Tschad: Wasserknappheit vom Weltall aus sichtbar

Mehr als andere Staaten leidet der Tschad unter Klimawandel, Dürren und Wasserknappheit. Wo das kostbare Nass vorhanden ist, ist es oft schmutzig und verseucht. Seit Jahren unterstützt SWISSAID die Bevölkerung beim Brunnenbau. Ein Augenschein vor Ort.

Zu zweit stellen sich die jungen Frauen an die Pumpe und drücken das Fusspedal mit Kraft zu Boden. Es gurgelt in der Leitung, Wasser schiesst zum Rohr heraus und prasselt in den Eimer. Im Schatten eines Mangobaums wartet der Brunnenverantwortliche. Er ist für die Sauberkeit der Anlage verantwortlich, notiert die Anzahl gefüllter Kübel und zieht die Beiträge für den Brunnenfonds ein. 

Bei Temperaturen von bis zu 45 Grad Celsius ist die Pumperei ganz schön schweisstreibend – aber weit weniger anstrengend als früher, als es im Dorf keinen Brunnen gab. Dennoch bleibt vor allem auf dem Land der Zugang zum kostbaren Nass für viele Menschen mühsam. Und das, obwohl der Landesname anderes vermuten lässt:  „Tschad“ bedeutet in der Sprache der Ureinwohner Buduma „grosses Wasser“. Tatsächlich hatte der Tschadsee im Osten des Landes vor über 2‘000 Jahren die Grösse Deutschlands. Durch Bevölkerungsdruck, Wüstenbildung und Klimawandel schrumpfte der See um fast 95 Prozent. Heute ist er im Durchschnitt 2 Meter tief und ungefähr so gross wie Berlin. Selbst vom Weltall aus ist sichtbar: Der Tschad hat ein Wasserproblem!

Brunnen sind gut in Schuss

Auf der Skala der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des UN-Kinderhilfswerks UNICEF steht der Tschad weltweit an sechster Stelle aller Staaten, die dringend Zugang zu Trinkwasser brauchen. Auf dem Land können nur rund vier Prozent der Bevölkerung sauberes Wasser trinken. Häufig ist es verschmutzt und die Menschen erkranken an Durchfall, Cholera oder anderen durch verunreinigtes Wasser übertragene Krankheiten. SWISSAID unterstützt deshalb Basisorganisationen, die den Bau und den Betrieb neuer Brunnen vorantreiben. Zum Beispiel im Dorf Gaïlorum:

Im September 2012 bohrten Arbeiter dort einen 92 Meter tiefen Brunnen und installierten eine Pumpe, um das Wasser an die Oberfläche zu befördern. Die Dorfversammlung wählte ein Komitee, das pro 20-Liter-Kessel Wasser knapp 5 Rappen einzieht, um den Betrieb des Brunnens langfristig zu sichern und Rücklagen für Reparaturen zu machen. Das Komitee besteht aus einem Präsidenten, einem Vize, einem Sekretär, einem Kassier, drei Revisoren und drei weiteren Mitgliedern. Integrität, Ehrlichkeit und ein angemessener Frauenanteil waren die Kriterien für die Wahl der Kandidatinnen und Kandidaten. Bevor lokale Arbeiter mit dem Bohren des Schachts beginnen konnten, musste die Dorfgemeinschaft ein Brunnenkonto eröffnen und eine erste Anzahlung von rund 260 Franken in den Unterhaltsfonds leisten. So wird die Eigenverantwortung der Menschen für ihren Brunnen sichergestellt.

Günstiger, sauberer, näher – fast zu schön, um wahr zu sein

Ein Jahr später zeigt sich bei einem Augenschein vor Ort, dass der Brunnen gut in Schuss ist: Die Leute entrichten ihre Beiträge wie vereinbart und  ziehen sogar die Schuhe aus, wenn sie Wasser holen. Vor allem für die Frauen und Mädchen ist der Alltag seit dem Brunnenbau viel leichter geworden. Früher mussten sie frühmorgens aufstehen und drei Kilometer zu Fuss gehen, um aus einem nur 60 Meter tiefen Brunnen schmutziges Wasser für die Familie zu schöpfen und nach Hause zu tragen. Nach einem halben Tag waren die Eimer leer, sodass die Plackerei von vorne losging. Wenn viele Frauen am Brunnen warteten, konnte die Wassertour gut und gerne 2 bis 3 Stunden verschlingen. Fast zu schön um wahr zu sein: Das Wasser im Dorfbrunnen ist nicht nur näher und von besserer Qualität, sondern kostet auch nur die Hälfte des Dreckwassers.

Die gewonnene Zeit setzen die Frauen ein, um sich der Pflege ihrer Gärten und der Zucht von Ziegen und Schafen zu widmen. Dies bedeutet mehr Nahrung, weniger Krankheiten und mehr Einkommen für Hunderte von Frauen, Männer und Kinder. 

Projektcode: TS 02/13/04

Projektdauer: bis 2014

Projektkosten: 148’200 Franken

Begünstigte: 8‘000 Frauen, Männer und Kinder in 15  Dörfern