Papa auf Kolumbianisch

Nach über 50 Jahren Krieg steht nun der Aufbau einer Friedenskultur an erster Stelle. Das Projekt «Neue Männerbilder» leistet dazu einen Beitrag.

In Teilen der Karibikregion Kolumbiens litt die Bevölkerung sehr stark unter den bewaffneten Auseinandersetzungen. Dies verstärkte noch die Gewalt gegen Frauen, die kulturell tief verankert ist. Seit einigen Jahren unterstützt SWISSAID in dieser Region daher sechs Basisgruppen mit Projekten zu Agroökologie und zur Förderung der demokratischen Mitspracherechte. Auf das so erarbeitete Vertrauen baut das innovative Projekt «Neue Männerbilder» auf, in dem es um persönliche, ja gar intime Themen geht.
Die da beispielsweise wären: Wie trage ich in der Partnerschaft einen Streit gewaltfrei aus? Wie kann ich als Vater eine liebevolle Beziehung zu meinem Kind aufbauen? Wie bleibe ich gesund?

In zahlreichen Workshops warfen spezialisierte Psychologinnen und Sozialarbeiter diese und ähnliche Fragen auf. Dabei kamen spielerische Methoden zur Anwendung, etwa Theater, Tanz, Rollenspiele und Diskussionen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – allesamt Mitglieder der erwähnten Basisgruppen – erfuhren so am eigenen Leib, dass die stereotypen Rollen, die sie als Mann oder Frau spielen, anerzogen sind und dass sie die Freiheit haben, diese zu ändern. Um die breitere Bevölkerung zu sensibilisieren, wurde mit Festen und Umzügen die Kampagne «In der Karibik ist der Macho nichts wert!» lanciert.

Vater sein dagegen sehr

Hat es etwas genützt? Dies wurde im Nachgang zu den Workshops eingehend analysiert. Nach Angaben der Teilnehmenden sank die Gewalt in der Familie, und Männer getrauen sich nun eher, ihre Vaterrolle wahrzunehmen. So gab etwa Teilnehmer Carlos Arrieta zu Protokoll: «Ich bin 20 Jahre alt und kürzlich Vater geworden. Ich war nicht darauf vorbereitet und hatte etwas Angst davor. Nun setze ich alles daran, ein liebevoller Vater zu sein, auch wenn mir dafür das Vorbild fehlt.» Frauen konnten zudem ihr Selbstvertrauen stärken, übernehmen heute in den Basisgruppen mehr Führungspositionen und werden darin von den Männern unterstützt. Zur sozialen Verankerung wurden in den Partnerorganisationen «Männerbilder-Gruppen» und Anlaufstellen gebildet, die bei Familienkonflikten Erste Hilfe leisten. Ausserdem soll die Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen noch verstärkt werden, damit dieser Ansatz in die lokalen Politiken aufgenommen wird. 

Ihre Spende wirkt 

Mit 40 Franken kaufen Sie beispielsweise in Kolumbien 10 Hemden für die Kampagne «In der Karibik ist der Macho nichts wert». Mit 60 Franken finanzieren Sie die Hin- und Rückreise sowie einen Snack für die Teilnehmer eines «Gewaltfrei-Workshops», den eine Basisorganisation mit Staatsangestellten durchführt. 

 

Projektnummer: KO 2/15/01
Kosten: 138'130 Franken 
Laufzeit:  18 Monate
Anzahl direkt Begünstigter:  1742 Personen (davon 1/2 Frauen, 1/2 Männer)