Raubzug auf die Urwälder Guinea-Bissaus

Raubzug auf die Urwälder Guinea-Bissaus

Kurz vor den Wahlen versuchen korrupte Politiker und Militärs ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Sie verscherbeln die wertvollen Hölzer der Urwälder im Süden des Landes zu Schleuderpreisen an chinesische Holzkonzerne.

In den Wäldern von Guinea-Bissau grasten einst Elefanten und räkelten sich Löwen in der Sonne. In den weitgehend unberührten Urwäldern im Süden des Landes finden sich heute noch Leoparden, Gazellen, Affen und seltene Vögel – wie lange noch? Die korrupten Politiker und Militärs verschleudern derzeit die Reichtümer des Landes und bewilligen den an sich illegalen Holzschlag in noch nie dagewesenem Ausmass. Nach Ansicht von Kennern der Region wollen einzelne Politiker und Militärs vor den Wahlen noch Kasse machen. Sie fürchten zu Recht um ihre Wahl: Der erste Wahlgang für das Präsidentenamt ist für den 13. April  angesetzt, wobei rund ein Dutzend Kandidaten um die Gunst der Wählerinnen und Wähler buhlen.

Allein im Januar und Februar dieses Jahres zählten mutige Beobachter am Hafen der Hauptstadt  Bissau 274 Container zu je 20 Stämmen, die nach China verschifft wurden – rund 10 500 m3 bestes Tropenholz. Damit liegen die Exporte nur knapp ein Drittel unter jenen des Vorjahres und übertreffen bereits die gesamte nach China ausgeführte Menge von 2012. Dabei verletzen die Profiteure der Abholzung das Waldgesetz von 2011, das den Export des Holzes verbietet und die Aufforstung regelt.

Die Bevölkerung geht leer aus

Die Bevölkerung der Dörfer und das Gemeinwesen, dem die Wälder gehören, werden für den Kahlschlag in der Regel nicht entschädigt und bestenfalls mit Brosamen abgespeist. Den Reibach machen die korrupten Machthaber und die chinesischen Holzkonzerne. Der Kubikmeter Holz wechselt derzeit für umgerechnet lächerliche 393 Franken die Hand. Vor Jahresfrist kostete dieselbe Menge in Guinea-Bissau noch 567 Franken. Und im benachbarten Gambia ist der Kubikmeter derzeit über vier Mal mehr Wert: 1730 Franken bezahlen die Chinesen für dieselbe Menge in vergleichbarer Qualität. 

Zum Vergleich: In der Schweiz kostet ein Kubikmeter bestes Tropenholz gerne das 25fache dessen, was chinesische Firmen in Guinea-Bissau dafür bezahlen.

Kritiker riskieren Kopf und Kragen

Angesichts solcher „Gewinnmargen“ ist klar, dass Kritiker gerne mundtot gemacht werden. Dennoch kam es in Bissau vor Wochenfrist zu einer vielbeachteten Radiodebatte, in der führende Menschenrechtsaktivisten und Umweltschützer – beides Partner von SWISSAID – auf die Zerstörung der Wälder aufmerksam machten. „Es braucht Mut, dieses Thema an die Öffentlichkeit zu bringen“, erklärt Alfredo Handem, der Leiter des SWISSAID-Büros vor Ort. Die meisten Menschen fürchten sich vor den Militärs, die den Holzschlag mit Waffen begleiten und verteidigen.

Um Gegensteuer zu geben, besteht ein erster Schritt darin, die Bevölkerung über den Raubbau an den eigenen Ressourcen aufzuklären. Ebenso wichtig ist es, die Dorfgemeinschaften im Kampf um die Wälder direkt zu unterstützten. Einige der Selbsthilfe-Projekte von SWISSAID in Guinea-Bissau zielen auf die Stärkung der demokratischen Kräfte im Land ab, denn ohne demokratisch legitimierte Regierung lassen sich kaum Rahmenbedingungen schaffen, die eine langfristige Verbesserung der Lage erwarten lassen. Viele Leute in Guinea-Bissau setzen denn auch grosse Hoffnungen in die kommenden Wahlen, auf dass endlich eine Regierung im Präsidentenpalast Einzug halte, die für die Menschen in Guinea-Bissau und nicht gegen sie regiere.