Wege aus der Schuldenfalle

In der indischen Region Vidarbha sind viele Bauern bis über beide Ohren verschuldet und ohne Perspektive. Die hohen Preise für den Anbau ihrer Produkte und der Klimawandel drängen sie an den Rand ihrer Existenz. Der Umstieg auf ökologische Landwirtschaft bringt Entlastung – für Bauern, Böden und Portemonnaie.

Baumwolle, nichts als Baumwolle, so weit das Auge reicht. Im indischen Gliedstaat Maharashtra setzten die meisten Bauern seit einigen Jahrzehnten voll auf Monokulturen, das heisst, auf ihren Äckern wächst nichts anderes als eben Baumwolle. Oder Zuckerrohr. 

Gemüse, Früchte und andere essbare Pflanzen sucht man auf vielen Feldern vergebens. Dies brachte die Bauernfamilien nicht nur in eine grosse Abhängigkeit vom Markt, sondern führte auch zu einer Verarmung der Pflanzenvielfalt. Die Widerstandskraft der heimischen Gewächse gegen Erreger ging verloren, Ackerbau ohne ständige Anwendung von teurem chemischem Dünger und Pestiziden scheint unmöglich. 

Die hohen Ausgaben treiben die Kleinbauernfamilien in den Abgrund: Sie verschulden sich bis auf das letzte Hemd und geraten von Jahr zu Jahr tiefer in den Schuldensog. Viele wissen keinen anderen Ausweg und begehen Selbstmord. Rund 200‘000 von ihnen sollen sich inzwischen das Leben genommen haben, circa 600‘000 weitere sind einer Regierungsstudie zufolge akut selbstmordgefährdet – eine unglaubliche Zahl und eine Entwicklung, die rund um den Erdball für Schlagzeilen sorgte. 

Ökologische Landwirtschaft mit Signalwirkung

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist SWISSAID vor Ort und zeigt den Kleinbauernfamilien, wie sie auf ökologischen Landbau umstellen können. Der Rückblick auf die erste Phase des Projekts belegt deutlich, wie sich die strapazierten Böden regenerieren, die hohen Ausgaben für chemischen Dünger und Pestizide wegfallen und die drückende Schuldenlast schwindet. Ökologische Anbaumethoden mit selbst hergestelltem Dünger, Kompost und Bio-Pestiziden verschiedenster Art beenden die Abhängigkeit von der teuren Chemie und führen erst noch zu besseren Ernten. Damit sind die Bauernfamilien auch besser gewappnet gegen Dürren, unregelmässige Regenfälle, Hitzewellen und andere verheerende Auswirkungen des Klimawandels.

In der nun folgenden Phase des Projekts wird der Kreis der im Projekt aktiven Bauern erweitert. Immer mehr Bäuerinnen und Bauern lernen, lokal angepasstes und ausgesprochen robustes Saatgut selber zu züchten. In eigenen Baumschulen werden Obstbäume gezogen, die mit ihren Früchten das Speiseangebot erweitern und als Hecken die Felder schützen. Küchengärten setzen ein starkes Signal gegen die weitläufigen Monokulturen und tragen zur Überlebenssicherung der Bauernfamilien bei. 

Schneeballprinzip

Bei diesem Projekt spielen das Nachahmen und das Schneeballprinzip eine grosse Rolle: Nicht alle 1500 Bauern der ersten Projektphase waren von Beginn an vom Sinn des ökologischen Landbaus überzeugt. Einige befürchteten einen Ernteeinbruch, wenn sie auf Chemie verzichteten. Wegen ihrer prekären Einkommens- und Ernährungssituation schien vielen das Risiko einer Umstellung zu gross. Doch die Erlebnisberichte der Bäuerinnen und Bauern, die den Schritt schon gewagt haben, sind ermutigend. Wir wollen Ihnen diese nicht vorenthalten. Lesen Sie hier Savitas Weg von der einfachen Kleinbäuerin zur angesehenen Bio-Expertin.

Projektcode: IN 02/12/19

Projektkosten: 181‘209 Franken

Projektdauer: 2014

Anzahl Begünstigte: 1'750 Bäuerinnen und Bauern aus 35 Dörfern