SWISSAID an der Syngenta GV

SWISSAID an der Syngenta GV

28.4.2015. Der Schweizer Agrochemie-Konzern Syngenta, einer der zwei weltweit grössten Agrarkonzerne, zieht in seinem neuen Jahresbericht stolz Bilanz des ersten Jahres seines „Planes für nachhaltiges Wachstum“. Darin preist sich Syngenta als Förderer der Kleinbäuerinnen und -bauern. Die bereits mehrfach durch SWISSAID und andere an der GV eingeforderten Tatbeweise fehlen weiterhin. Und das von Syngenta vielgepriesene neue Monitoringsystem des Planes, welches Syngenta beim Wort nehmen und aufzeigen soll, dass es den Bauern und Bäuerinnen besser geht? Es misst etwas ganz anderes, wie Lorenz Kummer von SWISSAID an der heutigen Syntgenta GV in Basel vor 934 Aktionären aufzeigte.

"Sehr geehrte Mitglieder des Verwaltungsrates, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, sehr geehrter Herr Verwaltungsratspräsident Demaré.

In Ihrem neuen Jahresbericht steht es oft und wohl formuliert:  Syngenta ist unabdinglich für eine ökologisch und sozial nachhaltigere Zukunft unserer Welt – einer Welt ohne Hunger. Sie schreiben dazu aber auch: „Es muss sich etwas ändern. Wir haben nur eine Erde... wie wir mit der Erde umgehen, ist einfach nicht nachhaltig.“ Syngenta akzeptiert und übernimmt damit die Erkenntnisse aus vielen Studien und Untersuchungen, ausgelöst durch den vielzitierten Weltagrarbericht 2008.

Wir pflichten Ihnen zu 100 Prozent bei: „Weiter wie bisher ist keine Lösung.“ Wir anerkennen auch Ihre Bestrebungen zu mehr Nachhaltigkeit und Transparenz. Aber wir nehmen hiermit auch die Gelegenheit wahr, Sie auf Unzulänglichkeiten und Ungereimtheiten ihres Good-Growth-Plans hinzuweisen. Und wir setzen auf Ihre oft erwähnte Bereitschaft, verstärkt mit Organisation der Zivilgesellschaft zusammenzuarbeiten und auf die Bedürfnisse der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern einzugehen. Die Kernfrage lautet: Was ändert sich denn nun grundlegend an Ihrem System, welches die globalen ökologischen und sozialen Probleme zumindest mitverursacht hat?

Syngenta präsentiert in ihrem Plan für nachhaltiges Wachstum sechs Verpflichtungen und auf ihr Geschäftsmodell adaptierte Lösungen. Beispielsweise soll

  • fruchtbares Ackerland durch integrierte Lösungen bewahrt;
  • Insektizide und Herbizide effizienter angewendet oder mit Gentechsaatgut ersetzt;
  • und Kleinbäuerinnen und Kleinbauern Hilfe zur Selbsthilfe geboten werden.

SWISSAID und viele Entwicklungs- und Kleinbauernorganisationen propagieren diese „Hilfe zur Selbsthilfe“ seit Jahrzehnten. Wir unterstützen dazu Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Süden in der Anwendung und Weiterentwicklung von agroökologischen Lösungen und machen damit eindrucksvolle und vielversprechende Erfahrungen. Methoden wie ökologische Schädlingsbekämpfung, die Stärkung natürlicher Kreisläufe und lokalen Saatgutes, der Einsatz organischen Düngers oder der integrierte Anbau von Feldfrüchten und Bäumen zeigen grosse Erfolge.

Doch in welchem Verhältnis stehen solche Ansätze, die natürlich weniger Einkommen für externe Inputlieferanten generieren, zum Syngenta-Ansatz? Unabhängig von unterschiedlichen Ansichten zu den verschiedenen Ansätzen – was zählt, sind die Resultate! Und genau hier besteht aus unserer Sicht Grund zu grosser Skepsis. Ihr Monitoring-System ist nicht geeignet, die Erfüllung Ihrer Ansprüche zu belegen.

Nehmen wir zum Beispiel das von Ihnen genannte Kriterium der „Hilfe zur Selbsthilfe“. Was Sie in einem aufwändigen System messen, ist die „Anzahl der erreichten Kleinbauern“. Dieser Indikator sagt jedoch gar nichts aus über die Qualität der Intervention. Er sagt nichts darüber, ob die Ernährungs-Sicherheit der Kleinbauern und ihr Nettoeinkommen – also was ihnen unter dem Strich an Geld bleibt – nachhaltig und langfristig steigen. Mit Verlaub: Wenn wir eines unserer Entwicklungsprojekte mit demselben Ziel, also der Reduktion von Armut und Hunger, mit den Indikatoren Ihres Good-Growth-Planes messen würden: Wir hätten bei keinem seriösen Geldgeber eine Chance auf Finanzierung.

Syngentas Anspruch, dass für die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern eine langfristige Verbesserung ihrer Lebensumstände erreicht wird, lässt sich mit diesen Methoden schlicht nicht nachweisen.

Wir fordern Sie daher auf, die Indikatoren zu überarbeiten, damit überhaupt ein Nachweis Ihrer Versprechen möglich wird.Es gäbe allerdings für Syngenta noch einen bedeutend einfacheren Weg, den Tatbeweis anzutreten, dass es Ihnen mit der Hilfe für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ernst ist.

Helfen Sie mit, dass Tausch, Lagerung und Weiterentwicklung von traditionellem Saatgut möglich bleiben und beenden Sie die Patentierung von konventionell gezüchtetem Saatgut. Damit wäre den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern weltweit viel mehr geholfen als mit den vielen schönen Worten in Ihrem Good-Growth-Plan.

Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Lorenz Kummer, SWISSAID"

Aufgrund des neuen Fotoverbots an der Syngenta-Generalversammlung gibt es leider kein aktuelles Bild.