Stilles Örtchen, fliessendes Glück

Fliessendes Wasser und sanitäre Anlagen sind in armen Ländern nach wie vor Mangelware, die Folgen verheerend. Deshalb fliessen Spenden im Niger in den Bau von Latrinen und in Anlagen zur Trinkwasserversorgung. Das verschafft Frauen und Kindern mehr Zeit und Energie zum Arbeiten und Lernen – und allen eine bessere Gesundheit.

«Jeden Tag bin ich von acht bis zwölf Uhr unterwegs, um Wasser zu besorgen», sagt die 36-jährige Zalia Lola aus Adoua Kessa. So wie ihr geht es in Soucoucoutane in der südlichen Sahelzone praktisch jeder zweiten Frau: Nur die Hälfte der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Trinkwasser in akzeptabler Distanz. Sie müssen Wege von bis zu einer Stunde zurücklegen, um bis zum nächsten Brunnen zu gelangen, danach warten sie nicht selten bis zu fünf Stunden in der Schlange – die Wasserstellen sind stark frequentiert und füllen sich nur langsam wieder auf.

Die schlechte Trinkwasserversorgung belastet neben den Frauen vor allem die Kinder, die ihre Mütter oft in der mühsamen Wasserbeschaffung unterstützen – auf Kosten ihrer Schulbildung. Die 14-jährige Rachida Seydou, die in Doubalma die sechste Klasse besucht, erklärt es so: «Die Wasserschlepperei bei der Hitze ist sehr anstrengend. Wenn ich nach Hause komme, bin ich so erschöpft, dass ich mich erst erholen muss, bevor ich mit den Hausaufgaben beginnen kann.»

Wenn Schülerinnen die Schule versäumen, weil Latrinen fehlen

Auch die mangelnden «stillen Örtchen» an Schulen halten Schülerinnen und Schüler vom Lernen ab: Weil vor Ort Latrinen fehlen, müssen sie ihr Geschäft unter freiem Himmel erledigen. Sie entfernen sich weit von der Schule – manch einer kehrt danach nicht mehr in den Unterricht zurück. Für Mädchen ist die Situation am fatalsten: Häufig werden sie dabei belästigt, und fehlen Monat für Monat mehrere Tage, wenn sie ihre Periode bekommen.

Dass mangelnde Hygiene und verschmutztes Wasser sich auch auf die Gesundheit auswirken, liegt auf der Hand: Durchfallerkrankungen sind weit verbreitet – das wiederum verursacht hohe Krankheitskosten für die Behandlung und den Arbeitsausfall. Und so stehen der lange, beschwerliche Weg zu sauberem Trinkwasser und der Mangel an Latrinen am Anfang einer Verkettung von ungesunden Faktoren, die jede Besserung in der Landgemeinde Soucoucoutane verhindern. Oder wie der Projektverantwortliche Idrissa Moussa sagt: «Eine kranke Bevölkerung ohne Hoffnung hat sehr schlechte Karten, sich ökonomisch und sozial weiterzuentwickeln.»

Zwei Wassersysteme versorgen 5000 Einwohner

Deshalb verfolgt das Projekt von SWISSAID vor Ort in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde grundlegende Ziele:

  • Der Zugang zu Trinkwasser in Haushalten und Schulen von 12 Dörfern mit knapp 5000 Einwohnern wird dauerhaft verbessert.
  • Die Einwohner bauen Latrinen und benutzen sie richtig.
  • Freiwillige aus den Dörfern verwalten die Wasser- und Hygieneinfrastruktur so, dass alle dauerhaft davon profitieren.

Konkret werden zwei Wassersysteme gebaut, die mehrere Dörfer um Adoua Kessa und Aggue aus ein und derselben Quelle versorgen. Drei Schulen werden mit fünf Latrinenblocks mit je zwei Kabinen ausgerüstet, dazu kommen in vier Schulen 15 Händewaschvorrichtungen.

Zugang zu Trinkwasser als Quelle für weitere Entwicklung

Jeder zehnte Einwohner von Soucoucoutane profitiert direkt vom Projekt. Die Lebensqualität wird erhöht. Die Kinder haben mehr Zeit und Energie, um zu lernen. Die Frauen können sich zum Beispiel dem Gartenbau widmen. Oder sich ihr ganz persönliches und sicheres «stilles Örtchen» bauen.

Ihre Spende wirkt

Mit einer Spende von 80 Franken schaffen Sie in einer Schule die Möglichkeit zum Händewaschen.

  • Projektnummer: NI 2/16/09
  • Kosten: 485‘106.-
  • Laufzeit: Dreieinhalb Jahre
  • Anzahl direkt Begünstigter: 4974 und ihre Familien