Wie kommt die Ernte auf den Markt?

Nicht alle Bauern sind geborene Unternehmer. In Vermarktungsgruppen lernen sie ihre Produkte besser zu verkaufen und einen grösseren Gewinn zu erwirtschaften.

Die von SWISSAID begünstigten Kleinbauernfamilien wissen, wie sie ohne chemischen Dünger und Pestiziden eine gute Ernte einfahren – dank besserem Saatgut, fruchtbaren Böden und ökologischen Anbaumethoden. Ebenso wichtig ist jedoch das Vertrauensverhältnis unter ihnen, das sich in den gemeinsamen, schweisstreibenden Stunden auf dem Feld gebildet hat. Vertrauen braucht es auch, wenn sich die Bauern zu Vermarktungsgruppen zusammenschliessen sollen.

Die Kundinnen in Tansania wissen ökologisch produziertes Gemüse durchaus zu schätzen. Biobäuerin Hawa berichtet: «Selbst hier im Dorf geht immer zuerst das Biogemüse weg. Erst wenn keines mehr da ist, werden unsere Nachbarinnen ihre chemisch behandelte Ware los.»

Nun wollen die Bio-Bauern ihre Produkte in der Stadt auf den Markt bringen, denn dort lassen sich höhere Preise erzielen. Die Strassen sind jedoch schlecht und für einen Einkäufer lohnt es sich nicht, für die Ernte eines einzelnen Bauern den Lastwagen vorbeizuschicken. Wollen die Kleinbauern ihre Produkte gewinnbringend verkaufen und härter über den Preis verhandeln, müssen sie sich in den Dörfern zusammenschliessen.

Wertschöpfung bleibt beim Bauern

Genau das lehrt Jane Albert Marwa von der SWISSAID-Partnerorganisation TOAM die Bäuerinnen und Bauern. Sie bildet sie in Marketing aus und zeigt ihnen, wie sie sich organisieren können. Sie weiss: «Vier Fünftel aller Bauern verkaufen ihre Ernte ohne Mehrwert.» Doch bereits durch einfache Wertschöpfungsschritte wie Lagerung, Sortieren nach Grösse oder Qualität, Abpacken, Transport zum Markt oder Grossisten liesse sich ein beachtlicher Mehrwert schaffen.

Vielen Bauern ist diese Art zu denken fremd. Denn gute Bauern sind nicht unbedingt gute Unternehmer. Buchführung, Produktionszahlen, Preisvergleiche, Geschäftsbeziehungen – all dies ist nicht immer ihr Ding. In einer Gruppe finden sich jedoch immer zwei oder drei, die ein Flair fürs Handeln und Feilschen haben. Diese bilden mit Gleichgesinnten anderer Dörfer eine Vermarktungsgruppe.

So haben sich in den vergangenen Monaten 44 Vermarktungsgruppen gebildet, die die Marktpreise und Ernteprognosen beschaffen und mit Händlern und Transporteuren verhandeln. Mutigere Gruppen mieteten sogar einen Lastwagen oder legen die Sonnenblumenernte zusammen, um das daraus gewonnene Öl gemeinsam zu vermarkten. Einzelne Gruppen sparten auch Geld, um gemeinsam einen Lagerschuppen zu bauen.

Mit der Zeit entsteht zwischen den Händlern und den Vermarktungsgruppen eine stabile Geschäftsbeziehung. Und mit den guten Erfahrungen wächst eine Vertrauensbasis, die weiteren Spielraum eröffnet – wo auch Träumen erlaubt ist. Halifa Kimbawala, die Leiterin einer Vermarktungsgruppe: «Vielleicht wird der Händler uns auch einmal einen günstigen Kredit geben oder sogar Kapital für den Kauf einer Ölpresse vorschiessen.»

 

 

  • Projektnummer: TA 02/15/03
  • Kosten: Fr. 45'791.- 
  • Laufzeit: 12 Monate
  • Direkt Begünstigte: 425 Kleinbauern (davon 223 Frauen) in 18 Dörfern