Die Stadtgärtnerinnen von Bissau

300 Frauen bauen am Rand von Bissau, Westafrika, Gemüse an – um zu überleben. Mit Biolandbau verbessern sie ihren Ertrag, mit Leseunterricht ihr Ansehen.

Es brennt in den Augen. Über dem Stadtzentrum von Bissau wabert der Rauch. Auf den Feldern rund um die Hauptstadt verbrennen die Bauern Grünzeug. Wer zur «Granja de Pessubé» gelangen will, watet erst durch ein Feld voller Plastikfetzen, zerrissenen Schuhen und ausgedrückten Zahnpastatuben. Dahinter liegt eine acht Hektar grosse Oase, unterteilt in kleine Beete. Zahllose Salatköpfe leuchten in knackigem Hellgrün. «Wir bauen saisonal immer das an, was sich am besten verkaufen lässt», sagt Ermelinda Pedro Mendaça. Derzeit sind dies neben Salat, Kohl und Piment, Gurken sowie Maniok. In der Trockenzeit wachsen daneben auch Mais und Bohnen. «Wir sind das ganze Jahr über in den Gärten. Auch bei 40 Grad und bei Dauerregen», so die Präsidentin der «Associacão Ghatenkar Ghaba na Ubon», zu Deutsch «Vereinigung zur Nachbarschafts-Hilfe im Kampf gegen Hunger».

Lesen und Nachrechnen

Die Organisation, der 300 Frauen und zwei Männer angehören, wird seit zwei Jahren von SWISSAID unterstützt. In dieser Zeitspanne hat sich das Leben der Gemüsebäuerinnen in zweierlei Hinsicht dauerhaft verbessert: Bildung und Hunger. Mit modernen Methoden des ökologischen Landbaus kämpfen sie erfolgreich gegen Hunger und Mangelernährung an. Und dank Alphabetisierungskursen können viele mittlerweile rechnen, lesen und schreiben.

Neben den Feldern erinnert das halblaute Murmeln an den Kirchgang – doch weit gefehlt: Die Frauen sprechen nach, was die Lehrerin im kleinen, von SWISSAID finanzierten Alphabetisierungszentrum an die Wandtafel schreibt. «Ohne lesen und schreiben zu können, bist du aus der Gesellschaft ausgeschlossen», sagt Ermelinda, die das ABC erst als Erwachsene lernte, ihren Wissensdurst aber noch lange nicht gestillt hat. Nun studiert sie, um Lehrerin zu werden. Maria Mango, ebenfalls Vereinsmitglied, meint nüchtern: «Rechnen hilft auf dem Markt. Jetzt weiss ich, wie viel Rückgeld ich bekommen muss.»

Biolandbau und Buchhaltung

Ermelinda ist seit 30 Jahren Gemüsebäuerin. «Den Beruf hat mir meine Grossmutter beigebracht», sagt sie. Dass Zwiebeln neben Tomaten die Insekten vertreiben, hat sie jedoch in einem Kurs von SWISSAID gelernt. «No, no, no chimica!», predigt Ermelinda mit erhobenem Zeigefinger und lacht breit.

Der ökologische Landbau passt gut zu ihrer Erfahrungslandwirtschaft. «Aber das Wichtigste ist das Wasser. Ohne Wasser verdorrt alles», ergänzt Bäuerin Maria Mango. Deshalb will die Vereinigung zusammen mit SWISSAID ein Bewässerungssystem für die Felder vor den Toren der Stadt errichten.

Um wie viel der Ertrag seit der Umstellung auf ökologische Anbaumethoden gestiegen ist, können die Frauen nicht sagen. Sie haben früher keine Buchhaltung geführt. Dank SWISSAID weiss Ermelinda es heute besser und zückt stolz ein Blatt Papier, auf dem die Ernteerfolge und Preise fein säuberlich aufgelistet sind. Zum ersten Mal sehen die Frauen schwarz auf weiss, welche Erträge sie erarbeiten.

Buchhaltung hin oder her, für Bäuerin Nita Sampa steht fest: «Das Saatgut und das Material haben uns sehr geholfen. Mit dem zusätzlichen Einkommen kann ich die Schule für meine Kinder und die Medikamente bezahlen.» So nützt der Gemüseanbau und -verkauf der ganzen Familie – alle Familienmitglieder zusammengerechnet allein mit diesem Projekt über 2000 Menschen.

 

 

  • Projektnummer: GB 2/14/07
  • Dauer: 18 Monate
  • Kosten: Fr. 70'964.-
  • Anzahl Begünstigte: 2700 Männer, Frauen und Kinder in Granja de Pessubé und Ponta Rocha