Selbst ist die Frau

Im Tschad haben Frauen in jeder Hinsicht den Kürzeren gezogen. Sie werden häufig Opfer von Gewalt, haben keine Rechte, keine Bildung und kein Geld, obwohl sie mehr schuften als die Männer. Doch wo viele Probleme sind, gibt es auch viele Lösungsansätze.

«Das sind unsere Verkaufsschlager», sagt Pauline Nguineberba, die Töpferin, und deutet auf eine Reihe schmucker Amphoren unter einem Mangobaum, wie sie in vielen Haushalten im Süden des Tschads stehen. So lässt sich das Wasser auch bei 43 Grad im Schatten einigermassen frisch halten. Viele Frauen in ihrem Dorf verdienen sich mit dem Verkauf der Ware ein Zubrot. Das ist hart erarbeitet. Denn im Süden des Tschads können schon wenige Kilometer eine unüberwindbare Distanz darstellen. Grund: Der Weg zur Markthalle besteht eher aus Löchern denn aus Asphalt. «Der Lastwagenchauffeur zuckt jeweils bloss mit den Schultern, wenn wieder nur Scherben auf dem Markt ankommen», erzählt Pauline Nguineberba. Damit ist nun Schluss. Dank einem Ochsengespann und Wagen, den die Frauen mithilfe von SWISSAID kaufen können, gelangt die Ware nun langsam und damit unbeschadet auf den Markt.  

Schule bringts 

Im Tschad haben die Frauen ein schweres Los. Der Mann hat alleine das Sagen. Sie leiden häufig unter Gewalt, Mädchen werden zwangsverheiratet und beschnitten. Auf dem Land können die allerwenigsten lesen, schreiben und rechnen – die Analphabetenrate beträgt unter Frauen fast 90%, die Lebenserwartung bloss 50 Jahre. Und doch sind sie es, die häufig die Hauptlast schultern, wenn es darum geht, die Familie durchzubringen. SWISSAID führt deshalb umfassende Frauenprojekte durch, in denen ein Schwergewicht auf der Gleichstellung liegt und Lesekurse durchgeführt werden. Rechnen, Schreiben und Lesen eröffnen Welten. Die Töpferinnen im Süden des Tschads erfahren in den Lese- und Rechenkursen aus dem Lehrmaterial, welche Wirkung Impfungen haben oder weshalb Latrinen ein Segen sind. Mit Kenntnis von ABC und 1 × 1 steigen die Zukunftschancen der Frauen und ihrer Familien markant. Die Unesco hat errechnet, dass bereits ein einziges Schuljahr das Einkommen von Frauen über das ganze Leben um 20 Prozent steigern kann. Seitdem sie rechnen kann, wird Töpferin Pauline Nguineberba auf dem Markt nicht mehr übers Ohr gehauen. «Mit dem Geld aus dem Verkauf der Töpfe kann ich wenn nötig Medikamente kaufen und meine Kinder zur Schule schicken», sagt sie. «Auch die Mädchen!» So ist ihre Hoffnung nicht unbegründet, «dass es meine Töchter mal leichter haben werden als ich» 

Ihre Spende wirkt 

5760 Franken kostet beispielsweise im Tschad in 60 Dörfern eine Aufklärungskampagne gegen Mädchenbeschneidung. Mit einer Spende von 96 Franken ermöglichen Sie die Sensibilisierung in 1 Dorf.  

 

Projektnummer: TS 2/17/06
Kosten:  143'315 Franken
Laufzeit: 24 Monate
Anzahl direkt Begünstigter: 2923 Frauen, Männer und Kinder