Syngenta-Übernahme gerät unter heftigen Beschuss

Syngenta-Übernahme gerät unter heftigen Beschuss

Bern, 26. April 2016. Privatisierung des Saatguts, giftige Pestizide, Marktdominanz: SWISSAID, die Erklärung von Bern (EvB), Multiwatch und Brot für alle protestierten an der Generalversammlung von Syngenta am Dienstag in Basel gegen die geplante Übernahme des Schweizer Agrarmultis durch den chinesischen Staatskonzern ChemChina und deren negative Folgen für Landwirte, Konsumentinnen und Umwelt. Auch in China selbst regt sich inzwischen Widerstand gegen den umstrittenen Deal.

Qin Zhongda, der ehemalige chinesische Minister für chemische Industrie, machte den Anfang. Er hat als erster einen offenen Brief unterzeichnet, der kritische Fragen stellt zur Übernahme Syngentas durch ChemChina und deren Konsequenzen für Chinas Bauern und Konsumenten. Darin äussert er die Befürchtung, Syngentas gentechnisch verändertes Saatgut werde Chinas lokale Soja- und Reissorten gefährden und giftige Pestizide würden in China künftig verstärkt produziert und eingesetzt. 460 Personen aus China haben den Brief mit unterzeichnet.

Internationale Organisationen – unter ihnen 19 aus der Schweiz - haben einen offenen Brief mit ähnlicher Stossrichtung lanciert, der am Dienstagnachmittag der chinesischen Botschaft in Bern übergeben wird. Zuvor haben SWISSAID, Multiwatch, Brot für alle und die EvB ihre Bedenken auch an der Generalversammlung (GV) von Syngenta in Basel vorgebracht und sich mit dem Brief aus China solidarisiert. Kernpunkte der Kritik sind die ökologische Gefährdung, die durch die Übernahme wächst, sowie die zunehmende Monopolbildung im Agrargeschäft. Denn ChemChina sichert mit dem 43-Milliarden-Dollar-Deal neben den Pestizidformulierungen auch alle geistigen Eigentumsrechte Syngentas auf Pflanzen.

Die Vertreter der Entwicklungsorganisationen riefen Syngenta an der GV auf, ihre aggressive Patentpolitik umgehend zu ändern. Patente auf konventionelle Pflanzen oder natürlich vorkommende Eigenschaften schränken den freien Zugang zu Zuchtmaterial ein und behindern damit die Innovation im Saatgutsektor. Syngenta hingegen setzt sich an vorderster Front für diese Patente und die Monopolisierung von Saatgut ein. Wenn aber wenige grosse Konzerne den Saatgut- und Pestizidmarkt beherrschen und auch die Forschungsagenda dominieren, wird die Wahlfreiheit von Bäuerinnen und Konsumenten stark eingeschränkt.

Heftige Kritik – im offenen Brief aus China wie an der GV in Basel – wurde auch am Verkauf gefährlicher Pestizide wie etwa Paraquat laut. Diese sind in den Industrieländern wegen ihrer hohen Toxizität verboten – oder ihre Anwendung ist stark eingeschränkt. Trotzdem forciert Syngenta ihren Absatz in Entwicklungsländern, im Wissen, dass sie dort nicht korrekt angewendet werden können. Damit gefährdet der Basler Agrarkonzern die Gesundheit unzähliger Bauern und Plantagenarbeiterinnen. Die EvB und ihre Partner haben dies auch letztes Jahr mit diversen Fallstudien dokumentiert.

Rückfragen und Interviews:

Fabio Leippert (SWISSAID): 031 350 53 75; f.leippert@swissaid.ch

Weitere Informationen und Hintergründe finden sich auch im soeben von Multiwatch publizierten Schwarzbuch Syngenta