Sneha Giridhari kämpft gegen Gewalt in der Familie

Sneha Giridhari ist verantwortlich für die Programme gegen häusliche Gewalt in den indischen Bundesstaaten Maharashtra und Chhattisgarh. Fälle in ihrem privaten Umfeld haben den Kampfgeist der 39-Jährigen noch verstärkt.

Welches sind deine aktuellen Aufgaben?

Häusliche Gewalt tarnt sich gut. Um ein Auge dafür zu bekommen, sensibilisiere ich unsere Partnerorganisationen und zeige ihnen, wie sie Gewaltopfer am besten unterstützen können. Ein breites Netzwerk ist wichtig und ich pflege meine Beziehungen zu Anwälten, Richtern und zur Polizei sorgfältig. Zudem arbeite ich am Aufbau von Beratungszentren und Unterstützungsgruppen in den Gemeinden. Ganz wichtig sind Selbsthilfegruppen: Die Opfer häuslicher Gewalt werden oft derart stigmatisiert und bedroht, dass sie keinen Ausweg mehr sehen und sich das Leben nehmen. In Selbsthilfegruppen brauchen sie sich nicht zu verstecken, jede hat Ähnliches durchgemacht. Hier erleben die Frauen unbeschwerte Momente und können auch mal wieder lachen.

Warum arbeitest du für SWISSAID?

SWISSAID verteilt nicht einfach Geld und ist karitativ tätig, sondern arbeitet eng mit den Leuten zusammen, nimmt ihre Sorgen und Bedürfnisse ernst. Wir sehen die Stärken der Menschen und fördern diese weiter. Dabei haben wir ständig die rechtlichen Rahmenbedingungen vor Augen. Das überzeugt mich, denn nur so sind wirklich nachhaltige Veränderungen möglich. 

Kommt dazu, dass das Arbeitsumfeld und die Zusammenarbeit im Team sehr gut sind. Seit September 2010 bin ich bei SWISSAID und es gefällt mir total.

Welche Aspekte deiner Arbeit gefallen dir am besten?

Unser Engagement gegen häusliche Gewalt läuft gut, wir haben starke Partner, die bereit sind, sich voll reinzuknien. Das ist wichtig, denn häusliche Gewalt ist ein Riesenproblem, selbst in meinem privaten Umfeld. Fälle in der eigenen Nachbarschaft und Verwandtschaft rütteln besonders auf. Die eigene Betroffenheit ändert die Perspektive und führt zu einer realistischeren Sicht auf das Problem. 

Ich sensibilisiere meine Familie dafür, häusliche Gewalt in der Gesellschaft überhaupt wahrzunehmen. Es tut mir gut, dass ich mich beruflich dagegen einsetzen kann und es gefällt mir, neben der Arbeit mit den Frauen auch mit Männern und Jugendlichen zusammenzuarbeiten. Männergruppen, die in den Dörfern Aufklärung betreiben und Opfer unterstützen, haben eine wichtige Vorbildfunktion.

Wo liegen die Herausforderungen?

Es dauert lange, bis sich die Einstellungen der Leute ändern: Häusliche Gewalt ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat! Es gibt keine Organisationen, die mit dem Thema vertraut sind, Partnerorganisationen müssen erst in das Thema eingeführt werden. Auch das ein langwieriger Prozess. 

Sorgen bereitet mir zudem, dass die Regierung ihre Aufgabe nicht erfüllt und keine Hilfestellung leistet. So werden zum Beispiel die Beratungszentren nicht staatlich unterstützt. Die Politik betrachtet häusliche Gewalt nach wie vor nicht als Verletzung der Menschenrechte und es gibt kein Netzwerk, das sich gegen häusliche Gewalt richtet. Die gesetzliche Anerkennung dieser Form von Gewalt war ein wichtiger Schritt, aber bei weitem nicht die Lösung für alles. 

Wie bringst du dein Berufs- und Familienleben unter einen Hut?

Ich lebe zusammen mit meinem Mann, unserer zehnjährigen Tochter und meinen Schwiegereltern in Pune. Hier bin ich auch schon aufgewachsen, meine Mutter und meine Tante wohnen sehr nah. Da ich viel arbeite und reise, ist die Unterstützung durch die Familie unglaublich wichtig. 

Als Ausgleich zur hohen Arbeitsbelastung mache ich Sport – wir wohnen nahe an einem schönen Park, der sich gut für ein bisschen Fitness eignet.