Mit Beweisen gegen leere Versprechen

Mit vereinten Kräften wehren sich Kleinbauern in Nicaragua gegen Grossunternehmen, die gentechnisch verändertes Saatgut importieren wollen. Dank von SWISSAID finanzierten Feldversuchen können sie beweisen: Lokale Sorten sind genügsamer und resistenter gegen Klimaschwankungen als Hybrid-Sorten – und ebenso ertragreich.

«Wir lehnen die Einführung von gentechnisch veränderten Saatgutsorten und Pflanzen ab, denn sie gefährden die Unabhängigkeit und die Ernährungssicherheit der nicaraguanischen Familien!» Das Votum der Saatgutallianz an ihrer Pressekonferenz im März hat nicht an Aktualität verloren. Die Allianz, die von sechs nationalen Netzwerken und SWISSAID getragen wird, vertritt die Interessen von rund 200‘000 Bauern sowie Konsumentinnen – und kämpft bis heute dagegen an, dass die Regierung auf Druck von ein paar wenigen Grossunternehmen die Einführung von Gentech-Saatgut für experimentelle, wissenschaftliche und kommerzielle Zwecke erlaubt.

Mit gutem Grund: «Gentechnisch veränderte Sorten stellen zahlreiche Anforderungen an die Produktion, die ein Kleinbauer nicht erfüllen kann. Zudem ist nicht erwiesen, dass GV-Saaten mehr produzieren als lokale», sagt Alvaro Fiallos, Präsident des nationalen Verbands der Bauern und Viehzüchter (UNAG). Damit bezieht er sich auf die Tatsache, dass gentechnisch veränderte Pflanzen teure Inputs wie chemische Düngemittel und Pestizide benötigen.

Fakten statt Glauben

Dank von SWISSAID finanzierten Feldversuchen können die Mitglieder der Saatgutallianz mit starken Fakten für lokales Saatgut argumentieren: Bei den Grundnahrungsmitteln Mais und Bohnen sind die lokalen Sorten mindestens ebenso ertragreich wie hybride. Zudem sind sie genügsamer und reagieren resistenter auf Klimaschwankungen, was die Produktion billiger und sicherer macht. Dank der Vielfalt können diejenigen Sorten gewählt werden, die bei lokal sehr unterschiedlichen ökologischen und klimatischen Bedingungen am besten gedeihen.

Seit 2006 kämpft die Saatgutallianz für die Anerkennung, Bewahrung und Weiterentwicklung der lokalen Saatgutsorten und somit für die Sicherung der Biodiversität in Nicaragua. Bisher konnten 141 einheimische Bohnensorten, 127 Mais-, 38 Sorghum- und 9 Reissorten identifiziert werden. Mehr als 400 Saatgutbanken mit lokalem Saatgut wurden geschaffen, Tausende Bauernfamilien haben Zugang zu diesem beeindruckenden genetischen Erbe.

Kleinbauern ernähren das Land

Der Kampf gegen Gentech-Sorten vereint alle Kleinbauern und mittleren Landwirtschaftsbetriebe in Nicaragua – sie machen 90 Prozent aller Produzenten des Landes aus. Sie sind es, die Nicaragua ernähren. Für die Kleinbauern und -bäuerinnen ist klar: Sie benötigen kein hochtechnisiertes und risikobehaftetes Saatgut, sondern Unterstützung bei der effizienten und nachhaltigen Nutzung der vorhandenen Ressourcen.

Ihre Spende wirkt

Mit 32 Franken ermöglichen Sie in Nicaragua einer Bäuerin die Teilnahme an einer Saatgutmesse, an der lokale Sorten vorgestellt, getauscht und verkauft werden. Mit 120 Franken kann eine Vertreterin der Saatgutallianz an einem Treffen teilnehmen, um das politische Lobbying zu koordinieren.

Projektnummer: NC 2/16/10

Projektkosten: 165‘033 Franken

Laufzeit: 18 Monate

Begünstigte: 35’000 Bauern, die von der Saatgutallianz betreut werden; Konsumentinnen und Konsumenten