Wald heisst Leben

Waldfrüchte, Heilpflanzen oder Honig: In Guinea-Bissau ist der Wald eine reichhaltige Quelle zur Deckung täglicher Bedürfnisse. SWISSAID-Partner setzen sich für den nachhaltigen Schutz der Wälder ein.

Die Hauptverkehrsachsen Guinea-Bissaus sind in gutem Zustand. Verlässt man sie, bilden die ausgefahrenen Naturstrassen eine Herausforderung für Fahrer und Fahrzeug. Doch ob Asphalt oder Holperpiste: Überall am Strassenrand liegen grosse Bündel Holzkohle, die zum Verkauf angeboten werden. Denn in 90 Prozent aller Haushalte verwenden die Menschen Holzkohle oder Brennholz zum Kochen. Die Folgen sind fatal: Die Abholzung der Wälder nimmt rasant zu.

Hoffnung in Gangurdo

Dazu kommen andere Faktoren: Nach wie vor vergibt das Forstministerium Lizenzen zum Abholzen an Holzfirmen, die wertvolle Tropenhölzer exportieren, obschon dies nicht gestattet wäre. Und auch die Brandrodung ist weit verbreitet. Auch wenn die Regierung Rodungen verboten hat, glimmen in den Wäldern grossflächige Feuer vor sich hin und lassen verbrannte Erde zurück. Niemand kann sagen, ob sie von Menschenhand oder durch die Hitze entfacht wurden.

Doch es gibt auch Hoffnung. Tief im Landesinneren, im Flecken Gangurdo in der Provinz Bafatá, hat sich vor über zehn Jahren eine Gruppe junger Männer und Frauen zur Organisation Sahel 21 zusammengeschlossen, die sich der nachhaltigen Entwicklung natürlicher Ressourcen verschrieben hat. Seit März 2011 unterstützt SWISSAID dieses innovative Projekt, an dem 50 Gemeinden beteiligt sind, die sich in Vereinen organisiert haben. 
 

Bevölkerung übernimmt die Verantwortung

Die Idee: Waldflächen werden eingezont und in die Verantwortung ländlicher Gemeinden gegeben. Mit solchen «Gemeinschaftswäldern» erhält die Bevölkerung mehr Rechte, sie profitiert von den Erlösen und ist verstärkt am Schutz der Wälder interessiert. Das Projekt steht im Einklang mit dem Aktionsplan für tropische Wälder der Regierung und ist eine der Strategien zur Armutsbekämpfung. Denn der Schutz des Ökosystems und der Biodiversität erhöht die Lebensqualität der ärmsten Bevölkerung. 
 
Dass der Schutz der Wälder dringend notwendig ist, erläutert der Dorfvorsteher Gangurdos: «Kürzlich haben wir chinesische Holzfäller erwischt und das gefällte Holz beschlagnahmt. Nach langen Verhandlungen blieb uns aber leider nichts anderes übrig, als das Holz an sie zu verkaufen.» Ein grosses Problem ist auch der Vormarsch der Cashew-Bäume, Haupteinkommensquelle vieler Familien und Hauptexportprodukt des Landes. Im Projekt von Sahel 21 lernen die Bauern, dass es
durchaus Alternativen gibt. Inzwischen haben die am Projekt beteiligten Gemeinden in vier Distrikten 240 Hektar Wald aufgeforstet und diese in vier Gemeinschaftswälder aufgeteilt. Das staatliche Forstamt hat die Wälder inventarisiert und die notwendigen Lizenzen vergeben. Verschiedene Vereinsmitglieder haben sich in nachhaltigen Produktionstechniken ausgebildet, was den Dörfern und ihren Bewohnerinnen ein besseres Einkommen sichert. Ein Anfang ist gemacht – nun kann das Beispiel Schule machen.
 
 
Projektcode: GB 2/12/09
Projektdauer: bis 2014
Projektkosten: 77'596 Franken
Anzahl Begünstigte: 5288 Männer, Frauen und Kinder