Die tapferen Schneiderlein: Kampf um Frauenrechte im Tschad

Armut und Analphabetismus gehören im Tschad zusammen wie Nadel und Faden. Für die Frauen kommt hinzu, dass sie wenig Rechte haben, von ihren Männern abhängig sind – und von diesen oft auch geschlagen werden. Nicht einfach, aus dieser Situation auszubrechen. Ein paar Näherinnen geben alles.

Es sind unglaublich bunte Stoffe mit Blumen, Früchten und Ranken, die die Frauen im Tschad am Körper tragen. Lange, geschlungene Tücher, die vor der Sonne schützen, den religiösen und kulturellen Anforderungen genügen und viel Bewegungsfreiheit zum Arbeiten bieten. Die Gewänder stehen den Frauen gut. Denn sie sind gemacht von Näherinnen, die genau wissen, wie schwer das Leben als Frau sein kann. Und die ihren Kundinnen mit den Kleidern ein bisschen Freude bereiten wollen.

Gewalt schon in der Kindheit

Für die Frauen in Guéra und Tandjilé, zwei der ärmsten Regionen im Süden des Tschads, gehört Gewalt zum Alltag. Viele werden als Kind Opfer von Genitalverstümmelung und Zwangsheirat und  erleiden später häusliche Gewalt in der Ehe. Weil das Einkommen nicht reicht, um die Familie durchzubringen, verlassen viele Männer das Dorf, um in anderen Regionen oder im Ausland Arbeit zu suchen. Die Frauen bleiben zurück mit Haus, Hof und einer Handvoll Kinder. Sie bestellen ihre kargen Felder unter schwierigen Voraussetzungen, so gut es geht. Die Wasserversorgung ist prekär, die Überlebensbedingungen unglaublich hart und das Wissen über moderne Landwirtschaftsmethoden fehlt.

Armut und Analphabetismus: Ein Teufelskreis

Der Wissensmangel ist grundsätzlich ein Riesenproblem – 90 Prozent der Frauen in den ländlichen Gebieten sind Analphabetinnen, knapp 75 Prozent haben nie auch nur eine Schulstunde besucht. Die fehlende Bildung treibt sie in eine Sackgasse: Analphabetismus, Armut und wirtschaftliche Abhängigkeit stellen einen Teufelskreis dar, der nur schwierig aufzubrechen ist. Ob bei der Arbeit, bei der Pacht eines Stück Lands, beim Bau eines Hauses oder wenn sie einen Arzt aufsuchen müssen – wer nicht lesen und schreiben kann, ist überall im Nachteil. Dass auch ihre Kinder kaum bessere Zukunftsaussichten haben, ist für viele Mütter und Väter besonders belastend.

Den Hebel ansetzen

SWISSAID versucht, den Teufelskreis aufzubrechen und bietet Alphabetisierungskurse speziell für Frauen an. Denn ein einziges zusätzliches Jahr Schulbildung kann nach Berechnungen der UNESCO das Einkommen einer Frau um 10 Prozent steigern, über das ganze Leben hinweg gesehen sogar um 20 Prozent. Gleichzeitig wird den Frauen gezeigt, wie sie ihr Stück Land besser bewirtschaften können. Lokale Partnerorganisationen rüsten die Bäuerinnen mit Werkzeug und angepasstem Saatgut aus und bauen gemeinsam mit kräftigen Männern aus der Dorfgemeinschaft Brunnen für die Bewässerung der Felder. So können sie genug ernten, um die oft sehr grossen Familien zu ernähren und vielleicht sogar einen Teil der Ernte zu verkaufen. Denn ganz ohne Bargeld geht es auch im kleinsten tschadischen Bauerndorf nicht.

Schritt in die Selbständigkeit

Ein Coiffeursalon oder ein kleiner Lebensmittelladen: Für Bäuerinnen, die Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen haben, liegt der Gedanke an die Gründung einer eigenen kleinen Firma nahe. Möglich wird das dank selbst verwalteten Mikrokrediten, die SWISSAID den Frauen anbietet. In einer früheren Projektphase konnten einige talentierte und interessierte Frauen mit einem Startkapital von SWISSAID ein Nähatelier gründen, Nähmaschinen und einen Grundstock an Stoffen, Fäden und Nadeln kaufen. Ihr Einsatz hat sich gelohnt: Die Näherinnen haben sich inzwischen in Schnitttechnik und Stickerei weiterbilden lassen und können ihre Kleidungsstücke in der ganzen Region verkaufen. Sie werden weiterhin begleitet, um ihr kleines Unternehmen gut zu führen und die Rentabilität ihres Schaffens zu verbessern. Stich für Stich einer besseren Zukunft entgegen.

Projektcode: TS 02/14/01

Projektdauer: 12 Monate

Projektkosten: 86‘533 Franken

Zielgruppe: 3‘469 direkt Begünstigte, 21‘193 indirekt Begünstigte

Spendenbeispiel

39 Franken kostet eine Aufklärungskampagne gegen Gewalt an Frauen, mit der 500 Personen erreicht werden können. Insgesamt sind zehn solche Kampagnen in verschiedenen Dörfern geplant.