Rio+20: Landgrabbing ist Verrat

Rio+20: Landgrabbing ist Verrat

Scheitert der Erdgipfel Rio+20? Die in Rio breit vertretene Zivilgesellschaft scheint an einen Misserfolg zu glauben. Die Schlusserklärung ist schwach und die Staats- und Regierungschefs sind keine festen Verpflichtungen eingegangen. Dieser Ansicht ist auch Almoustapha Moumoni, Leiter des SWISSAID-Büros im Niger, der SWISSAID an der Rio+20-Konferenz vertritt. Er verweist aber auf die unglaublich dynamischen und vielfältigen Beiträge der Organisationen der Zivilgesellschaft, die fest entschlossen sind, weiter zu kämpfen.

Im Zentrum verschiedener Veranstaltungen des Forums der Völker stand die drängende Frage des Landgrabbings. An einem der Workshops wirkten auch Vertreter der COPAGEN, der Koalition für den Schutz der genetischen Ressourcen Afrikas, mit Unterstützung von SWISSAID mit. SWISSAID-Vertreter Almoustapha Moumouni äusserte sich dabei zur höchst beunruhigenden Situation im Niger. «Landgrabbing in Afrika ist ein dreifacher Verrat – an den früheren und an den heutigen Bauern und an den künftigen Generationen», sagt er. Immer wieder stellt man dasselbe fest: Private Investoren kaufen riesige Ackerlandflächen auf, ein Gemeingut, das die nationalen und lokalen Verantwortlichen an sie verscherbeln. Dabei werden die zivilen, sozialen und kulturellen Rechte der Gemeinschaften missachtet. Das Forum der Völker hat deshalb zur Gründung einer weltweiten Koalition gegen Landgrabbing aufgerufen

Almoustapha Moumouni nahm auch am Verhandlungs- und Beratungsprozess für die Erklärung «Die Zukunft, die wir wollen» teil. Diese den Staats- und Regierungschefs vorgelegte Deklaration stellt ein echtes Plädoyer für einen radikalen Kurswechsel dar, um unseren Planeten zu retten.

Hohe Frauenpräsenz

Als erfreulich bezeichnete der SWISSAID-Vertreter in Rio ausserdem die grosse Teilnahme von Frauen. An den zahlreichen Aktivitäten, an denen er sich beteiligte, waren viel mehr Frauen als Männer vertreten. «Dies zeigt die entscheidende Rolle und das überaus wichtige Engagement der Frauen bei den strategischen Prozessen der nachhaltigen Entwicklung – heute und vermehrt noch in Zukunft», sagt er.

Das im Zentrum der Diskussionen in Rio stehende Konzept der «grünen Wirtschaft» wurde von den Organisationen der Zivilgesellschaft heftig kritisiert. Angehörige der indigenen Bevölkerung im Amazonasgebiet protestierten ebenfalls gegen die grüne Wirtschaft, die eine «Kommerzialisierung der Natur» und ein «Verbrechen an der Erde und an den Menschen» sei. Sie verlangten von den Entscheidungsträgern der Welt, Mutter Erde zu schützen. Der bolivianische Präsident Evo Morales sprach sogar von einem «neuen Kolonialismus» der reichen Staaten gegenüber den Entwicklungsländern. «Die natürlichen Ressourcen gehören den Völkern - multinationale Unternehmen dürfen damit keine Geschäfte machen», erklärte er. Damit stimmte er mit den Schlussfolgerungen der Tagung überein, die SWISSAID einen Monat vor Rio+20 zu dieser «Green Economy» organisiert hatte, die noch von sich reden machen wird.