Zehn Jahre Erdölabbau im Tschad – und das Warten der Bevölkerung nimmt kein Ende

Zehn Jahre Erdölabbau im Tschad – und das Warten der Bevölkerung nimmt kein Ende

Zehn Jahre sind vergangen seit dem Verkauf des ersten Barrels Öl aus dem Tschad im Jahr 2003. Gerade eben hat das Land ein weiteres Ölfeld freigegeben, auf dem das Schweizer Unternehmen Glencore das schwarze Gold fördern wird. Die betroffene Bevölkerung sieht kaum etwas von den Einnahmen, die das Ölgeschäft dem Staat bringt. SWISSAID unterstützt deshalb lokale Organisationen, die von den Behörden ihren Anteil der Einnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung einfordern.

7,5 Milliarden Euro soll der tschadische Staat in den letzten zehn Jahren im Ölgeschäft verdient haben. Diese Summe wurde in erster Linie darauf verwendet, die Armee zu modernisieren und aufzurüsten, Strassen zu bauen und öffentliche Prunkbauten zu errichten. Das Netz an geteerten Strassen ist von 300 Kilometern auf 2000 angewachsen und die Behörden verfügen nun über brandneue Gebäude, in denen sie ihre grandiosen Urbanisierungsprojekte ausbrüten können, wie etwa der Kreisel der „Grande Armée“ oder die „Place de la Nation“ nahe am Präsidentenpalast – Projekte wohlgemerkt, die Milliarden tschadischer Francs verschlungen haben.

„Was bringen diese Fortschritte in Anbetracht der täglichen Stromausfälle, mit denen die Bevölkerung leben muss?“, fragt Gilbert Maoundonodji von Gramp/TC, einer Gruppe, die unabhängige Recherchen und Monitoring zum Erdölprojekt Tschad-Kamerun betreibt und von SWISSAID unterstützt wird. Nach Maoundonodji sind die massiven Investitionen überproportional und vor allem ein Gradmesser politischer Probleme: Die Unzufriedenheit und die Ungeduld der Bevölkerung, die nicht vom Erdölboom profitieren konnte, wachsen zusehends.

Das Schweizer Unternehmen Glencore sichert sich Zugriff auf tschadisches Ölfeld

Mit viel Aufheben eröffnete Präsident Idriss Deby am 10. Juni 2013 in der Region Logone Oriental im Süden des Tschad ein weiteres Ölfeld. Der Festakt ist untrügliches Anzeichen dafür, dass die Öl-Szene im Land um einige Player reicher geworden ist. Das Schweizer Unternehmen Glencore beispielsweise ist beteiligt an der Erschliessung der Ölfelder in Mangara und Badila. SWISSAID, die in der Lobbyarbeit zu mehr Transparenz im Rohstoffgeschäft bei Firmen mit Sitz in der Schweiz eine führende Rolle einnimmt, verfolgt die Situation aufmerksam.