Weg aus der Armut: Mit Vanille kommt das Glück zurück

Die Vorfahren der Ureinwohner Kolumbiens fertigten Halsketten aus Vanille, um das Glück und die Liebe anzuziehen. Bis heute ist nicht nur die Tradition, sondern auch viel Wissen um die wertvolle Pflanze verlorengegangen. Nun macht die indigene Bevölkerung an der Pazifikküste das Erbe wieder nutzbar – und hofft, damit endlich einen Ausweg aus der Armut zu finden.

Krebshemmend, hilfreich bei Depressionen und krankhafter Sucht: Die Vanilla-Pflanze bringt nicht nur eines der beliebtesten Gewürze überhaupt hervor, der Orchidee werden auch viele gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Für die Menschen in Bahía Solano kann Vanille gar überlebenswichtig sein.  
 
Die Ureinwohner in der Pazifikregion Kolumbiens haben kein einfaches Los – das Gebiet im Departement Chocó steht ganz oben in der Armutsstatistik des Landes. 30 Prozent der Einwohner leben unter der Armutsgrenze. Reis, ein wenig Obst und Fischerei: Ihr Einkommen hängt stark von dem ab, was die Natur hergibt und beschränkt sich auf die Erntezeit. 

Das ungenutzte Potential von Vanille  

Nun macht eine Wildpflanze Hoffnung. Lilienartig umschlingt sie die Bäume, sucht sich zickzack den Weg vom Boden bis zur Krone: die Vainilla, spanisch für «Schote». In ihr liegt sehr viel Potential brach: Sie ist einfach konservierbar, hat einen hohen Marktwert und ist gut für die Umwelt – weil ihre Kultivierung den Wald nicht zerstört, sondern ihn sogar schützt.   

So viele Vorteile – warum blieb Vanille bisher weitgehend ungenutzt? Paulo Hurtado Rentería, Vertreter der Gemeinde Rio Valle erklärt: «Unsere Vorfahren hatten ein grosses Wissen und nutzten Vanille vorwiegend zur Parfümierung von Kleidern». Rosario Tejeda Lemos ergänzt: «Neben Parfüm machten sie aus Vanille Chaquira-Halsketten, um Glück und Liebe anzuziehen.» Doch mit den Vorfahren starb auch die Tradition. Innovationen wie Deodorants und Bodylotions machten Vanille scheinbar überflüssig, man konzentrierte sich auf den Anbau von Reis und Mais. «Unsere Generation kennt die Nutzbarmachung von Vanille nicht mehr», sagt Paulo Hurtado Renteria.   

Wissen und Unterstützung – auch aus dem Mutterland der Vanille

Das soll sich nun ändern. Kürzlich war eine Entourage von Wissenschaftlern aus Mexiko vor Ort – dem Mutterland der Vanille. Langsam tauchen die Ureinwohner wieder in das alte Wissen ein. Mit der grossen Hoffnung, dank der süssen Pflanze endlich einen Ausweg aus der Armut zu finden.   

Im Juni 2016 säten die ersten 28 Bäuerinnen und Bauern Vanille aus. Im März 2018 begannen die ersten Pflanzen mit der Blüte und Fruchtbildung. Mit ihnen wächst die Anzahl Bäuerinnen und Bauern und ihre Hoffnung, sich dank Vanille einen sicheren Lebensunterhalt aufzubauen.  

SWISSAID arbeitet seit 2010 mit lokalen Bauernorganisationen zusammen, unterstützt sie vorwiegend mit unternehmerischem und agroökologischem Wissen. 2016 kam es zu einem Abkommen mit den Gemeinden El Cedro und El Río Valle: Die Gemeinden anerkennen darin den Wert der Vanille für die Region und ihre nachhaltige Nutzung. Ein Unternehmen wird geschaffen, das den Rohstoff von den Bauern kauft und ihn national und international vertreibt und vermarktet. Die verbesserte Produktion und Vermarktung hat positive Auswirkungen auf die nachhaltige Waldnutzung, bringt neue Produktionskapazitäten und hilft den Indigenen, ihr Territorium zu schützen. So ist Vanille für die gesamte Region ein Glück. Und wirkt der Armut entgegen.