Tränen des Abschieds nach fast vier Jahrzehnten

Haben Sie schon einmal die Nummer 031 350 53 53 gewählt? Dann stehen die Chancen gut, dass Sie mit den Worten begrüsst wurden: «SWISSAID, Spanio?» Vor 38 Jahren fing Tamara bei SWISSAID an, als Aushilfe "bloss für drei Monate", dachte sie. Doch es sollte anders kommen.

38 Jahre lang hat Tamara Spanio auf Deutsch, Französisch und Italienisch Spenderinnen und Spendern Auskunft erteilt, Adressänderungen notiert und weiterverbunden – zuverlässig, hilfsbereit und – immer, wirklich immer freundlich.

Die Freuden des Grossraumbüros

Sogar die unangenehmsten Telefongespräche erledigte sie geduldig und höflich, wissen wir Kolleginnen und Kollegen. Denn es ist leider eine Tatsache: Nicht alle Anruferinnen und Anrufer haben ihren besten Tag, wenn sie zum Hörer greifen, um ein Anliegen zu deponieren. Im Grossraumbüro bei SWISSAID bekommen es einige mit, wenn die Gesprächstemperatur den gefühlten Siedepunkt erreicht. Oder wenn Jubelschreie durch den Gang hallen. «Hast du das gehört? Das war jetzt wirklich sehr nett!»

Weisch no?

Tamara kennt alle, weiss alles und ist das wandelnde Gedächtnis für die bald 70-jährige Geschichte von SWISSAID. Sie fing als Aushilfe im Spendendienst an. «Befristet für drei Monate», erinnert sie sich an damals, als es noch keine Datenbanken und Computer gab und die Spenden anhand der grünen «Post-Coupons» der Einzahlungsscheine in Zettelkasten abgelegt und nach Kantonen geordnet wurden. Die Verdankungsbriefe schrieb sie auf einer mechanischen Schreibmaschine, die Durchschläge füllten reihenweise Ordner.

Teamgeist

«Das hat mir gut gefallen. Alle mussten ihren eigenen Kopf anstrengen, es gab keine vorgefertigten Antworten, die man in der elektronischen Textablage hervorholte.» Dafür Nachtschichten: «Wenn wir ein Mailing verschickten, packten alle mit an und steckten manchmal bis weit nach Mitternacht Briefe in Kuverts.» 

Man siezte sich zwar im Team. Aber der Teamgeist war toll, sagt sie. «SWISSAID war halb so gross und man nahm Anteil aneinander.» Schickte Postkarten, zeigte Ferienfotos.

Meilensteine

Als absolutes Highlight blickt sie auf das 50-Jahr-Jubiläum von SWISSAID zurück. Ein Riesenfest, bei dem alle anpackten und das in der ganzen Schweiz stattfand.

War früher alles besser? «Natürlich nicht!», sagt Tamara überzeugt. «Es war einfach anders.» Die Freude an der Arbeit hat sie nie verloren, «auch weil sie Sinn macht. Und immer durfte ich dazulernen».

Alles wird gut

Heute hat Tamara Spanio ihren letzten Arbeitstag, heute heisst es ein letztes Mal: «SWISSAID, Spanio?» Morgen winkt die Pension, ein Flug nach Dubrovnik und ein paar Ferientage mit Mann und Sohn. Wir wünschen Tamara alles Gute auf der weiteren Lebensreise, viel Glück und gute Gesundheit. Liebe Tamara: Nach den Tränen des Abschieds scheint wieder die Sonne.