„Pachamama ist grosszügig – wenn wir sie gut behandeln!“

Pachamama, die personifizierte „Mutter Erde“ und Göttin der Fruchtbarkeit, wird in den Anden Ecuadors hoch verehrt. Sie schenkt Leben in jeder Hinsicht, zum Beispiel in Form reicher Ernten. Allerdings müssen die Bäuerinnen und Bauern die Böden dazu gut hegen und pflegen. SWISSAID unterstützt sie dabei.

In Guangaje, einem Landstrich im Hochland von Ecuador, hat es Pachamama nicht leicht. In der Gegend auf rund 3500 Metern über Meer ist das Klima rau und die Böden karg. Landwirtschaft ist unter diesen Bedingungen ein täglicher Kampf. Auch der zunehmende Wassermangel lastet schwer auf den Schultern der Indio-Gemeinschaft. Diese vertraut auf Pachamama – und die Kurse von SWISSAID.

Drei Viertel der Bevölkerung ist unterernährt

Auf dem kargen Landstrich leben mehr als 95 Prozent aller Menschen unter der Armutsgrenze. Drei Viertel der indigenen Bevölkerung sind unterernährt. Die Kleinbauernfamilien haben kein sauberes Wasser und vor allem Kinder und Jugendliche leiden stark unter auszehrenden Magen- und Darmerkrankungen.

Dass es an Essen mangelt, obwohl die Gemeinschaft ihre Nahrungsmittel zum grössten Teil selber anbaut, liegt an ungeeigneten Bewirtschaftungsformen, unzureichender Bewässerung der Felder und fehlendem Wissen. Auf den Feldern wächst schlicht nicht genug. Zudem führt die Zerstörung der Páramos - jener Pflanzendecke, die die steilen Hänge bedeckt und als natürlicher Wasserspeicher dient - zur Verknappung der Wasservorräte

Damit die Frauen, Männer und Kinder von der Ernte ihrer Felder wieder satt werden können, unterstützt SWISSAID seit 2008 gezielt arme Kleinbauernfamilien. Mittels umweltschonender Landwirtschaft und dem Bau einer funktionierenden Wasserversorgung können sie ihre Gesundheits-, Ernährungs- und Einkommenssituation nachhaltig verbessern. Bei dieser anspruchsvollen Aufgabe greift SWISSAID den Basisgruppen, zum Beispiel Bauernorganisationen oder Wasserkomitees fachlich, organisatorisch und finanziell unter die Arme.

Abwechslungsreicher, gesünder, ergiebiger

Die Hilfe zur Selbsthilfe zeigt Wirkung – und wird deshalb fortgesetzt. Agustín Vega Milingalle, Präsident der lokalen Bauerngruppe, ist froh darüber:

„Seit wir Hilfe erhalten, hat sich unser Lebend gewandelt. Früher hatten wir nicht genug zu essen, wir Männer waren gezwungen, in der Stadt nach Arbeit zu suchen. Nur so kam unsere Familie überhaupt über die Runden. “

In Agustín Vega Milingalles Dorf gehört Hunger heute der Vergangenheit an. In Kursen haben die Frauen und Männer gelernt, ihre Produktion zu diversifizieren und zu vergrössern, biologischen Dünger herzustellen und Kleintiere zu züchten. Dies führte nicht nur zu einer abwechslungsreicheren und gesünderen Ernährung, sondern ermöglichte es den Produzentinnen auch, einen Teil ihrer Ernte auf dem lokalen Markt zu verkaufen.

Was die Bauernfamilien heute dem Boden abtrotzen, ist erstaunlich: „Wir bauen Bohnen, Karotten, Salat, Randen und Radieschen an“, zählt Agustín Vega Milingalle auf. Seine Frau, Isolinda Lisintuña, ergänzt: „Ausserdem Kartoffeln, Rettich, Zwiebeln und das Futter für unsere Kaninchen und Meerschweinchen.“ Auf jeden Fall genug, um die sechsköpfige Familie durchzubringen und einen Teil der Ernte mit den Nachbarn zu teilen.

„Ohne Wasser ist das Leben in Gefahr“

Dennoch ist die Familie weit davor entfernt, sich zurückzulehnen. „Ohne Wasser ist dein Leben hier auf dem Land wirklich in Gefahr. Menschen und Tiere können nicht mehr ernährt, die Felder nicht mehr bewässert werden. Ohne Geld kann man leben – ohne Wasser nie“, betont Isolinda Lisintuña.

Schon lange engagiert sie sich für bessere Rechte der Bevölkerung an den Quellen. Ihre Freude war riesig, als endlich Bewegung in die Sache kam und Wissenschaftler in die Berge gerufen wurden, um Messungen durchzuführen und Quellen aufzuspüren. „Vier Quellen wurden uns zugeteilt“, jubelt Isolinda Lisintuña.

Der Erfolg kam weder von ungefähr, noch war er gratis. In dreimonatiger Gemeinschaftsarbeit huben Frauen und Männer auf einer Länge von sieben Kilometern einen 1.20 Meter tiefen Graben aus. Die Quellfassungen wurden betoniert und mit einem Zaun geschützt, um zu verhindern, dass das Wasser durch Vieh und Wildtiere verschmutzt wird. 60 Familien haben mitgemacht, jede schickte vier bis fünf Personen für diese strenge Arbeit. Dazu musste jede Familie 57 Dollar zahlen – denn die Begünstigten müssen auch einen Teil der Gesamtprojektkosten selber tragen.

Abwanderung bremsen

Mit dem Fortdauern des Projektes erneuerte SWISSAID in drei Dörfern die alten Wassersysteme. Nach 30 Jahren kam das Wasser schmutzig und nur noch unregelmässig aus den Leitungen, eine Erneuerung war überfällig. In Kursen lernen die Familien, die neuen Leitungen zu kontrollieren, das Wasser zu chloren und den Tank zu warten. Auch die Verwaltung des kostbaren Nasses will gelernt sein. „Heute haben wir genug Wasser, um das Essen zuzubereiten, uns selber und unsere Wäsche zu waschen und sogar, um die Felder zu bewässern“, sagt Agustín Vega erleichtert. 

Mit der gestiegenen Lebensqualität verbindet er noch ganz andere Hoffnungen:

"Unser Ziel besteht darin, die abgewanderten Familien zur Rückkehr in die Gemeinden zu bewegen. Sie können sich am Wasser bedienen und so wieder den Glauben in die Landwirtschaft finden. Denn Pachamama ist grosszügig – wir müssen sie nur gut behandeln.“

 

 

  • Projektcode: EC 2/14/01

  • Projektkosten: 113‘773 Franken

  • Projektdauer: 12 Monate

  • Anzahl Begünstigte: 552 Familien, bzw. 2‘760 Frauen, Männer und Kinder