Spenden statt Schnäppchen

Vor genau einem Jahr bewarb die Schnäppchenplattform QoQa SWISSAIDS Trinkwasserprojekt im Tschad und spielte dafür in eineinhalb Tagen 171'000 Franken ein. Was ist seither mit dem Geld geschehen?

Neue Brunnen für 13‘000 Männer, Frauen und Kinder in 15 Dörfern, fünf neue Schultoiletten sowie die Reparatur von 15 weiteren Brunnen: Wer hätte gedacht, dass all dies in nur 36 Stunden finanziert werden könnte?

Es war nicht das erste Mal, dass die Westschweizer Schnäppchenwebseite QoQa anstelle eines Produktes ein karitatives Projekt anpries. Letzten Dezember fiel die Wahl auf SWISSAID und das Wasserprojekt im Tschad (dazu Geschäftsführer Fabio Monte im Interview). Dank der grossen Reichweite der Webseite wurden Tausende auf die prekäre Situation im Sahel aufmerksam. Insgesamt 15’269 Personen spendeten einem Dorfbewohner oder einer Dorfbewohnerin Zugang zu sauberem Wasser.

Die Geschichte geht weiter 

Ein Jahr später sind die Pläne und Visionen von damals grösstenteils Realität geworden. Die drei lokalen Firmen, die mit dem Bau beauftragt wurden, haben in vierzehn Dörfern Brunnen gebohrt, in drei Schulen Latrinen errichtet und fünfzehn alte Brunnen instand gestellt. Zwei weitere Schultoiletten und ein zusätzlicher Brunnen sind geplant.

Viele Mädchen und Frauen müssen nun nicht mehr stundenlang Eimer zum nächsten Brunnen schleppen und haben Zeit zum Spielen oder um Lesen und Schreiben zu lernen. Dank den neuen Brunnen können die Bauernfamilien ihre Felder bewässern, haben dadurch genügend zu essen und schaffen es oft sogar, einen Teil ihrer Ernte zu verkaufen. Die Freude über das kühle Nass ist riesig – merci QoQa!

Anderen geht es immer noch dreckig

In anderen Regionen im Süden des Landes haben viele Menschen noch keinen Grund zur Freude. Obwohl der Tschad über Grundwasser und mehrere grössere Seen und Flüsse verfügt, hat nur jede Zweite sauberes Wasser zu trinken.

Wasser im Tschad ist kostbar – und um Kostbarkeiten wird gekämpft. Dorfbewohner, die Wasser für den täglichen Gebrauch holen, liegen sich in den Haaren mit Viehzüchtern, die am selben Brunnen ihre Tiere tränken. Wenn es denn Wasser hat. Auch die Landwirtschaft leidet unter dem chronischen Wassermangel, was zu anhaltendem Hunger führt. Ein Drittel der Bevölkerung ist unterernährt.

Busch-Toiletten verschmutzen das Trinkwasser

Schlimm steht es auch um die sanitären Anlagen. Auf dem Land haben nur sechs Prozent der Menschen ein WC, fast alle verrichten ihr Geschäft unter freiem Himmel. Händewaschen danach ist nicht möglich, die Menschen müssen mit schmutzigen Händen zurück aufs Feld, in die Küche oder zur Schule.

Die Fäkalien von Mensch und Vieh bilden Krankheitsherde – übertragen vom Wind oder über den direkten Kontakt stecken sich Menschen mit schädlichen Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten an. Bei starken Regenfällen können die Fäkalien auch in Wasserlöcher, Tümpel oder Fliessgewässer geschwemmt werden, welche kontaminiert und zu neuen Krankheitsherden werden.

Lauter Jubel im stillen Örtchen

Sauberes Trinkwasser und Latrinen sind ein wichtiger Schritt im Kampf gegen diese Misere. Mit der letzten Schaufel Beton für den Brunnenschacht und dem letzten Nagel, der die Bretter des Klohäuschens zusammenhält, ist die Arbeit aber nicht zu Ende. Die Gemeinden übernehmen langfristig Verantwortung. An der Dorfversammlung wird für jeden Brunnen und jede Toilette ein Komitee gewählt, das sich nach einer Schulung um die Wartung und Reinigung der sanitären Anlagen kümmert. Jeder Haushalt zahlt einen regelmässigen finanziellen Beitrag.

Gleichzeitig wird den Eltern gezeigt, wie sie selber eine einfache Latrine bauen können. Schülerinnen und Schüler lernen, wie sie die Hände nach jedem Toilettengang und vor jedem Essen richtig waschen. Durch sie soll das Wissen über die Eindämmung von Krankheiten in die Familien transportiert werden.

In den kommenden Jahren will SWISSAID in weiteren Dörfern Brunnen und Schullatrinen bauen. Das sorgt für lauten Jubel im stillen Örtchen.

Ihre Spende wirkt

Mit einer Spende von 55 Franken beteiligen Sie sich am Bau neuer Brunnen und schenken 5 Personen Zugang zu frischem Wasser.

Projektnummer: TS 02/16/07

Projektkosten: 242'700 Franken

Laufzeit: 12 Monate

Begünstigte: 13'000 Menschen in 15 Dörfern