Zwei Jahre Gefängnis für führenden Menschenrechts-Aktivisten im Tschad

Zwei Jahre Gefängnis für führenden Menschenrechts-Aktivisten im Tschad

Anfang Juli verurteilte das Gericht von Moundou im Süden des Tschads den Menschenrechtsaktivisten Djeralar Miankeol zu zwei Jahren Gefängnis und einer Busse von 160 Franken. Dabei ging der Richter über das geforderte Strafmass von 18 Monaten hinaus und verhängte die Höchststrafe. „Eine Abrechnung“, schätzten lokale Beobachter das Urteil ein. Angeklagt war Djeralar Miankeol wegen „Richterbeleidigung“. Er hatte es gewagt, im Lokalradio die Zustände bei der tschadischen Justiz beim Namen zu nennen, nämlich „korrupt“.

Djeralar Miankeol, der in der Vergangenheit auch für SWISSAID Projekte evaluiert hatte und aktives Mitglied der Partnerorganisation CPPL war, kämpfte in den letzten Jahren als Leiter der lokalen Organisation "Ngoubourandi" gegen die Landnahme von Ackerland (Landgrabbing) und für die benachteiligten Bauernfamilien. Er stand zudem für die Bevölkerung ein, die unter der Erdölförderung im Süden des Landes leidet.

Djeralar Miankeol ist gesundheitlich schwer angeschlagen und leidet an Malaria und Typhus. Nur mit grosser Mühe konnte der Richter dazu bewegt werden, den Verurteilten zunächst ins Krankenhaus überzuführen. Gegen den erklärten Willen des Arztes wurde er  jedoch am 13. Juli auf Anordnung des Staatsanwalts ins Gefängnis von Moundou überwiesen. 

Tschadische Gefängnisse sind berüchtigt: Überbelegt und dreckig, Wasser sowie Nahrung sind nur sporadisch vorhanden. Miankeols Familie muss täglich 20 Kilometer zurück legen, um den Inhaftierten mit dem Allernötigsten - Essen, Trinken, Kleider, Seife und Zahnpasta - zu versorgen. 

Rechtsvertreter von Djeralar Miankeol haben Berufung eingelegt. Dass darauf vor den Gerichtsferien eingegangen wird, ist unwahrscheinlich und die schweren Verfahrensmängel im ersten Urteil lassen Schlimmes ahnen. „Aber wir lassen uns nicht einschüchtern und kämpfen weiter für die Gerechtigkeit“, sagten Vertreter der Zivilgesellschaft in einer ersten Reaktion nach der Urteilsverkündigung.

Amnesty-Aktion für politischen Gefangenen

In einer so genannten „Urgent Action“ ruft Amnesty International zu Briefen und Emails zu Gunsten des politischen Gefangenen auf. Schicken Sie eine Nachricht für Djeralar Miankeol an die tschadischen Behörden. Mehr dazu unter dem Titel "Zwei Jahre Haft wegen Meinungsäusserung": ua.amnesty.ch/urgent-actions/2015/06/138-15/138-15-2