Syngenta in chinesischer Hand: Folgen für die Landwirtschaft?

Syngenta in chinesischer Hand: Folgen für die Landwirtschaft?

ChemChina will den Schweizer Agrokonzern Syngenta übernehmen – einen der beiden grössten Agrochemiemultis weltweit. Was bedeutet das für die Landwirtschaft? SWISSAID debattierte in Basel gemeinsam mit der Organisation Multiwatch über die Folgen des Deals.

An der Veranstaltung von Mitte Februar von Multiwatch, SWISSAID und der UNIA in Basel stand die geplante Übernahme von Syngenta durch ChemChina im Zentrum aller Diskussionen. Dabei ging es um Arbeitsplätze, um die Frage, wann eine globale Firma überhaupt schweizerisch ist, ob und wie die Zivilgesellschaft Einfluss nehmen kann und was die Übernahme für die weltweite Landwirtschaft und besonders für Kleinbauern in Entwicklungsländern bedeuten könnte.

SWISSAID brachte bei der Diskussion die Aspekte der Landwirtschaft ein, die von den Medien bis heute kaum aufgegriffen worden sind. Dies ist erstaunlich, denn bei Syngenta handelt sich um eine der zwei grössten Agrochemie-Unternehmen weltweit, die entsprechend Einfluss auf unsere Lebensmittelproduktion haben.

Führt die geplante Verstaatlichung zu Intransparenz?

Wenn Syngenta im exklusiven Besitz eines chinesischen Staatsunternehmens ist und daher nicht mehr an der Börse gehandelt wird, bedeutet dies weniger Rechenschaftspflichten, weniger Transparenz und undurchsichtige strategischen Entscheide und Absichten − Syngenta wird zur „Black-box“. Enorm wichtig dürfte daher sein, Syngenta vor Ort in jenen Ländern, in denen das Unternehmen tätig ist, auf die Finger zu schauen und die Aufsichtsfunktion der Zivilgesellschaft zu stärken.

Syngenta als geopolitisches Machinstrument?

Syngenta könnte zum Instrument zur Durchsetzung geopolitischer chinesischer Interessen werden, beispielsweise um den Einfluss des „gelben Riesen“ in Afrika und Asien zu stärken. Soll Syngenta China dazu dienen, auch im Landwirtschaftssektor – neben den USA – zur Weltmacht aufzusteigen und die chinesische, afrikanische und indische Landwirtschaft noch mehr zu intensivieren, gentechnisch veränderte Pflanzen einzuführen und eine chemie-intensive Landwirtschaft aufzubauen? Dass dabei die Interessen und Bedürfnisse der lokalen Zivilgesellschaften und Bauernorganisationen berücksichtigt werden, ist zu bezweifeln. Im Gegenteil, es besteht die Befürchtung, dass Syngenta ähnlich aggressiv wie Monsanto und mit noch weniger Rücksicht auf Kritik und öffentliche Meinung agieren wird.

Erneute Marktkonzentration

Die Übernahme zeigt einmal mehr, dass „Big Agribusiness“ im Umbruch ist und sich weiter konzentriert und konsolidiert: Aus sechs grossen Agrokonzernen wurden fünf, jetzt dann vielleicht bald vier. All dies erhöht die Abhängigkeit der Bäuerinnen und Bauern von wenigen globalen Playern. Die Wahlfreiheit, was zu welchem Zeitpunkt und wie anzubauen ist, geht immer mehr verloren.

Geht es vor allem um Patente?

Mit der Übernahme sichert sich ChemChina auch sämtliche Patente von Syngenta − Patente für Techniken und Pestizide, aber auch für die Pflanzen selbst, besonders auch das Eigentum an konventionell gezüchteten Pflanzensorten. Gegen diese Patentierung wehr sich SWISSAID zusammen mit der Allianz „No Patents on Seeds“ schon lange. 

Selbst wenn man die Patentierung von Saatgut und Pflanzensorten befürwortet, sollte die Tatsache, dass die Grundlagen der Ernährung bald wohl nur noch in amerikanischer und chinesischer Hand sind, auch den Befürwortern Grund zur Sorge sein. Nicht jedoch für den Schweizer Bundesrat, der das Geschäft wohlwollend kommentiert.

Oder spielt die Übernahme doch gar keine Rolle?

Die Frage stellt sich und wurde an der Basler Veranstaltung intensiv diskutiert. Denn Syngenta steht so oder so nicht für die nachhaltige, agroökologische Landwirtschaft, die die Welt benötigt. Syngenta steht für das Gegenteil von Ernährungssouveränität. Wir brauchen jedoch einen Paradigmenwechsel,  weg von der industriellen, hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft. 

Wenn Syngenta nun chinesisch wird, können wir in der Schweiz vielleicht eher den neuen Weg verfolgen und müssen weniger den Bedürfnissen von Syngenta und deren Lobbyisten entsprechen. Sondern können konsequent auf die agroökologischen Alternativen setzten und den Forschungsstandort Schweiz darauf ausrichten.