Zeit ist Geld – auch im Tschad

Viel Arbeit und nicht genug zu essen, politisch unsichtbar und allen möglichen Formen von Gewalt ausgesetzt – so sieht der Alltag für viele Bäuerinnen im Tschad aus. Mit gezielten, günstigen „Anschubhilfen“ schafft SWISSAID spürbar bessere Lebensbedingungen.

Das Klischee vom Müssiggang im Schatten des Baobabbaums wird im Süden des Tschads Lügen gestraft. Frauen trifft man hier nicht an – sie schuften, um die Familie zu ernähren, den Schulbesuch zu ermöglichen oder die Krankenkosten zu bezahlen. Um ihnen das Leben zu erleichtern, hilft SWISSAID Zeit und Kraft sparen. Am effizientesten ist dabei der Bau eines Brunnens in der Nähe des Dorfes. Damit müssen Frauen und Mädchen täglich zwischen zwei und acht Stunden weniger aufwenden, um am Fluss Wasser zu holen oder am Wasserloch Schlange zu stehen. Die Folgen: Mädchen erhalten eine Chance auf einen durchgehenden Schulbesuch. Die Frauen verfügen über mehr Zeit, um beispielsweise einen grösseren Acker zu bepflanzen oder eine andere Tätigkeit auszuüben, mit der sich ein Einkommen erwirtschaften lässt.

Tiere helfen Menschen

Mit den Zugochsen, die SWISSAID den Frauengruppen kauft, sparen die Mitglieder nicht nur Zeit und Mühsal. Sie können auch Arbeiten ausführen, die ohne die Tiere gar nicht zu bewältigen wären: Mit Ochsen und Wagen werden Lehm zur Töpferei und die fertigen Krüge zum Verkaufsstand transportiert. Organisches Material wird zum Kompostplatz befördert, dieser auf den Feldern ausgebracht. Es wird gepflügt und später die Ernte eingefahren oder diese auf den Markt gekarrt. Wenn das hilfreiche Vieh nicht für die Frauen im Einsatz steht, vermieten sie es und erzielen so ein beachtliches Nebeneinkommen. Damit bezahlen sie den Knecht, der sich um die grossen Tiere kümmert, denn das ist Männerarbeit.

SWISSAID liefert auch ein bescheidenes Startkapital für die „Tontines“, die Kreditsparvereine der Frauengruppen. Da mehr Zeit zur Verfügung steht, können die Frauen dank den Darlehen in den lukrativen Kleinhandel investieren, etwa den Verkauf von Brötchen, Süssigkeiten oder Getränken. Sie erwirtschaften so ein kleines Zusatzeinkommen und bezahlen Kredite samt Zinsen zurück. Die Zinsen werden zum Startkapital des Kreditfonds geschlagen, so dass mit der Zeit höhere Beträge ausgegeben werden können. Manchmal bleibt sogar genug Geld für eine Investition aus der Gruppenkasse: Etwa für den Bau eines Schuppens, in dem die Frauen vor Regen und Staub geschützt Alphabetisierungskurse besuchen – auch dank der Zeit, die sie anderswo gewinnen.

Wichtiger als Geld: Respekt und Solidarität

Die Frauen verfügen über eigenes Geld, managen ihre eigene Organisation, können Lesen und Schreiben. Doch das ist längst nicht alles: Die Zusammenarbeit führt zu einer Solidarität untereinander, die weit wertvoller ist als alle Projektmittel. Sie trägt wesentlich zur Stärkung des Selbstbewusstseins bei und verschafft den Frauen ausserdem den Respekt der Männer und der Dorfgemeinschaft.

 

 

  • Projektnummer: TS 02/14/01
  • Laufzeit: 12 Monate
  • Direkt Begünstigte: 3469 Menschen, davon 97% Frauen
  • Kosten: Fr. 86'533.-