Auch Unternehmen müssen Menschenrechte respektieren

Die Aktivitäten multinationale Konzerne haben in Entwicklungsländern immer wieder negative ökologische und soziale Konsequenzen. SWISSAID fordert, dass auch Unternehmen internationale Umwelt- und Menschenrechtsstandards verbindlich einhalten müssen.

Viele Entwicklungsländer haben bisher nur wenig von der wirtschaftlichen Globalisierung profitiert. Multinationale Konzerne beuten ihre Rohstoffe aus oder produzieren in den Ländern des Südens billige Kleider und Elektronik. Doch die Arbeitsbedingungen sind oft miserabel, Kinderarbeit verbreitet und die ganze Bevölkerung leidet unter Umweltverschmutzung, Vertreibungen sowie sozialen Verwerfungen. Die Unternehmen verschieben die Profite derweil in Steueroasen.

Es gibt zwar immer mehr freiwillige Initiativen, Richtlinien und Verhaltensvorgaben, welche mehr Unternehmensverantwortung zum Ziel haben. Sie reichen jedoch nicht aus, denn wenn keine Sanktionen drohen, können sie von den Firmen leicht ignoriert werden. Um das Problem effektiv anzupacken, braucht es deshalb griffigere und verbindliche Instrumente.

Im Mai 2011 stellte John Ruggie, der Uno-Sonderbeauftragte für Menschenrechte und Unternehmen, seine Leitprinzipien für Unternehmen und Menschenrechte vor.  Damit sollen die Lücken beim Schutz vor Menschenrechtsverletzungen durch Unternehmen geschlossen werden. Um ihrer Verantwortung gerecht zu werden, müssen Unternehmen «menschenrechtliche Sorgfaltsprüfungen» durchführen.

SWISSAID ist der Meinung, dass die Umsetzung der Leitprinzipien nicht freiwillig sein darf. Wir unterstützten deshalb die Petition „Recht ohne Grenzen“, die im Juni 2012 mit 135‘000 Unterschriften eingereicht wurde. Diese löste eine intensive politische Debatte aus, doch das  Parlament wollte keine konkreten gesetzgeberischen Massnahmen ergreifen.

SWISSAID lancierte deshalb im April 2015 zusammen mit über 60 Organisationen die Konzernverantwortungsinitiative. Das Ziel: verbindliche Regeln für Konzerne zum Schutz von Mensch und Umwelt – auch bei Auslandstätigkeiten. Konkret bedeutet dies: Alle Konzerne müssen überprüfen, ob durch Tätigkeiten im Ausland Menschenrechte und Umweltstandards verletzt werden; sie müssen entsprechend handeln und darüber berichten.

Damit liesse sich das unbestritten erhebliche Reputationsrisiko mindern: Viele international tätige Firmen haben ihren Sitz hierzulande und gefährden durch die Verletzung von Menschenrechten und Umweltstandars den Ruf der Schweiz. Dank grösserem Verantwortungsbewusstsein an der Spitze der Unternehmen könnte die Schweiz weltweit eine Vorreiterrolle einnehmen – zum Schutz der Menschenrechte und der Umwelt auch in der Dritten Welt.