Warum eine Spende auch dem Spender gut tut

Ein Brocki ist keine Goldgrube. Und dennoch finanziert Christoph Hochstrasser mit seinem Geschäft in Au/ Wädenswil seit Jahren ganze SWISSAID-Projekte.

«Ich kann gut Geld verdienen, das ist meine Begabung», sagt Christoph Hochstrasser. «Und da ist es naheliegend, davon etwas weiterzugeben.» Mit diesen wenigen Worten erklärt der Unternehmer zunächst sein grosszügiges Engagement für bedürftige Menschen in Entwicklungsländern. In den letzten Jahren finanzierte er ein Frauenprojekt in Nicaragua und ein Wasserprojekt im Sahelland Niger. Derzeit setzt er sich gegen die Beschneidung von Mädchen im westafrikanischen Guinea-Bissau ein.

Den Erfolg verdankt er harter Arbeit, doch Hochstrasser hatte schon immer ein Händchen fürs Geschäft. Bereits als Jugendlicher habe er immer «ghändelet», und der Berufsberater sah den Gymi-Abbrecher gar als Warenhausdirektor. «Was ich ja irgendwie auch geworden bin», sagt er und muss ein bisschen grinsen. «Und wenn ich irgendwo ein Geschäft sehe, reizt mich das.» So ist er auch zu seinem zweiten Standbein gekommen, der Lieferwagenvermietung. 

Die Seele von gebrauchten Dingen

Die Auslage im Brocki von Au/ Wädenswil kann sich sehen lassen. Der 52-jährige Familienvater empfängt die SWISSAID-Redaktorin im zweiten Stock in seinem exklusiven Reich auf dem Biedermeiersofa, neben einer asiatischen Gottheit, umgeben von älteren Holz-Schränken, einem Restposten Wein, einer wohlgeordneten Bibliothek, weihnächtlichen Puten-Engelchen und den Blick gerichtet auf ein Bild der renommierten Künstlerin Annelies Strba, unverkäuflich. Hochstrasser greift sich sein derzeit liebstes Stück, ein paar alte lederne Boxhandschuhe. «Hier kann man sich eine Geschichte vorstellen, was diese Handschuhe erlebt haben», sagt der Unternehmer, der selber zweimal die Woche im lokalen Boxclub trainiert. «Gebrauchte Dinge erzählen mehr und haben für mich fast eine Seele.»

Die Auslage ist wohlgeordnet, sortiert und sauber – exklusiv eben. «Alles nehme ich nicht!», sagt er. Wenn es um Wohnungsräumungen geht, macht er auch nach 30 Jahren im Geschäft die Triage zwischen Töpfchen und Kröpfchen selber, dies trotz fünf Angestellten. Mit Künstlern kommt er gerne ins Tauschgeschäft. Und weil er nichts online oder vorab an bevorzugte Händler verkauft, ist sein Sortiment im Laden vielfältig und interessant.

Selber bezeichnet sich der Herr der 1000 Dinge als «absolut durchschnittlicher Typ», der das Abenteuer auf Fahrrad-Trips sucht, regelmässig in der Südkurve des Zürcher Letzigrunds den FCZ anfeuert und gerne Konzerte sowie Kunstaustellungen besucht. 

Vom schlechten und vom guten Gewissen 

«Ich glaube nicht, dass ich mit meiner Spende die Welt verändere», sagt Hochstrasser. Aber einigen Menschen gehe es besser. «Vielleicht kann ich damit mein Karma etwas aufbessern», sagt er halb im Spass, denn als religiös würde er sich nicht beschreiben. «Wir leben hier in grossem Wohlstand. Da ist es eher das schlechte Gewissen, das mich zum Spender macht.»

 

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