Mit Reis und Zwiebeln aus der Armut

«Jetzt kann ich sogar sparen»

Wenn die Bevölkerung den Reis nicht mehr kaufen muss, sondern selber anbaut, reicht das Geld für andere wichtige Ausgaben – etwa für brandsichere Blechdächer. Die Erfolgsgeschichte aus Guinea-Bissau zeigt, wie agroökologischen Anbaumethoden den Weg für eine selbstbestimmtere Zukunft bereiten.

Die Fakten

Land, Region:
Guinea-Bissau, Bafatá
Dauer:
Dezember 2016 - Juni 2019
Begünstigte:
2'063 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern
Gesamtprojektbudget:
141'176 CHF

Die Ziele

Dieses Projekt hat zum Ziel, die Reis- und Zwiebelproduktion durch die Anwendung von agroökologischen Anbautechniken zu steigern und den Zugang zu Produktionsmitteln, Wasser und Mikrokrediten zu verbessern.
Darüber hinaus steht die Gleichstellung im Fokus des Projekts. So ermöglicht der Aufbau von bäuerlichen Basisorganisationen die Stärkung der Gemeinschaft, die Selbstverwaltung und eine bessere Verteidigung der gemeinsamen Interessen.

 

Die Erfolge im Anbau von gut verkäuflichem Gemüse – beispielsweise Süsskartoffeln, Maniok oder Zwiebeln – waren ermutigend. Doch die prekäre Ernährungssituation machte den Bauernfamilien immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Denn ein Grossteil des erwirtschafteten Einkommens floss in den Kauf von Reis. Dies stellten SWISSAID und die Partnerorganisationen in Guinea-Bissau fest.

Daher beschlossen sie, wieder stärker auf den Reisanbau zu setzen und die Eigenproduktion zu steigern. Damit würde die finanzielle Belastung für die Bauernfamilien verringert, und die Bevölkerung wäre nicht mehr machtlos den steigenden Preisen für Reis ausgeliefert, der zu über 60 Prozent importiert wird.

Der Reisanbau hat in diesem westafrikanischen Land aber noch einen weiteren Vorteil: Die Nutzung der brachliegenden Flächen im Tiefland vermindert den Wanderfeldbau, der auf Brandrodung und Abholzung basiert.

«In unserem Dorf waren die Häuser früher mit Stroh bedeckt. Immer wieder gab es Brände, und das Feuer zerstörte unsere Lebensmittelvorräte. Jetzt haben wir uns Blechdächer leisten können – all das dank Reis und Zwiebeln!», sagt die begeisterte Präsidentin der Frauengruppe.

Eine externe Evaluation belegte 2016 die Wirksamkeit dieser neuen Strategie in der Gemeinde Contuboel, wo SWISSAID die Organisation Alpacof unterstützt. Indem sowohl Reis als auch Zwiebeln angebaut werden, konnten die Lebensbedingungen von 2’063 Personen in 16 Dörfern deutlich verbessert werden.

Die Vorräte gingen im Feuer auf

Die Präsidentin der Frauengruppe zeigt sich begeistert: «Ich muss kein Geld mehr für Reis ausgeben und kann sogar sparen. In unserem Dorf waren die Häuser früher mit Stroh bedeckt. Immer wieder gab es Brände, und das Feuer zerstörte unsere Lebensmittelvorräte. Jetzt haben wir uns Blechdächer leisten können – all das dank Reis und Zwiebeln!»

Die Evaluation zeigt, dass sich unterdessen alle besuchten Dörfer selbst mit Reis versorgen. Möglich wurde dies dank besseren ökologischen Anbaumethoden und der Produktion von angepasstem Saatgut – beides führt zu ertragreicheren Ernten.

Durch den Zwiebelanbau erwirtschaften die Frauen ein beachtliches Einkommen, das nicht nur reicht, um den unmittelbaren Bedarf zu decken. Sie nutzen den Erlös auch, um als weitere Beschäftigung mit der Aufzucht von Schafen und Ziegen zu beginnen. Dieser Erfolg, der dank gezielter Unterstützung möglich wurde, ist ein entscheidender Schritt hin zu einer Diversifizierung der Anbaukulturen und zur Ernährungssouveränität. Das sind Veränderungen, die bleiben.