Niger: Am Brunnen entscheidet sich über Glück oder Unglück

Der Wassermangel im Niger ist dramatisch. Frauen und Mädchen wenden den halben Tag auf, um ihre Kanister zu füllen. Häufig ist das Wasser keimverseucht, die Kindersterblichkeit hoch. Mehr und bessere Brunnen und einfache Hygienemassnahmen bewirken schon viel.

In Falwel werden keine halben Sachen gemacht. Der Wassermangel ist in dieser Gegend im Sahelstaat Niger so prekär, dass Pflästerlipolitik keinen Sinn macht. Knapp 60‘000 Bewohnerinnen und Bewohner leben in der Landgemeinde und es werden immer mehr. Wasservorkommen gibt es an zwei Orten, doch das Wasser in den offenen Tümpeln versiegt häufig und ist keimverseucht. Infektionskrankheiten sind ein Dauerthema, die Kindersterblichkeit ist hoch.

Die wenigen, rund 60 Meter tiefen Brunnen, liefern dagegen in der Regel sauberes Wasser. Doch die Mädchen und Frauen, die diese Aufgabe übernehmen, brauchen Kraft und Ausdauer. Bis zu sechs Stunden täglich kostet sie das Wasserholen, bei grossem Andrang kann die Warterei zusätzlich Zeit verschlingen. In der Trockenzeit wird die Versorgung mit frischem Wasser schnell dramatisch. Auch die Landwirtschaft – der wichtigste Arbeitszweig im Niger – ächzt unter dem Wassermangel. Alle zwei Jahre erleidet die Landbevölkerung eine ernsthafte Hungerkrise.

Wasservorkommen grösser als erwartet

Es ist viel los in Falwel momentan. Mit grossen Maschinen bohren die Arbeiter in den trockenen Grund. Sie graben sich tiefer und tiefer, bis sie auf Wasser stossen. SWISSAID finanziert den Bau einer kleinen Wasserleitung, die acht Dörfer oder rund 6900 Menschen in Falwel mit Wasser versorgt. Im Dorf Faria Bana kann über einer unterirdischen Wasserstelle zudem eine richtige Brunnenanlage für die Versorgung der 800 Einwohnerinnen und Einwohner gebaut werden. Und es kommt noch besser: Bei den Grabungsarbeiten wurde das ganze Ausmass des Wasservorkommens sichtbar. Nun reicht das kostbare Gut sogar, um ein weiteres nahegelegenes Dorf zu versorgen. Wie gesagt, halbe Sachen gibt es nicht. Doppelte dafür schon.

Unser Wasser, unsere Verantwortung

Zur doppelten Absicherung gehört auch, dass die Menschen mit ihren neuen Wasseranlagen nicht alleine gelassen werden. Mit einer bescheidenen Nutzungsgebühr beteiligen sich alle Haushalte an den Kosten für Betrieb und Unterhalt und stellen so sicher, dass die Infrastruktur in Schuss bleibt.

Auch Sauberkeit ist ein grosses Thema. Gemeindeveranstaltungen zu Gesundheit und Hygiene in der Familie sind deshalb ein wichtiger Pfeiler des Projekts. Erhebungen im Nachgang zeigen, dass die Informationsanlässe Wirkung zeigen und rund 80 Prozent der Haushalte die empfohlenen Hygienemassnahmen auch tatsächlich umsetzen.

Aus Wasserträgerinnen werden Schulmädchen

An fünf Schulen errichten die Arbeiter zudem Latrinen und Gelegenheiten zum Händewaschen. Die „Tippy Tap“ genannten Waschvorrichtungen sind einfache Holzkonstruktionen mit einem Wasserkanister und einem Fusspedal. Hier können sich die Kinder nach dem Toilettengang oder vor dem Essen die Hände waschen. Auch immer mehr Schülerinnen stehen am Tippy Tap: Seit die Mädchen nicht mehr stundenlang Wasser schleppen müssen, haben sie Zeit für den Schulbesuch. Wasser und clevere Köpfe – davon kann es im Niger nicht genug geben.

Projektcode: NI 02/14/11

Projektdauer: 27 Monate

Projektkosten: 418‘774 Franken

Anzahl Begünstigte: 7‘700 Einwohnerinnen und Einwohner von neun Dörfern der Gemeinde Falwel