS PAMP, Argor-Heraeus, Metalor und PX Précinox als Mitglieder der LBMA ab diesem Jahr ohnehin die Lieferantennamen aus «Hochrisikoländern» und der industriellen Minen, die Mitglieder des World Gold Council sind, in ihrem LBMA-Konformitätsbericht offenlegen müssen. Viele Informationen über Geschäftsbeziehungen im Goldhandel sind zudem bereits öffentlich. Die 33 Mitglieder des World Gold Council müssen die Namen der Raffinerien offenlegen. Diese Daten werden auch in kostenpflichtigen Datenbanken, EITI-Berichten oder Veröffentlichungen bestimmter Lieferanten wie Zentralbanken publiziert.
SWISSAID fordert deshalb:
- die Veröffentlichung der Namen aller Lieferanten, insbesondere auch der Lieferanten von Sekundärgold, das zu Verschleierungszwecken als recyceltes Gold bezeichnet wird. Viele Lieferketten für Sekundärgold sind sehr problematisch, da es sich um Konfliktgold handeln kann.
- Die Offenlegung der Lieferantennamen muss gesetzlich verankert werden, um alle Raffinerien zu verpflichten. Eine einmalige Gelegenheit bietet sich in diesem Jahr mit der Ausarbeitung der Verordnung zur Revision der Edelmetallkontrollverordnung, die im Juni 2025 vom Parlament verabschiedet wurde.
- Die Raffinerien müssen ihre Verantwortung wahrnehmen und die Namen ihrer Lieferanten publik machen (nicht in zusammengefasster Form).
Die Frage der Transparenz hinsichtlich der Herkunft von Gold wurde im vergangenen Dezember erneut im Parlament aufgegriffen, und zwar mit dem Antrag von Fabian Molina, SP-Nationalrat, und dem Postulat von Jean Tschopp, SP-Nationalrat.
Kontaktpersonen:
Marc Ummel, Verantwortlicher der Rohstoffabteilung SWISSAID,
Tel: +41 (0)79 694 49 21, m.ummel@swissaid.ch
Thaïs In der Smitten, Medienverantwortliche SWISSAID,
Tel: +41 (0)77 408 27 65, media@swissaid.ch
