Gleichstellung

Hommage an die Bäuerinnen

Fotograf Luis A. Guzmán hat Bäuerinnen aus einem Frauenprojekt in Kolumbien porträtiert. Von den neuen Möglichkeiten motiviert, ihr Leben zu bereichern und die Familie zu versorgen, schreiten sie selbstbewusst voran – raus aus der Armut, hin zur Ernährungssicherheit.

Die Fakten

Land, Region:
Kolumbien, Boyacá
Dauer:
Januar 2018 – Dezember 2019
Begünstigte:
108 Bauern und Bäuerinnen, davon 92 Frauen
Gesamtprojektbudget:
79'033 CHF

Die Ziele

Das Projekt zielt einerseits auf die Agroökologie ab. Die Bäuerinnen und Bauern sollen in der Lage sein, den Boden langfristig und nachhaltig zu bewirtschaften. Damit soll die Ernährungssituation und die finanzielle Lage in den Familien verbessert werden. Daneben nimmt die Gleichstellung einen wichtigen Part ein. Frauen stärken – und damit die vorhandene Machokultur durchbrechen.

 

Frauen sind das Rückgrat der Gesellschaft: Der Fotograf Luis A. Guzmán würdigt in einem Bildband das weibliche Geschlecht. Die porträtierten Frauen sind Begünstigte aus einem SWISSAID-Projekt in der Gemeinde Mongua im kolumbianischen Departement Boyacá. 

Tief verankerte Machokultur

Stärke, Selbstbewusstsein, Zuversicht: Was die Bäuerinnen auf den Fotos ausstrahlen, entspricht so gar nicht dem Bild, das man noch vor ein paar Jahren von ihrem Leben malte. Für ihre anstrengende Haus- und Feldarbeit sahen sie keinen müden Peso. Zur wirtschaftlichen Abhängigkeit verdammt, wurde ihr Leiden unter Gewalt und Diskriminierung in einer tief verankerten Machokultur noch verstärkt.

Die porträtierten Frauen sind Begünstigte aus einem SWISSAID-Projekt in der Gemeinde Mongua im kolumbianischen Departement Boyacá. Die Mongua-Bauern widmeten ihre kleinen Parzellen auf 3’000 bis 4’000 Metern über Meer lange Zeit hauptsächlich Kartoffelmonokulturen – ein Produkt und eine Anbaumethode anfällig für Produktionsmängel. Der Einsatz von giftigen, teuren Düngemitteln und Pestiziden kontaminierte Boden und Wasser. Viele alte Gemüsesorten der Vorfahren gingen verloren. Armut, Mangelernährung und sogar Hunger waren die Folge.

Ein Auge für agroökologische Anbaumethoden: Darauf wurden die Bäuerinnen geschult. Heute bringen die Böden 70 verschiedene Gemüse und Früchte hervor. Dadurch hat sich die Ernährungssituation in den Familien verbessert.

 

Radikaler Wechsel

Die Zusammenarbeit von SWISSAID mit zwei lokalen Bauernverbänden hat die missliche Situation in den letzten Jahren stark verbessert: Bäuerinnen und Bauern wurden in agroökologischen Anbaumethoden geschult. Heute bringen die Böden eine Vielfalt von 70 verschiedenen Gemüsen und Früchten hervor. 11 verloren gegangene Sorten der Vorfahren wurden gerettet – etwa Perlgraupen, roter Weizen oder Artischocken. Die Ernährungssicherheit der Familien hat sich erhöht. Überschüssiges Gemüse und Obst können die Bäuerinnen am Markt, an Nachbarn oder über trendige neue Verkaufskanäle wie Bio-Abos für Städter verkaufen.

Nun gilt es, diese erzielten Erfolge nachhaltig zu verankern. In der letzten Projektphase sollen die zwei Bauernorganisationen so gestärkt werden, dass sie ihre Prozesse langfristig aufrechterhalten können. Jugendliche werden noch vermehrt miteinbezogen. Ein besonderes Augenmerk gilt dem besseren Zusammenleben in der Familie: Die Frau wird weiter gestärkt und die Männer bekennen sich zu gewaltfreien Umgang mit ihren Frauen und Kindern.

Starke Frauen weiter stärken: Der gewaltfreie Umgang in Familien ist ein wichtiger Aspekt des SWISSAID-Projekts in Kolumbien

Rolle der Frauen

Um die Gleichstellung der Geschlechter voranzubringen, wurde eine gute Basis geschaffen: 85 Prozent der Mitglieder der Bauernorganisation sind Frauen. Währen des gesamten Projektes standen sie an vorderster Front, wenn es darum ging, Vorschläge zu erarbeiten und umzusetzen. Sie haben im Projekt eine wirtschaftliche, politische und soziale Alternative zu ihrem oft trostlosen täglichen Leben gefunden. Heute schon nehmen sie eine tragende gesellschaftliche Rolle ein. Als Hausfrau, Mutter und Bäuerin.