Unternehmensgeist stärken: Frauenpower auf dem Land

Keine Ausbildung, kein Job, kein Geld – mit der Eröffnung eines kleinen Imbissstands, eines Kleiderladens oder einer Hühnerzucht gewinnen die Frauen in Matagalpa eine Perspektive.

Nohemi Orozco Molinares hat ein gutes Auge für Füsse und Schuhe. Und es wird immer besser. Jeden Tag schult sie ihren Blick für Verarbeitung, Material und Grösse  der unerlässlichen Treter – schliesslich ist sie auf dem Weg dazu, die erste Schuhverkäuferin im Dorf El Paraíso in der Gemeinde Terrabona zu werden. Mehr als das: Sie wird sogar Inhaberin des Ladens sein! 

Die Eröffnung des Schuh-Secondhandshops gibt der 23-jährigen eine Perspektive: „Ich hoffe, dass sich das Einkommen meines Haushalts verbessert, so dass mein Mann nicht mehr jedes Jahr in Costa Rica Arbeit suchen und mich und unsere Tochter alleine zurücklassen muss.“

Von der billigen Arbeitskraft…

Es ist nicht so, dass junge Frauen wie Nohemi im nicaraguanischen Hinterland bisher untätig die Hände in den Schoss gelegt hätten. Im Gegenteil: Von klein auf haben sie bei der Haus- und Feldarbeit mit angepackt, ohne dafür auch nur einen Centavo zu verdienen. Ein bisschen besser, aber ebenfalls mies, war die Bezahlung als Hausmädchen oder als Fabrikarbeiterin in der Zollfreizone. 

Hoffnung auf ein selbstbestimmtes, sicheres Leben, auf eine Anstellung oder eine gute Ausbildung bestand kaum. Selber ein Unternehmen zu gründen, war ein Ding der Unmöglichkeit, weil die mittellosen Frauen von den Banken keine Kredite erhielten. Dies änderte erst, als die SWISSAID-Partnerorganisation FUMDEC (Fundación Mujer y Desarrollo Económico Comunitario) in El Paraiso und anderen Dörfern im Departement Matagalpa tätig wurde. 

…zur Schülerin…

Die Stiftung fördert kleinunternehmerische Initiativen von jungen Frauen durch Weiterbildungen, Beratungen und Kleinkredite mit dem Ziel, die Lebensbedingungen und Perspektiven von Familien in prekären Lebenssituationen nachhaltig zu verbessern. 25 junge Frauen aus 15 Dörfern besuchten die drei dreitägigen Module des Ausbildungskurses für angehende Kleinunternehmerinnen bisher. Dabei lernten sie die wichtigsten Grundlagen für eine erfolgreiche Umsetzung ihrer kleinunternehmerischen Initiativen kennen, zum Beispiel das Durchführen einer Marktanalyse, die Berechnung der Produktionskosten und Wissenswertes zu Administration und Marketing.

…zur selbständigen Unternehmerin

Im Verlauf des Kurses überprüften die angehenden Jungunternehmerinnen die Markt- und Realisierungschancen ihrer Geschäftsideen und erstellten einen Businessplan. Ingrid zum Beispiel musste von ihrer ersten Idee, dem Aufbau eines Kinderkleider-Secondhandshops, bald wieder Abstand nehmen, weil die Nachfrage zu gering war. Stattdessen zeigte ihre Marktanalyse, dass die Leute sich nach einem Imbiss sehnten, wo sie jederzeit eine einfache kleine Mahlzeit kaufen können.

 „Ich weiss, dass dies nicht einfach wird und viele Opfer verlangen wird, aber wenn ich hart arbeite und das Gelernte anwende, wird mein Geschäft erfolgreich sein und die Lebensbedingungen von mir und meiner Familie verbessern“, gibt sich die 18-Jährige angehende Gastronomin kämpferisch.

Nicht unterkriegen lassen

Der Weg zum Chefsessel ist von Anfang an steinig: „Es war für mich sehr schwierig, am Kurs teilzunehmen, denn ich lebe sehr abgelegen und es gibt kaum Transportmöglichkeiten. Ich musste jeweils sieben Kilometer zu Fuss zurücklegen, um an der Hauptstrasse den Bus nach Matagalpa nehmen zu können“, erinnerte sich Nohemi. FUMDEC half der jungen Mutter, für die kleine Tochter während des Kurses eine Betreuung zu organisieren und finanzierte einen Teil der Transportkosten. So konnte Nohemi bei der Heimreise den beschwerlichen Fussweg zu ihrem Dorf auf einem Pferd zurücklegen und musste ihr Kind nicht tragen. 

Auch nach der Unternehmensgründung lässt FUMDEC seine Schützlinge nicht hängen: Von den zehn bereits in der Vorphase entstandenen Kleinunternehmen erhielten sechs technische Beratung und Begleitung. So überwanden die Geschäftsfrauen erste Schwierigkeiten wie eine zu hohe Verschuldung aufgrund grosser Anfangsinvestitionen (Getreidemühle, Imbissbude),  Futtermangel für die Kühe wegen anhaltender Trockenheit oder Konflikte in der Familie.

Die Jugend ist der Schlüssel zur Zukunft

FUMDEC weiss, dass die jungen Frauen Wegbereiterinnen der Zukunft sind. Sie unterstützt sie deshalb auch darin, ihre Forderungen zu formulieren und bei den lokalen Behörden vorzubringen und informiert sie über ihre Rechte. Weiterbildungskurse, Strassentheater, eine offizielle Anlaufstelle für Jugendliche, die Vergabe von Stipendien und die Sanierung des Schulgebäudes – all dies gehört zum Programm und zeugt davon, dass die Impulse, die FUMDEC in Matagalpa setzt, lange Zeit nachwirken werden. Denn die Jugend ist der Schlüssel zur Zukunft und voll von Tatkraft, Energie und Kreativität.

 
Projektcode: NC 02/12/05
Projektdauer: 2015
Projektkosten: 50'232 Franken
Anzahl Begünstigte: 300 junge Frauen